Trotz Kritik stützt der Gemeinderat den umstrittenen Entscheid: Das Haus 4 beim Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach wird nicht gebaut

Auch ein zweites Gutachten kommt zum Schluss, dass das Haus 4 beim Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach zu hohen Defiziten und einer hohen Verschuldung führen würde.

Michel Burtscher
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Das Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach.

Das Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach.

Benjamin Manser

Jetzt ist es definitiv: Das Haus 4 des Alterszentrums Kappelhof in Wittenbach wird nicht realisiert. Lange war darüber gesprochen, ein Vorprojekt bereits ausgearbeitet worden. Im Neubau sollten 47 Plätze entstehen, ein Teil davon für Demenzkranke. 16,5 Millionen Franken hätte er gekostet. Das jedenfalls war der Plan.

Im Dezember 2019 hatte der Verwaltungsrat der Alterszentrum Kappelhof AG dann überraschenderweise entschieden, die Demenzabteilung doch nicht mit einem Neubau umzusetzen. Grund dafür war ein Gutachten, das zum Schluss kam, dass sich der gesamte «Kappelhof» mit diesem Haus 4 nicht mehr kostendeckend betreiben liesse.

Das zweite Gutachten kommt zum gleichen Schluss

Doch gegen diesen Entscheid regte sich Widerstand. Zuerst kritisierte die SP ihn in einem offenen Brief, danach stellte auch die CVP Fragen. Der Gemeinderat gab deshalb ein Gegengutachten in Auftrag, immerhin gehört die AG vollständig der Gemeinde. Mittlerweile liegen die Ergebnisse vor – und sie dürften den Kritikern nicht gefallen.

Denn das neue Gutachten zeige, heisst es in einer Mitteilung, dasselbe Bild wie jenes des Verwaltungsrates. Was das konkret bedeutet: Ein Neubau beim «Kappelhof» sei zwar für sich alleine tragbar, könne aber bei einer ungenügenden Auslastung gesamthaft zu hohen Defiziten und einer hohen Verschuldung führen. Der Neubau würde zudem die Attraktivität und somit die Auslastung der Häuser 1 bis 3 reduzieren.

Demenzabteilung liegt der Bevölkerung am Herzen

Oliver Gröble, Wittenbacher Gemeindepräsident und Verwaltungsratspräsident der Alterszentrum Kappelhof AG.

Oliver Gröble, Wittenbacher Gemeindepräsident und Verwaltungsratspräsident der Alterszentrum Kappelhof AG.

Urs Bucher

Die Schlussfolgerung daraus fasst Gemeindepräsident Oliver Gröble, der gleichzeitig als Verwaltungsratspräsident der Kappelhof AG amtet, kurz und knapp so zusammen: «Wir werden das Haus 4 nicht bauen.» Man habe nun eine klare Ausgangslage. Das bedeute jedoch nicht, betont Gröble, dass nichts gemacht werde. Die Demenzabteilung liege der Bevölkerung am Herzen, sie sei ein Bedürfnis, sagt er:

«Wir werden einfach einen anderen Weg gehen, um sie zu realisieren.»

In den letzten Jahren hätten sich die Rahmenbedingungen verändert. Konkret sei die Zahl der benötigten Pflegeheimplätze in der kantonalen Bedarfsplanung nach unten korrigiert worden, sagt Gröble. Mit dem Neubau hätte man schon bald die Zahl der Plätze erreicht, die man eigentlich erst 2035 bräuchte. «Wir würden viel Geld investieren, um für viele Jahre ein Überangebot zu schaffen, für das dann wiederum der Steuerzahler aufkommen müsste.»

Die Demenzabteilung im «Kappelhof» soll ohne das Haus 4 realisiert werden.

Die Demenzabteilung im «Kappelhof» soll ohne das Haus 4 realisiert werden.

Urs Bucher

Dass es im «Kappelhof» künftig mehr Plätze braucht als heute, daran ändert sich laut Gröble jedoch nichts. Und auch an der Einrichtung einer Demenzabteilung will er festhalten. Dafür soll aber zuerst das Potenzial der bestehenden Häuser ausgeschöpft werden. Auch ein Erweiterungsbau sei nicht ausgeschlossen, wenn man irgendwann sehe, dass es anders nicht gehe. «Es wird einfach nicht das Haus 4 sein.»

Der Gemeinderat hat die Kappelhof AG nun beauftragt, einen Plan für den Aufbau einer Demenzabteilung sowie eine Gesamtstrategie für das Alterszentrum auszuarbeiten. Noch in diesem Jahr soll sie laut Gröble vorliegen. In dieser Strategie soll unter anderem aufgezeigt werden, wie die Einrichtung von 150 Pflegeheimplätzen bis ins Jahr 2035 erfolgen soll. Der Gemeinderat und der Verwaltungsrat wollen die Bevölkerung informieren, sobald die ersten Ergebnisse der Gesamtstrategie vorliegen.

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