Über Mittag einkaufen und die Taschen mit dem Cargobike vor die Haustür liefern lassen: St.Galler Innenstadtgeschäfte testen einen Velolieferdienst

Im St.Galler Stadtzentrum können Kundinnen und Kunden seit kurzem per App einen Velolieferdienst aufbieten. Bereits 22 Geschäfte machen mit.

Christina Weder
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Der neue Lieferdienst soll das Einkaufen in der Stadt fördern.

Der neue Lieferdienst soll das Einkaufen in der Stadt fördern.

Bild: PD

Den Einkauf in der Innenstadt erledigen und sich die schweren Taschen per Cargobike nach Hause liefern lassen: Das ist seit ein paar Wochen in 22 Geschäften in der St.Galler Innenstadt möglich. Der neue Velolieferdienst ViaVelo.sg hat während des Coronalockdowns erste Erfahrungen gesammelt. Seit Mitte August steht das vollständige Angebot samt zugehöriger App zur Verfügung.

Beim Lieferdienst handelt es sich um ein Projekt von Zukunft St.Galler Innenstadt mit dem Ziel, das Einkaufen in der Stadt zu fördern. Lanciert wurde es von der Stadt St.Gallen, der Agglo St.Gallen-Bodensee, Pro City St. Gallen und dem Velokurier «Die Fliege».

Bezahlt wird pro Anzahl Taschen und Gewicht

Bis jetzt halte sich die Nachfrage in Grenzen, sagt Ueli Traber vom Velokurierdienst. Pro Tag zählt er eine Handvoll Lieferungen. Das sei wohl nicht auf ein mangelndes Bedürfnis zurückzuführen, sondern darauf, dass das Angebot noch zu wenig bekannt sei.

«Die Leute müssen erst auf den Geschmack kommen.»
Ueli Traber, Velolieferdienst «Die Fliege»

Ueli Traber, Velolieferdienst «Die Fliege»

Bild: PD

Die Idee hinter dem Projekt ist, dass Kundinnen und Kunden ohne Auto und ohne schwere Taschen in der Stadt einkaufen können. Dazu geben sie ihre Einkäufe direkt in den beteiligten Geschäften ab und lösen die Lieferung mit der schweizweiten App «ViaVelo» selbst aus. Noch am selben Tag werden die Einkaufstaschen im gewünschten Zeitfenster mit einem Cargobike nach Hause transportiert. Beliefert werden Adressen in der Stadt mit den Postleitzahlen 9000 bis 9016. Eine Lieferung mit ein bis zwei Einkaufstaschen und einem Gewicht von bis zu 20 Kilogramm kostet fünf Franken. Es können beliebig viele Taschen aufgeben werden.

22 Geschäfte machen bis jetzt mit

Die Liste mit den Geschäften, die sich am Lieferdienst beteiligen, findet sich im Internet und wird laufend aktualisiert. Bis jetzt sind 22 Geschäfte dabei – vom Mode- übers Schuhgeschäft bis zur Apotheke und zum Blumenladen. Ueli Traber hofft, dass bald mehr Lebensmittelgeschäfte mitmachen, da entsprechende Lieferungen besonders gefragt seien. Mit von der Partie sind etwa der Marktstand Feldhof oder das Warenhaus Manor. Traber sagt:

«Da können wir für ältere Damen schöne Lieferungen machen.»

Das Angebot sei aber nicht nur für Seniorinnen und Senioren attraktiv. Es richte sich an die ganze Stadtbevölkerung. Traber denkt an Familien oder an Berufstätige, die in der Mittagspause einen Einkauf erledigen und sich diesen nach Hause liefern lassen. Die ersten Reaktionen seien positiv.

Dass die Idee eines Velo­lieferdienstes auf Interesse stösst, hätten die Monate während des Lockdowns gezeigt. In dieser Zeit startete der Velolieferdienst mit einem reduzierten Angebot und noch ohne App. Rund 300 Sendungen wurden in dieser Zeit ausgeliefert. Nun hofft Traber, dass das Projekt weiter Fahrt aufnimmt. Er sagt, die erste Lieferung sei jeweils die aufwendigste für Kundinnen und Kunden, da sie sich im Laden fürs Angebot registrieren müssten.

Das Projekt ist als Pilot ausgelegt und wird in den nächsten drei Jahren getestet. Pro Lieferung bezahlen Kunden und Geschäfte je einen Drittel der Kosten. Ein weiteres Drittel wird über den Energiefonds der Stadt finanziert.

Hinweis: www.viavelo.sg