Überbauung in Goldachs Dorfzentrum war jahrelang durch Einsprecher blockiert: Kaum zieht er sich zurück, droht nun der Nächste

Es ist ein Lichtblick für die Zentrumsüberbauung in Goldach: Ein langer Rechtsstreit wird beigelegt. Nur droht jetzt aber der Nächste.

Jolanda Riedener
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Die Realisierung der Zentrumsüberbauung (Bildmitte) rückt etwas näher. Eine Einsprache ist aber noch hängig.

Die Realisierung der Zentrumsüberbauung (Bildmitte) rückt etwas näher. Eine Einsprache ist aber noch hängig.

Bild: Tino Dietsche

Die Enttäuschung war gross, die Hoffnung klein: Die Realisierung der Goldacher Zentrumsüberbauung schien vor einem Jahr noch weit entfernt. Denn das Verwaltungsgericht hatte die Gemeinde im März 2019 gerügt und das Projekt zurück auf Feld eins geschickt. Weil die Überbauung mit drei Mehrfamilienhäusern um zehn Zentimeter die erlaubte Gebäudehöhe überstieg, musste sie erneut öffentlich aufgelegt werden.

Seit 2013 steht der Gestaltungsplan. Der Spatenstich blieb aus, weil sich ein Einsprecher gegen die geplanten 32 Mietwohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen samt Restaurant wehrte. Dieser zieht sich nun zurück. Das bestätigt Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli: «Die Überbauung im Zentrum hat einen entscheidenden Entwicklungsschritt genommen.» Der langjährige Einsprecher, der sich kürzlich gegenüber dem «Tagblatt» geäussert hatte, habe keine Einsprache gegen das neu aufgelegte Projekt mehr eingereicht.

Eine neue Partei beanstandet Überbauung

Die Begeisterung über den Rückzug des Einsprechers müsste bei den Beteiligten eigentlich riesig sein. Allerdings ist nun innerhalb der Frist, die am 19.Februar verstrich, die Einsprache einer anderen Partei gegen das Projekt eingegangen. Entsprechend ist die Freude ein wenig getrübt. Gemperli sagt:

«Wir bleiben aber sehr optimistisch.»

Auch die Bauherrin sieht noch keinen Grund zum Jubeln: Man sei dann zuversichtlich, wenn die rechtskräftige Baubewilligung für das Projekt vorliege, heisst es auf Anfrage bei der Fortimo AG. Das Projekt sei inzwischen auf die aktuellen Vorschriften und Normen angepasst worden – unter anderem auf Minergie-Standard aktualisiert oder mit einer Fotovoltaikanlage ergänzt worden. Weiter habe man sich mit Peter Walder, dem bisherigen Einsprecher und Eigentümer des Nachbargrundstücks, geeinigt und eine privatrechtliche Vereinbarung abgeschlossen, teilt die Fortimo schriftlich mit.

Die jahrelangen Verzögerungen führten bei der Firma zu einem Aufwand, auch finanziell. So würden sich die gestiegenen Baukosten, das schwieriger gewordene Mietwohnungsumfeld oder die Kapitalkosten negativ auswirken. Dies gehöre aber ein Stück weit zum Investorenrisiko.

Derzeit wartet die Firma auf die rechtsgültige Baubewilligung, sowohl vom Projekt als auch vom Teilstrassenplan. Intern würden bereits Abklärungen zur Ausführung laufen, sodass man das Projekt bei Erhalt der Bewilligung zügig realisieren könne. In diesem Sinne sind auch die Angaben auf der Website der Immobilienfirma: Dort ist der Baubeginn aktuell auf 2021 geplant, der Bezug der 2,5- bis 4,5-Zimmerwohnungen sowie Gewerbeflächen aufs Jahr 2023.

Einsprecher wollte seine Bäume nicht opfern

Der ehemalige Einsprecher störte sich vordergründig an der Beseitigung zweier Bäume auf seinem Grundstück, das an die geplante Überbauung grenzt. Diese müssten für die Realisierung gefällt werden. Anfang dieses Jahres äusserte er sich erstmals gegenüber dieser Zeitung zu den Neubauten an der Hauptstrasse.

Er bemängelte unter anderem die «unverantwortliche, rücksichtslose und schadhafte Überverdichtung zu Lasten meiner Parzelle und deren Bewohner.» Ausserdem spricht er von «Landschinderei», die sich vor allem gegen seine beiden Bäume, einen Bergahorn sowie eine Birke, richte. Trotz seiner Kritik stellte der Einsprecher in Aussicht, dass er noch nicht wisse, ob er erneut Einsprache erhebe. Für eine Stellungnahme war er gestern nicht erreichbar.

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