Tübachs Wahrzeichen verstummt – Michael Götte: «Das Tempo der Schliessung des Kosters St.Scholastika überrascht uns»

Ende März verlassen die letzten sechs Ordensfrauen das Kloster St.Scholastika in Tübach. Gemeindepräsident Michael Götte bedauert diese Entwicklung und zeigt sich vom Zeitpunkt des Wegzugs überrascht. Er hofft nach dem Wegzug der Kapuzinerinnen auf eine Nutzung, die dem ehrwürdigen Gebäude gerecht wird.

Rudolf Hirtl
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Das Kloster Scholastika in Tübach schliesst. Die Kapuzinerinnen gehen nach St.Gallen ins Kloster Notkersegg. (Bild: Urs Bucher)

Das Kloster Scholastika in Tübach schliesst. Die Kapuzinerinnen gehen nach St.Gallen ins Kloster Notkersegg. (Bild: Urs Bucher)

Die Schwestern haben das Kloster St.Scholastika in der Vergangenheit nur selten verlassen. Beispielsweise im Mai 2011, als Mutter Maria Gabriela beim Spatenstich für die Überbauung Hermet in Tübach beherzt mit anpackte. Sie freue sich, dass das Bistum durch den Verkauf eines Teils des Landes Hand geboten habe und so eine positive Entwicklung für Tübach möglich mache, gab sie damals zu Protokoll. Der Dank von Gemeindepräsident Michael Götte richtete sich denn auch an die Schwestern, die das Projekt überhaupt erst möglich gemacht hätten.

Die Schwestern haben die Überbauung Hermet in Tübach möglich gemacht. Hier Mutter Maria Gabriela beim Spatenstich im Mai 2011. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die Schwestern haben die Überbauung Hermet in Tübach möglich gemacht. Hier Mutter Maria Gabriela beim Spatenstich im Mai 2011. (Bild: Rudolf Hirtl)

Das Dorf hat nicht nur in diesem Fall konkret vom Kloster profitiert. In der Klosterkirche finden für Gläubige täglich heilige Messen statt. Zentral im Tagesgeschehen der Schwestern steht die Eucharistiefeier. Aber auch Fatima-Feiern und Prozession durch den Kreuzgang stehen gelegentlich auf dem Programm.

Schliessung ist auch ein Verlust des Kulturgutes

Abgesehen vom geistlichen Charakter des Hauses ist das Gebäude ein wesentliches Wahrzeichen der Gemeinde Tübach. «Es bleibt auch unser Aushängeschild, das unter anderem als Sujet auf Postkarten in die ganze Welt versandt wird», sagt Gemeindepräsident Michael Götte. Auch auf dem traditionellen Tübacher Biber prangt das Kloster als Motiv. Das süsse Gepäck wird vom Gemeinderat bei diversen Gelegenheiten auch gerne verschenkt. Der SVP-Politiker bedauert den Wegzug der Schwestern. «Wir wurden vom Bistum vorgängig darüber informiert. Überrascht hat uns aber das Tempo. Wir haben zwar im Gemeinderat damit gerechnet, dass dies früher oder später der Fall sein wird, wir sind aber noch Anfang Jahr von einem Zeithorizont von drei bis vier Jahren ausgegangen.»

200 Pfarreien in der Umgebung von Tübach wurden bis 2015 täglich mit Brothostien beliefert. (Bild: pd)

200 Pfarreien in der Umgebung von Tübach wurden bis 2015 täglich mit Brothostien beliefert. (Bild: pd)

Auch Marko Muzek bedauert die Schliessung des Klosters ungemein. «Jeder Wegfall eines Klosters oder einer Kirche ist auch Verlust und Schwächung unseres Kulturgutes», sagt der Präsident des katholischen Kirchenverwaltungsrats Tübach. Was nun geschehe, sei eine Bestätigung für die bedauerliche Entwicklung, dass es grundsätzlich an Schwestern und Pfarrern fehle. Einen direkten Austausch mit den Ordensfrauen habe es nicht gegeben, man betrachte das kirchliche Angebot des Klosters aber als gute Ergänzung, da die Messen zu völlig anderen Zeiten stattfinden würden. Insbesondere auch Gläubige, die nicht akzeptieren könnten, dass Gottesdienste von Pastoralassistenten durchgeführt werden, hätte so eine Alternative in der Nähe.

Aufgabe der Produktion von Hostien kündigte das baldige Ende an

Bereits im Frühling 2015 hat sich abgezeichnet, dass die Blütezeit des Klosters St.Scholastika dem Ende zugeht. Damals stellten die Kapuzinerinnen die seit 1977 laufende Produktion von Hostien ein. 200 Pfarreien in der Umgebung wurden bis dahin täglich mit Brothostien beliefert. «Zu acht reicht die Kraft nicht mehr aus, um die Produktion am Laufen zu halten», sagte damals Schwester Gabriela.
Was mit der denkmalgeschützten Klosteranlage in Tübach passiert, ist offen. Dort etwa Wohnungen zu installieren wäre nach Meinung von Michael Götte keine befriedigende Lösung und würde der Bedeutung des Hauses nicht gerecht. Er könnte sich die Umnutzung in ein Hotel oder Tagungszentrum vorstellen, ähnlich wie in Ittingen oder Fischingen, wo Klöster ebenfalls dieser Verwendung zugeführt wurden.

«Ich hatte regelmässig Kontakt mit den Schwestern, um mich nach deren Befinden zu erkundigen. Gelegentlich habe ich dort auch Kerzen oder Schnaps gekauft.» (Michael Götte)

Auch Marko Muzek würde eine Umnutzung in diese Richtung begrüssen, allerdings müsse es ein Verwendungszweck sein, der den ehrwürdigen Gemäuern gerecht werde. Grundsätzlich sei dies die Angelegenheit des Bistums, mit dem der Gemeinderat das Gespräch suchen werde, so der Gemeindepräsident. «In unserem Interesse ist, dass wieder Leben innerhalb der Klostermauern Einzug hält, ob mit oder ohne christliche Ausrichtung, das wird sich zeigen.»

Das absolute Worst-Case-Szenario wäre es laut Götte, wenn sich dort das horizontale Gewerbe einnisten würde. Schon länger habe er sich scherzhafte Sprüche anhören müssen, die in diese Richtung gezielt hätten, da die gute Anbindung an die Autobahn und die Abgeschiedenheit ja beste Voraussetzungen dafür seien. Stefan Meier, Präsident des Kirchenverwaltungsrates der katholischen Kirche Rorschach, findet es «sehr schade, dass eine Institution, die in Rorschach gegründet wurde, nun ihr Ende findet.»