Glosse

Übrigens: Das Dilemma des engagierten Ehepaars aus Altenrhein

Sie ist Gemeinderätin, er Schulrat. Nach den Erneuerungswahlen erklären sich Sandra und Boris Bischof im Thaler Gemeindeblatt mit einem Reim und wehren sich gegen Vorwürfe der SVP.

Jolanda Riedener
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Eine Gemeinderätin und ein Schulrat aus Thal sind verheiratet. Ein Interessenskonflikt gebe es nicht.

Eine Gemeinderätin und ein Schulrat aus Thal sind verheiratet. Ein Interessenskonflikt gebe es nicht.

Bild: Ralph Ribi

Es sei moralisch zu hinterfragen, ob es im Sinne der Gemeindeordnung ist, wenn sich Ehepartner für einzelne Räte aufstellen lassen. Das schreibt die SVP Ortspartei in der Septemberausgabe des Thaler Gemeindeblatts. Damit spielt die Partei auf das Ehepaar Bischof an: Die parteilose Sandra Bischof amtet als Gemeinderätin während ihr Mann Boris Bischof als Schulrat wirkt.

Richtig, Familienmitglieder sollten nicht im selben Rat sitzen. Da Bischofs in unterschiedlichen Gremien tätig sind, sei dies aber «korrekt und erlaubt», bestätigen Gemeindepräsident Felix Wüst und Schulpräsidentin Miriam Salvisberg gegenüber dem «Tagblatt» bereits im August.

Mittlerweile ist Sandra Bischof mit einem Glanzresultat – hinter dem Gemeindepräsidenten und der Schulpräsidentin – als Gemeinderätin bestätigt worden. Auch Boris Bischof darf sich freuen: Er machte von allen Schulräten die meisten Stimmen und schaffte die Wiederwahl problemlos. Der Kandidat der SVP hingegen muss sich am 29. November einem zweiten Wahlgang um den verbleibenden Gemeinderatssitz stellen. Dieser Schuss ging offensichtlich nach hinten los.

Ehepaar hat den Schmerz in einen Reim verpackt

Nichtsdestotrotz haben die Vorwürfe der Bürgerlichen bei Bischofs Eindruck hinterlassen, sie gar zum Grübeln gebracht. In ihrer Antwort auf die Bedenken der SVP schreiben sie nun Gemeindeblatt vom November:

«Die schlaflosen Nächte hörten nun auf.
Das Volk hat entschieden, da hofften wir fest drauf.»

«Oder müssen wir uns dem Willen von Parteiexponenten beugen
und dürfen nun unsere Wahl nicht bezeugen?
Sollen wir das Recht gelten lassen oder wie von der SVP gefordert, Anstand wahren und die Räte verlassen?»

Wer von Wasser predigt und Wein trinkt

Laut der örtlichen SVP gelte es nämlich «eine Verflechtung in der strategischen Führung» zu vermeiden. Oder meint sie damit vielmehr: «Frauen, zurück an den Herd!»? Auch punkto Moral war die SVP nicht immer das Vorzeigeschaf par excellence. Bischofs jedenfalls zeigen sich trotz Kritik zuversichtlich:

«Doch nun sind wir einfach sicher und froh
und wissen: Wir lassen es so!»

«Gemeinsam aber in der Materie getrennt» werden sich die Bischofs weiterhin für die Gemeinde einsetzen, versprechen sie. Und die Thaler vielleicht bald mit dem nächsten Reim entzücken – trotz «unmoralischer» Arbeit im Thaler Gemeinde- und Schulrat.