UmfRAGE
«Ich verstehe die getroffenen Massnahmen» und «Ein Lockdown ist nicht die Lösung schlechthin» – so denken Rorschacher Jugendliche über die Coronakrise und die Impfung

Seit Mitte Dezember mussten viele Institutionen geschlossen und Anlässe abgesagt werden, die für junge Menschen normalerweise zum alltäglichen Leben gehören. Sowohl Ablehnung als auch Zustimmung zeigen sich unter den Jugendlichen.

Siri Würzer
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Während der ersten zwei Schulwochen nach den Weihnachtsferien steht im Kanton St.Gallen für Berufs- und Mittelschulen der Fernunterricht an der Tagesordnung. Seit dem 22. Dezember sind Restaurants sowie Freizeit-, Sport- und Kultureinrichtungen in der ganzen Schweiz bis Ende Februar geschlossen. Am 6. Januar hat die Impfung gegen das Coronavirus in den Betagten- und Pflegeheimen im Kanton begonnen.

Treffen im privaten und in öffentlichen Raum dürfen neu mit maximal fünf Personen abgehalten werden. Jugendliche sind von diesen Massnahmen als Altersgruppe besonders betroffen. Die Reaktionen von jungen Menschen sind durchzogen. Grundsätzlich sehen sie die Notwendigkeit der Beschränkungen, auch wenn sie sich eine Rückkehr zur Normalität wünschen. Wie bereits die Ergebnisse repräsentativer Umfragen gezeigt haben, stehen viele der Impfung kritisch gegenüber.

Jennifer Lopez (15), Oberstufenschülerin, Rorschach

Jennifer Lopez (15), Oberstufenschülerin, Rorschach

Jennifer Lopez (15), Oberstufenschülerin, Rorschach:
Ich kann die Massnahmen, die getroffen worden sind, nachvollziehen und sehe auch den momentanen Teil-Lockdown ein. Es stecken sich ja immer noch viele Leute an. Ich finde es aber inkonsistent, wenn an vielen Orten die Massnahmen zwar sehr gut umgesetzt werden, während sich an anderen Orten aber fast niemand daran hält. Bei uns in der Schule beispielsweise stehen in der Pause dann doch alle wieder zusammen. Dass alle Restaurants schliessen müssen, finde ich sehr schade. Persönlich freue ich mich deshalb aber umso mehr darauf, wenn wir wieder unbekümmert hinausgehen können und das normale Leben zurückgekehrt ist.

Martina Weh (22), Coiffeuse, Arbon

Martina Weh (22), Coiffeuse, Arbon

Diego Ramos Branco (14), Oberstufenschüler, Rorschacherberg:
Ich hoffe, dass der Teil-Lockdown schon bald wieder vorüber ist. Mit meinen Freunden treffe ich mich auch jetzt noch. In der Oberstufe haben wir auch jetzt in den Wochen nach den Weihnachtsferien normalen Präsenzunterricht. Das Homeschooling im Frühling fand ich zu Beginn ganz gut. Mit der Zeit wurde es mir aber etwas zu langweilig. Ich hoffe, dass sich die Coronalage mit dem Ende des Winters wieder etwas entspannt. Der Impfung stehe ich eher kritisch gegenüber. Ich würde mich zuerst ganz genau über den Impfstoff informieren, bevor ich mich impfen lasse.

Diego Ramos Branco (14), Oberstufenschüler, Rorschacherberg

Diego Ramos Branco (14), Oberstufenschüler, Rorschacherberg

Martina Weh (22), Coiffeuse, Arbon:
Ich bin hinsichtlich der Schliessung von Restaurants und Bars eher etwas hin- und hergerissen. Die meisten Ansteckungen – denke ich – finden ja im Bekanntenkreis statt. In den Restaurants werden die Regeln ja ohnehin schon sehr gut eingehalten. Ein Lockdown ist meiner Meinung nach nicht die Lösung schlechthin. Ich werde nicht die Erste sein, die sich impfen lässt. Wenn dies jedoch die einzige Weise ist, auf die ich beispielsweise meine Grosseltern wieder sehen kann, dann würde ich mich schon impfen lassen.

