Ein Überflieger mit Kamm und Schere:  Rorschacher Stadtoriginal führt seit 50 Jahren einen Herrensalon

Roland Kohler führt seit 50 Jahren einen Herrencoiffeur in Rorschach. An Pension denkt er nicht: Das Handwerk und den Kundenkontakt will der Perfektionist nicht missen.

Jolanda Riedener
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Die Uniform ist sein Markenzeichen: Seit 50 Jahren führt Roland Kohler den Coiffeursalon, am 11. Juni feiert er Jubiläum. (Bild: Jolanda Riedener)

Die Uniform ist sein Markenzeichen: Seit 50 Jahren führt Roland Kohler den Coiffeursalon, am 11. Juni feiert er Jubiläum. (Bild: Jolanda Riedener)

Die Scheren reihen sich feinsäuberlich aneinander. Shampoo, Haarföhn – alles hat seinen Platz. Es ist ein Montag, was bedeutet, dass Roland Kohler heute keine Kundschaft erwartet. «Hast du heute offen», ruft ihm ein Passant zu, während er den Buchsbäumlein vor seinem Geschäft Wasser gibt. Der Mann lässt sich einen Termin für Dienstag geben. Kohler sagt:

«In Rorschach bin ich bekannt wie ein bunter Hund»

Im Juni vor 50 Jahren eröffnete er das Lokal an der Mariabergstrasse. Seither ist «Roland’s Herren Coiffeur» eine Marke. In Flawil betrieb er für kurze Zeit sein erstes eigenes Geschäft. Nachdem sich in Rorschach eine Gelegenheit ergab, kehrte er auch beruflich zurück in die Hafenstadt, wo er nicht nur aufgewachsen ist, sondern bereits die Ausbildung absolvierte.

«Die Langhaarfrisuren gingen damals ihrer Hochblüte entgegen», erinnert sich Kohler. Er selbst habe die Haare damals auch lang getragen. «Das war zum Teil verpönt», sagt er. Aber die Kunden schätzten es, dass jemand diese Frisuren anbot. Man müsse sich den Bedürfnissen anpassen. «Mal sind längere Haare im Trend, dann wieder etwas kürzer. Ich hatte alle Moden schon durch», sagt Kohler. Und sollte ein neuer Trend kommen, lerne er das auch.

Roland Kohler schneidet, föhnt und frisiert auch weiterhin in Rorschach. (Bild: PD)

Roland Kohler schneidet, föhnt und frisiert auch weiterhin in Rorschach. (Bild: PD)

Eine Crew, nur ohne Flugzeug

1972 eröffnete er eine Filiale in Widnau, 1981 eine weitere in Goldach. Kohler machte die Meisterprüfung und bildete als diplomierter Coiffeurmeister in Rorschach 25 Lernende aus. «Das war immer etwas Schönes.» Weil sich die Lernenden nicht immer an Kohlers Dresscode hielten, liess er sich etwas Besonderes einfallen.

Eine Uniform musste her. «Wir liessen extra Achselpatten für alle anfertigen», sagt Kohler. Allen waren mit vier Streifen bestickt, mit der Anzahl Lehrjahre wurden diese breiter. Das Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter lag dem Coiffeurmeister am Herzen. Kohler sagt:

«Ich habe ihnen gesagt, wenn ihr mit der Uniform unterwegs seid, müsst ihr euch angemessen verhalten.»

Seine Schüler haben die Uniform jeweils mit Stolz getragen. «Wir waren wie eine Crew, nur das Flugzeug fehlte.» Ordnung, Sauberkeit und Genauigkeit sind ihm wichtig. Einige der Lernenden besuchen ihn heute noch im Geschäft in Rorschach.

Eine Schwäche für Mützen

Kohlers Uniform ist ein Blickfang, noch immer wird er darauf angesprochen: «Die Leute gehen ganz anders mit einem um.» Sein Lokal zieren mehrere Uniformmützen: Lokführerkappen, Kapitänsmützen oder Polizeihüte aus verschiedenen Ländern. Insgesamt besitzt Roland Kohler um die 250 Stück. «Die Kunden wissen von meiner Vorliebe», sagt er. So sei er an manches Exemplar gekommen.

Eine Schwäche hat Roland Kohler nicht nur für besondere Kopfbedeckungen. Auch das Kreative reizte ihn immer. Von 1999 bis 2018 führte er neben dem Coiffeurgeschäft eine Galerie, lud Künstler ein und veranstaltete Vernissagen. Unter dem Künstlernamen Rolando K. malte er grossflächige Ölbilder und stellte diese in der ganzen Schweiz aus.

In seiner Freizeit widmet sich Roland Kohler ebenfalls gerne schönen Dingen: Neben Kunst und Hüten reizen ihn Autos und Pferde. «Mein Beruf begeistert mich noch immer und fühlt sich an wie ein Hobby.»

Schwatz gehört dazu, Fragen stellen ist wichtig

Heute führt er den Betrieb mit seiner Frau und hat die Öffnungszeiten etwas verkürzt, montags und donnerstags ist das Lokal geschlossen. «Mit der Unterstützung meiner Frau Petra will ich noch 20 Jahre hier arbeiten», sagt er mit einem Lächeln. Schliesslich sei es kein körperlich anstrengender Beruf, den man gut auch nach der Pension ausführen könne, sofern man gut sehe und nicht zittere, um genau arbeiten zu können – für den Perfektionisten ist dies unerlässlich.

Er freue sich noch immer, tagtäglich mit den Kunden zu plaudern. Ein Schwatz gehöre in dieser Branche dazu und insbesondere konkrete Fragen zu stellen, sei entscheidend für eine perfekte Frisur. «Das fängt bereits an, wenn ein Kunde in den Laden kommt. Ist sein Haar gekämmt oder zerzaust vom Abziehen des Töffhelms?» Nach drei Fragen könne er seinen Kunden einschätzen. «Das Wichtigste ist, dass der Kunde zufrieden ist.»

Barbershops und Herrensalons werden immer billiger

Herrensalons schiessen in Rorschach wie Pilze aus dem Boden. Die Preise sind verlockend, der Wettbewerb gross. Halten die Salons, was sie versprechen? Und wie steht es um herkömmliche, teurere Salons?
Noah Salvetti,