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Tübacher Firma bietet heissen Kaffee und tiefgefrorenes Fondue aus dem Automat an

Die Leomat AG stellt in Tübach Verpflegungsautomaten her und betreibt diese in der ganzen Ostschweiz. Nicht nur Getränke und Snacks bietet die Firma an, sondern auch tiefgekühlte Suppen und Fonduemischungen. Kaufen kann man die Produkte mit dem Handy.
Sandro Büchler
Geschäftsführer Daniel Büchel bezahlt zur Demonstration gleich selbst mit der Twint-App auf dem Handy. (Bild: Sandro Büchler)

Geschäftsführer Daniel Büchel bezahlt zur Demonstration gleich selbst mit der Twint-App auf dem Handy. (Bild: Sandro Büchler)

Bereits nach fünf Minuten verrät Daniel Büchel das Firmengeheimnis: «Ein guter Service, das ist alles.» Büchel ist Geschäftsführer der Leomat AG in Tübach. Die Firma stellt Verpflegungsautomaten her, füllt sie auf, reinigt und wartet sie. Und entwickelt neue Geräte.

Die neuste Erfindung der Tübacher ist ein Tiefkühlautomat namens «Alaska». Darin werden frisch gekochte und dann schockgefrorene Suppen von «La Zoupa» angeboten, die man nur noch in der Mikrowelle erhitzen muss. Büchel sagt:

«Dieses Konzept ist für Firmen ohne eine Kantine interessant»

Seit rund anderthalb Jahren läuft das Pilotprojekt mit den Tiefkühlsuppen. Die Fertiggerichte von La Zoupa werden unter anderem bei der Credit Suisse, Volvo und der Klinik Hirslanden erprobt.

Ein Exemplar des Tiefkühlers steht vor dem Firmensitz in Tübach. Darin findet sich neben den Suppeneintöpfen seit Anfang Monat eine Kuriosität: eine Fertigfonduemischung samt tiefgefrorenem Brotlaib dazu. «Das ist ein Experiment für uns», fügt Büchel an. «Aber das Fondue ist eher für Autofahrer auf dem Nachhauseweg gedacht, nicht für den Zmittag im Büro.»

Die Frauen sind unterwegs, die Männer reparieren

Das Hauptgeschäft der Leomat AG ist aber seit 45 Jahren der Betrieb von 2500 bis 3000 Kaffee- und Snackautomaten – fast ausschliesslich für Firmen und Kantinen in der Schweiz. «Nur ein einziges Gerät steht auf deutschem Boden, beim Zoll.»

Um 6 Uhr fahren in Tübach jeden Morgen 18 Mitarbeiterinnen des 52-köpfigen Personals los, gehen auf Tour, füllen Kaffee- und Milchpulver nach, sortieren Red Bull, Kägi Fret und Konsorten in die Automaten ein. Auf die Frage, weshalb nur Frauen die Aufgabe übernehmen, meint der Geschäftsführer: «Zufall.»

Geschäftsführer Daniel Büchel (Bild: Sandro Büchler)

Geschäftsführer Daniel Büchel (Bild: Sandro Büchler)

«Voraussetzung für die Arbeit ist ein gewisser Orientierungssinn», so der 52-Jährige. Büchel bezieht dies nicht auf den Strassenverkehr, sondern auf das Innere der Firmengebäude, wo die Automaten meist erst nach einem Labyrinth aus zahlreichen Türen und gleichaussehenden Stockwerken auffindbar seien. Die Männer arbeiten nebenan in der Werkstatt. Hier wird getüftelt, ausprobiert und repariert. Telemetrie-Einheiten werden verkabelt, Steuerungen geeicht. «Viele denken, das sei bloss eine viereckige Maschine, aus der Kaffee rauskommt – aber es steckt viel mehr dahinter», sagt Büchel.

Apotheker, Elektriker, Automechaniker

Eine wichtige Rolle spiele inzwischen der Bildschirm, meist ein Touchscreen. «Man wählt darauf nicht nur den Kaffee aus, sondern kann auf diesem auch Informationen anzeigen.» Beliebt seien Nachrichten oder der Ferienplan, wodurch das Pausengespräch lanciert sei. Der Automat ist zu einem High-Tech-Produkt geworden. Wie viel wurde verkauft? Liegt eine Störung vor? Wie ist der Füllstand? All diese Informationen werden per Mobilfunk an die Zentrale in Tübach übermittelt. Darauf basierend wird das Angebot angepasst oder ein Service veranlasst.