Maja Zivic (27), Büroangestellte, Rorschacherberg

Maja Zivic (27), Büroangestellte, Rorschacherberg

Maja Zivic (27), Büroangestellte, Rorschacherberg:
Ein positiver Aspekt der Coronakrise war für mich persönlich, dass ich mehr mit meinen Verwandten und meiner Familie zusammen sein konnte. Ich genoss es, mit ihnen Zeit zu verbringen. Ich vermisse es aber, gemeinsam in ein Restaurant zu gehen. Impfen lassen werde ich mich nicht. Auch dann nicht, wenn einem dadurch Vorteile eingeräumt würden.

Raoul Hüttenmoser (14), Kantonsschüler, Goldach

Raoul Hüttenmoser (14), Kantonsschüler, Goldach

Raoul Hüttenmoser (14), Kantonsschüler, Goldach:
Ich habe momentan ebenfalls Fernunterricht. Ich merke, dass ich eher ein bisschen weniger mache, als wenn Präsenzunterricht ist. Man hat gefühlt eher weniger Schule, weil man sich die Zeit viel selbstständiger einteilen kann. Ein positiver Aspekt der Coronakrise ist sicher, dass man mehr Zeit mit seiner Familie verbringen kann. Auch mit Freunden treffe ich mich weiterhin. Im täglichen Leben bin ich vom Teil-Lockdown aber nicht stark eingeschränkt. Grundsätzlich ist der Alltag ein bisschen so wie immer. Meine Einstellung zur Impfung ist neutral. Ich würde mich nicht unbedingt sofort impfen lassen. Ich setze auch keine riesigen Hoffnungen in die Impfung. Ich denke, dass uns Corona noch eine Weile begleiten wird.

Lejla Pilica (14), Kantonsschülerin, Rorschach

Lejla Pilica (14), Kantonsschülerin, Rorschach

Lejla Pilica (14), Kantonsschülerin, Rorschach:
Ich fände es besser, wenn es nicht nur in den Berufs- und Mittelschulen, sondern auch in den unteren Stufen für diese Zeit Fernunterricht gäbe. Denn dort treffen ja auch viele Personen auf einmal miteinander zusammen. Der Fernunterricht funktioniert bei mir an der Schule soweit gut. Wir arbeiten mit Teams und haben viele Meetings. Im Lockdown im Frühling, wo alles ein bisschen kurzfristiger und provisorisch war, war der Fernunterricht schlechter organisiert.

Elia Baumann (15), Oberstufenschüler, Goldach

Elia Baumann (15), Oberstufenschüler, Goldach

Elia Baumann (15), Oberstufenschüler, Goldach:
In der Schule müssen wir seit einigen Wochen Masken tragen. Anfangs war es etwas mühsam, man hat sich aber ziemlich schnell daran gewöhnt. Am auffallendsten ist für mich im Alltag, dass die Restaurants geschlossen sind. Das ist schon ein bisschen schade. Mit Freunden treffe ich mich weiterhin. Ein bisschen vorsichtiger ist man im Allgemeinen wahrscheinlich schon geworden. Es ist ja mittlerweile normal, Abstand zu halten. Ich finde, man macht das unterdessen bereits unbewusst. Ich bin nicht wahnsinnig optimistisch und denke, dass wir noch eine Zeitlang nicht aus dieser Coronasituation herauskommen werden.

Suhejla Elshani (14), Oberstufenschülerin, Rorschach

Suhejla Elshani (14), Oberstufenschülerin, Rorschach

Suhejla Elshani (14), Oberstufenschülerin, Rorschach:
Ich finde ebenfalls, dass es gut wäre, wenn alle Schulen für einen gewissen Zeitraum einmal ganz schliessen würden. Vielleicht sollte der momentane Teil-Lockdown auch etwas verschärft werden, damit sich die Coronasituation entschärft. So könnte man nachher dafür wieder mehr lockern, anstatt das öffentliche Leben dafür über eine lange Zeit halbwegs einzuschränken. Bei der Impfung bin ich eher dagegen. Ich möchte zuerst wissen, ob sie einen wirklichen Schutz garantiert. Zudem fehlen natürlich die Langzeitstudien zu möglichen Nebenwirkungen.

Gustavo Vasconcelos (14), Oberstufenschüler, Rorschach

Gustavo Vasconcelos (14), Oberstufenschüler, Rorschach

Gustavo Vasconcelos (14), Oberstufenschüler, Rorschach:
Persönlich treffen mich die Konsequenzen der Coronakrise im Moment nicht so schwer. Ich bin in der Oberstufe und kann deshalb auch regulär in die Schule gehen, wir haben kein Homeschooling. Mit Freunden treffe ich mich trotzdem noch hin und wieder.