100 Tage Gemeindepräsident von Thal: Wegen der Coronapandemie muss Felix Wüst neue Prioritäten setzen

Vom ersten Abstimmungssieg zum Krisenmanager: So hat Felix Wüst (FDP) bisher sein Amt als Gemeindepräsident von Thal erlebt.

Jolanda Riedener
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Die Türe steht immer offen: Felix Wüst fühlt sich wohl in seinem Büro im Erdgeschoss.

Die Türe steht immer offen: Felix Wüst fühlt sich wohl in seinem Büro im Erdgeschoss.

Bild: Jolanda Riedener

«Es kommt mir vor, als wäre ich schon ewig hier», sagt Felix Wüst. Der 55-Jährige leitet seit Anfang Jahr die Geschicke der Gemeinde Thal. Die ersten hundert Tage seien sehr schnell vergangen. Er erhalte viel Unterstützung und Wohlwollen aus der Bevölkerung sowie von Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung. Der FDP-Mann sagt:

«Mein Start hätte nicht besser laufen können.»

Inzwischen hat aber die gegenwärtige Coronapandemie auch ihn ausgebremst. Vor dem Rathaus steht eine Infotafel: Hereinkommen soll man nur, wenn es dringend nötig ist. Ansonsten beantwortet die Verwaltung Anliegen per E-Mail oder am Telefon.

Die Aufforderung zeigt Wirkung: «Es ist ruhiger geworden, weniger Bürger kommen persönlich vorbei.» Laut Wüst sind die Angestellten in zwei Teams unterteilt und wer nicht vor Ort sein müsse, arbeite wenn immer möglich im Homeoffice.

Sucht trotz Corona das persönliche Gespräch

Im Eingangsbereich des Thaler Rathauses steht Desinfektionsmittel bereit, Felix Wüst arbeitet am Stehpult. Wie sein Vorgänger Röbi Raths hat er sein Büro im Erdgeschoss eingerichtet. Auch er schätze den direkten Draht zur Bevölkerung: «Meine Türe steht immer offen.» Auch in einer Zeit, in der man auf Distanz gehen muss, sucht Felix Wüst den Kontakt zur Bevölkerung.

Er sei ständig unterwegs, spreche die Bürger an und behalte die Situation im Auge. Die Beschlüsse von Kanton und Bund gelte es umzusetzen. «Bleiben Sie zu Hause», ist auch sein dringender Appell an die Bevölkerung.

Mindestens ein Restaurant in der Gemeinde muss schliessen

Die Leute seien zwar besorgt, die Stimmung sei aber gut. «Die Bürgerinnen und Bürger haben Verständnis für die Situation und sehen, dass die Gemeinde etwas tut», sagt Wüst. Mit einem Schreiben in alle Haushalte habe man sich an die Bevölkerung gewandt, Tipps gegeben und Hilfe angeboten. Die Situation ist auch für viele Firmen und Geschäfte in der Gemeinde nicht einfach. Der Flugplatz Altenrhein steht still. Wüst stehe mit den ansässigen Unternehmen in Kontakt. Wie stark gerade grössere Unternehmen von der Krise betroffen seien, könne man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.

Auch die Betriebe in der Gemeinde Thal leiden unter der Coronakrise.

Auch die Betriebe in der Gemeinde Thal leiden unter der Coronakrise.

Ralph Ribi

Klarer sieht es bei der Tourismus- und Gastrobranche aus: Sie leidet. Ein Restaurant in der Gemeinde wird sicher schliessen müssen. Ob die Coronakrise der einzige Grund dafür ist, sei unklar. «Auch für Floristen oder Coiffeursalons ist es hart», sagt er. Es gebe auch Betriebe, die keinen Kredit beantragen im Wissen, dass sie diesen schwer zurückzahlen können.

Am See und in den Bergen sperren viele Gemeinden öffentliche Parkplätze. Dies zum Beispiel in Altenrhein ebenfalls umzusetzen, kommt für Felix Wüst aber nicht in Frage. Er sagt:

«Gesperrte Parkplätze verhindern nicht, dass die Leute raus gehen.»

Im Gegenteil: Werden öffentliche Parkplätze dicht gemacht, gebe es dafür Probleme mit Wildparkierern.

Bürgerinformation folgt hoffentlich im Spätsommer

Corona hin oder her, Gemeinderatssitzungen werden auch in Thal weiterhin abgehalten, bereits zum zweiten Mal via Videokonferenz. «Das funktioniert gut», sagt Wüst. In kleineren Teams finden zwar nach wie vor reguläre Sitzungen im grossen Ratsaal statt.

Eines der Projekte, das der Gemeinderat bald umsetzt, ist die Sanierung des Rathauses. Die erste Sitzung dazu hat am Mittwoch stattgefunden. Ansonsten gebe es aber auch Geschäfte, die aufgrund der aktuellen Lage eine weniger hohe Priorität erhalten. Zum Beispiel eine digitale Informationsplattform, die dem Gemeindepräsidenten vorschwebt.

In den ersten Monaten habe er aber schon einiges erreicht: etwa seine erste Abstimmung gewonnen. Die Thalerinnen und Thaler stimmten am 9. Februar dem neuen Wärmeverbundprojekt zu. Auch die Vorbereitung der Bürgerversammlung war aufwendig:

«Ich fand es sehr schade, dass wir die Vor- und die Bürgerversammlung absagen mussten, ich habe mich darauf gefreut.»

Wenn es die Situation erlaubt, soll aber eine Informationsveranstaltung im August oder September stattfinden, um über Projekte auf dem Laufenden zu halten und den Austausch mit den Bürgern zu fördern. Und immerhin seien einige wenige Fragen aus der Bürgerschaft im Vorfeld der Budget- und Rechnungsabstimmung an ihn gelangt.

Mit vollem Elan und Herz dabei

Felix Wüst will Nachfolger von Röbi Raths in Thal werden. Ihm ist die Kommunikation mit der Bevölkerung wichtig.
Ines Biedenkapp