Die neuste Erfindung vor dem Firmensitz der Leomat AG: Der Tiefkühlautomat «Alaska» mit gefrorenen Suppen zum Erhitzen. Aber auch eine gefrorene Fertigfonduemischung samt Brotlaib bietet der Automat an. (Bilder: Sandro Büchler)Die neuste Erfindung vor dem Firmensitz der Leomat AG: Der Tiefkühlautomat «Alaska» mit gefrorenen Suppen zum Erhitzen. Aber auch eine gefrorene Fertigfonduemischung samt Brotlaib bietet der Automat an. (Bilder: Sandro Büchler)
Ein Mitarbeiter konfiguriert die Steuerung eines Automaten. Ein Mitarbeiter konfiguriert die Steuerung eines Automaten.
Auf dem Bildschirm ist das Einblenden von Tagesaktualitäten oder dem Ferienplan möglich.Auf dem Bildschirm ist das Einblenden von Tagesaktualitäten oder dem Ferienplan möglich.
Ein altes Gefährt für Veranstaltungen.Ein altes Gefährt für Veranstaltungen.
Im Lager warten fertig gebaute Verpflegungsautomaten auf die Auslieferung.Im Lager warten fertig gebaute Verpflegungsautomaten auf die Auslieferung.
Kaffee, Milch, Zucker, Vanille, Schokolade, Tee oder Bouillon?Kaffee, Milch, Zucker, Vanille, Schokolade, Tee oder Bouillon?
Die Plastikbecher werden zunehmend weniger; gefragt sind biologisch abbaubare Becher. Die Plastikbecher werden zunehmend weniger; gefragt sind biologisch abbaubare Becher.
Zwischen 2500 und 3000 Automaten betreibt die Leomat AG in der Ostschweiz.Zwischen 2500 und 3000 Automaten betreibt die Leomat AG in der Ostschweiz.
«Bei meiner Arbeit fühle ich mich teils mehr als Apotheker, Elektriker und Automechaniker», scherzt Daniel Büchel mit Blick auf die vielseitigen Anforderungen.«Bei meiner Arbeit fühle ich mich teils mehr als Apotheker, Elektriker und Automechaniker», scherzt Daniel Büchel mit Blick auf die vielseitigen Anforderungen.
An diesem Arbeitsplatz werden neue und alte Banknoten und Münzen getestet.An diesem Arbeitsplatz werden neue und alte Banknoten und Münzen getestet.
«Teilt uns ein Kunde mit, dass der Kaffee nicht mehr schmeckt, machen wir uns auf die Suche nach der Ursache», erläutert der Geschäftsführer. Ein Hinweis ist meist die Wasserqualität.«Teilt uns ein Kunde mit, dass der Kaffee nicht mehr schmeckt, machen wir uns auf die Suche nach der Ursache», erläutert der Geschäftsführer. Ein Hinweis ist meist die Wasserqualität.
Blick ins Lager der Tübacher Firma Leomat AG.Blick ins Lager der Tübacher Firma Leomat AG.
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Per Handy zu Kaffee und Fondue

Aber der stete Wandel sitzt Büchel im Nacken. Weniger Zucker müsse es sein, weniger Konservierungsmittel, gefragt seien biologisch abbaubare Becher. «Als wir vor zehn Jahren kompostierbare Becher getestet haben, wurden wir noch ausgelacht», sagt er. Heute steige die Nachfrage, Plastik sei zunehmend verpönt. «Bei meiner Arbeit fühle ich mich teils mehr als Apotheker, Elektriker und Automechaniker», scherzt Büchel mit Blick auf die vielseitigen Anforderungen.

Gewandelt hat sich auch die Bezahlung. 20 Rappen kostete das Getränk aus dem «Oll-o-Matic» mit Baujahr 1959. Heute funktioniert das System bargeldlos: Twint, Apple Pay, Kreditkarte. Die Maschinen sind für die digitalen Währungen gerüstet.

Barista-Kurs für das Personal

«Kaffee gehört zum täglichen Leben», sagt Daniel Büchel. Das gilt speziell bei der Leomat AG. Ist ein Automat eingebaut, müsse die Qualität des Kaffees getestet werden. Wohl eine der wenigen Firmen, bei der die Mitarbeiter nicht nur Kaffee trinken können, sondern sogar müssen. «Wer bei uns Automaten installiert, muss eine Barista-Anlehre absolvieren», sagt Büchel. Die Sensorik will geschult sein. Auch wie man die Wasserqualität beurteile, wird in einem Kurs gelehrt. Büchel erläutert:

«Teilt uns ein Kunde mit, dass der Kaffee nicht mehr schmeckt, machen wir uns auf die Suche nach der Ursache»

Oft entstünden bei Umbauten Veränderungen an den Wasserleitungen. «Danach müssen deshalb die Automaten neu kalibriert werden.»

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