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Ein junger Gossauer
träumt vom Giro d'Italia

Vor vier Jahren kam Nicoló De Lisi von Italien nach Gossau. Nun gewann der 17-Jährige an der Schweizer Meisterschaft auf der Bahn. Sein Traum ist jedoch die Teilnahme am Giro d’Italia.
Eric Hug
Das Ziel vor Augen. Nicoló De Lisi im Siegertrikot der Bahn-Schweizer-Meisterschaft. (Bild: Michel Canonica)

Das Ziel vor Augen. Nicoló De Lisi im Siegertrikot der Bahn-Schweizer-Meisterschaft. (Bild: Michel Canonica)

Tatsächlich. Nicoló De Lisi gibt zu, dass ihm in diesem Jahr Doping helfen würde. An den Strassenrennen läuft es dem 17-Jährigen noch nicht wie gewünscht. Auf illegale Mittel zurückgreifen würde er aber «nie im Leben». «Mir wurden andere Werte vermittelt. Ich will stolz auf meine Resultate sein. Mit Doping wäre ich mit mir nicht im Reinen», sagt De Lisi, der regelmässig für das Schweizer Nachwuchsnationalteam aufgeboten wird. Die mit bedacht gewählten Worte nimmt man dem jungen Radfahrer ab. De Lisi wirkt ruhig, bodenständig und zielstrebig. Trotz des zuletzt mässigen Resultats auf der Strasse, verliert De Lisi den Glauben an sich selbst nicht. Dass er sich den Traum von der Profikarriere auf der Strasse erfüllen kann, nimmt er auch Umwege in Kauf. Kürzlich gewann er den Schweizer-Meister-Titel im Omnium auf der Bahn. Einige aktuelle Strassen-Radprofis etablierten sich mit grossen Erfolgen auf der Bahn und wechselten dann später auf die Strasse. Prominentes Beispiel ist der Schweizer Stefan Küng.

De Lisi lässt keine Möglichkeit aus, zu erwähnen, wem er die bisherige Laufbahn zu verdanken hat. Wer ihm den Radsport näherbrachte. «Meiner Familie, speziell meinem Vater verdanke ich alles.» De Lisi-Senior, früher selbst ambitionierter Radfahrer, gibt seinem Sohn auch heute noch wertvolle Tipps, an jedem Rennen ist er dabei.

Vor dem Training arbeitet er bei McDonald’s

Der in Gossau wohnhafte De Lisi begann als neunjähriger mit dem Radsport. Zu Beginn war nicht sicher, dass er diese Sportart über längere Zeit betreiben würde. Doch je länger er Rad fuhr, desto besser gefiel es ihm. «Auch in den Phasen, in denen es nicht gut lief, hatte ich Spass. Da wusste ich: Das ist meine Leidenschaft», sagt De Lisi. Seine Anfänge in einem Radteam machte er in Italien bei Pedale Acquese ASD. Als er 13 wurde, zog er mit seiner Familie in die Schweiz nach Gossau. Sein Vater hatte die Möglichkeit in der Ostschweiz zu arbeiten. So wechselte der Sohn gezwungenermassen sein Team und landete via RMV Elgg beim RMC Gossau. De Lisi ist froh, für diese Mannschaft fahren zu dürfen. Der Teamsponsor Andreas Schweiss greift dem Nachwuchsfahrer im kostspieligen Sport gerne unter die Arme.

Neben dem italienischen besitzt De Lisi auch den Schweizer Pass. Seine Mutter ist Schweizerin. «Zuhause sprechen wir aber nur Italienisch. Ich hatte keine Vorkenntnisse.» Also musste De Lisi die Sprache lernen. Die Integration gelang ihm gut. Nach nur vier Jahren spricht De Lisi beinahe fliessend Schweizerdeutsch. «Mit Fleiss geht alles», so De Lisi. Diese Aussage passt zu ihm. Nebst seiner kaufmännischen Ausbildung an der United School of Sports in St. Gallen und dem täglichen Training arbeitet der Radfahrer vier Stunden in der Woche im McDonald’s in Gossau. Mit dem ersparten Geld will er sich ein Motorrad kaufen.

Keinen Plan B, aber genug Ideen

De Lisi ist froh, dass er an die Sportschule gehen darf. «Eigentlich wollte ich eine Zeichnerlehre machen. Ich bekam aber ein paar Absagen, da ich mit dem Radfahren nicht kürzertreten wollte.» So musste er eine andere Lösung suchen. Eine Ausbildung war für ihn sehr wichtig: «Man weiss nie, ob man sich mal verletzen wird und nie mehr Rad fahren kann.» Einen konkreten Plan, falls es mit dem Profitraum nicht klappen sollte, hat der Gossauer nicht. Spontan sagt er, dass er auch sonst gerne im Bereich des Radsports arbeiten würde. Ausserdem gefällt ihm die Modewelt, in der er sich sogar vor der Linse sieht. «Vielleicht eröffne ich auch eine Bar, das würde mir gefallen», sagt De Lisi und lächelt.

Vorerst steht für den 17-Jährigen aber die Radkarriere im Vordergrund. Obwohl in diesem Jahr die Nachwuchs-Strassen-EM- und WM anstehen und De Lisi da gerne dabei wäre, setzt er den Fokus momentan auf die Bahn. Dort sieht er eher die Chance auch an internationalen Anlässen, einen Podestplatz zu erreichen. Wenn alles glatt läuft, sieht sich De Lisi in zehn Jahren als professioneller Strassenfahrer in einem World-Tour-Team am Giro d’Italia. Dafür arbeitet er hart.

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