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Überraschungsfund an der Teufener Strasse: Als man mit dem St.Galler Tram zum Skispringen fuhr

Derzeit wird die Teufener Strasse im Riethüsli saniert und umgestaltet. Dies ist möglich, weil die Appenzeller Bahnen seit Herbst 2018 durch den Ruckhaldetunnel unter dem Quartier hindurch fahren. Bei Grabarbeiten sind Arbeiter jetzt überraschend auf Schienen gestossen. Sie gehörten zum St.Galler Tram, das in den 1950er-Jahren durch den Trolleybus ersetzt wurde.
Reto Voneschen
Das alte Tramgleis in der Teufener Strasse. Es blieb nach Einstellung des Betriebs 1950 im Boden und wurde im Laufe der Jahre mit mehreren Asphaltschichten zugedeckt. (Bilder: Reto Voneschen - 31. Oktober 2019)

Das alte Tramgleis in der Teufener Strasse. Es blieb nach Einstellung des Betriebs 1950 im Boden und wurde im Laufe der Jahre mit mehreren Asphaltschichten zugedeckt. (Bilder: Reto Voneschen - 31. Oktober 2019)

Wer in einer Stadt, deren Wurzeln rund 1400 Jahre zurückreichen, gräbt, stösst früher oder später auf Relikte der Stadtgeschichte. Das ist ja auch der Grund dafür, dass Grabarbeiten in der Altstadt heute konsequent durch die Kantonsarchäologie begleitet werden. Fündig geworden sind diese Woche Bauarbeiter allerdings nicht in der Altstadt, sondern in der Teufener Strasse vor dem Riethüsli.

Beim Aufgraben der Fahrbahn sind sie entlang der Stützmauer des Nestweiers zwischen Hochwachtstrasse und «Passhöhe» auf Schienen gestossen. Vom Gaiserbähnchen, den heutigen Appenzeller Bahnen, können sie nicht stammen. Das Bahntrassee lag hier ab 1913 auf der anderen Strassenseite. Es ist im Zuge der Strassensanierung bereits abgebrochen worden.

Die Baustelle an der Teufener Strasse oberhalb ihrer Verzweigung mit der Hochwachtstrasse: Gut zu erkennen das alte Tramgleis. Rechts im Bild ist noch der Rand des alten Trottoirs zu sehen. Links rollt der Verkehr. Bergwärts fahren die Autos heute provisorisch dort, wo bis Herbst 2018 die Züge der Appenzeller Bahnen rollten.

Die Baustelle an der Teufener Strasse oberhalb ihrer Verzweigung mit der Hochwachtstrasse: Gut zu erkennen das alte Tramgleis. Rechts im Bild ist noch der Rand des alten Trottoirs zu sehen. Links rollt der Verkehr. Bergwärts fahren die Autos heute provisorisch dort, wo bis Herbst 2018 die Züge der Appenzeller Bahnen rollten.

Alt Stadtarchivar Ernst Ziegler, der im Riethüsli wohnt, ordnet das gefundene Gleise der St.Galler Trambahn zu. Sie verkehrte von 1897 bis in die 1950er-Jahre hinein. Damals wurde sie schrittweise durch den Trolleybus ersetzt. Die Linie ins Riethüsli wurde relativ spät gebaut, dafür früh auf den Bus umgestellt.

1950 auf den Trolleybus umgestellt

Die Etappe vom Bahnhofplatz bis zur Hochwacht wurde im Oktober 1911 in Betrieb genommen. Der zweite Abschnitt von der Hochwacht ins Riethüsli-Nest, zu der die gefundenen Gleise gehören, folgte im April 1913. Bevor hier das Tram gebaut werden konnte, hatte man das Gleis des Gaiserbähnchens (samt Zahnradstangen) nach Westen auf die andere Strassenseite verschieben müssen. Die Tramlinie ins Riethüsli wurde Mitte 1950 als erste auf den Trolleybus umgestellt.

Bei der Verzweigung Teufener- und Hochwachtstrasse verschwindet das alte Tramgleis wieder unter dem Strassenbelag.

Bei der Verzweigung Teufener- und Hochwachtstrasse verschwindet das alte Tramgleis wieder unter dem Strassenbelag.

Für Ernst Ziegler und viele andere ältere St.Gallerinnen und St.Galler sind mit dem Tram Kindheitserinnerungen verbunden. Der ehemalige Stadtarchivar erinnert sich, wie er als Bub mit dem Vater im Tram ins Riethüsli ruckelte, um dort einem Skispringen beizuwohnen. Die Schanze befand sich damals in der Gegend Im Grund, und aus dem Riethüsli kamen Skispringer, die national mithalten konnten.

Im Boden steckt viel Stadtgeschichte

Für Stadtingenieur Beat Rietmann sind die Gleise in der Teufener Strasse keine Überraschung. Bei Sanierungen finde man regelmässig Reste alter Infrastrukturen. Darunter seien alte Werkleitungen, alte Pflästerungen und jetzt alte Schienen. Solche Dinge habe man früher bei Sanierungen oft nicht ausgebaut, was nachteilig für die Tragfähigkeit des Strassenkörpers sei.

Bei Sanierungsprojekten an Strassen werde heute im Vorfeld immer die Struktur des Aufbaus des Strassenkörpers untersucht. Dafür nehme man Sondierungen vor. Anhand der Resultate plane man dann die baulichen Massnahmen, die auf die Nutzung der Strasse abgestimmt seien.

Die alten Tramschienen müssen raus

Müsse man bei einer stark befahrenen Strasse die Fundationsschicht ersetzen, werde unter Umständen bis in eine Tiefe von 60 bis 70 Zentimeter gegraben, erläutert Beat Rietmann. An der stark befahrenen Teufener Strasse heisst das konkret, dass die alten Tramschienen nicht bleiben können. Sie werden derzeit ausgebaut, was gemäss Beat Rietmann mit viel Aufwand verbunden ist.

Auf Höhe des Nestweiers liegen ausgebaute Tramschienen zum Abtransport bereit.

Auf Höhe des Nestweiers liegen ausgebaute Tramschienen zum Abtransport bereit.

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