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Trotz Klimakrise: Viele St.Galler verzichten in den Ferien nicht auf Flugreisen

Obwohl Bahnreisen diesen Sommer zugelegt haben, boomt das Fluggeschäft in den Reisebüros der Stadt nach wie vor.
Seraina Hess
Dauert eine Reise mit dem Zug länger als vier Stunden, wählen Kunden das Flugzeug. (Bild: Michel Canonica)

Dauert eine Reise mit dem Zug länger als vier Stunden, wählen Kunden das Flugzeug. (Bild: Michel Canonica)

Manche sind schon gestern Abend losgefahren, andere tun es heute oder irgendwann in den bevorstehenden fünf Wochen. Die Schulferien haben begonnen, und mit ihnen die beliebteste Reisezeit. Immer öfter steigen die Menschen dafür in die Bahn. Nicht mehr nur, um in St.Gallen ein- und in Kloten wieder auszusteigen, wie eine Anfrage bei den SBB zeigt. «Nachhaltigkeitsüberlegungen haben in den letzten zwölf Monaten an Bedeutung zugenommen. Das wissen wir aus Kundenbefragungen», sagt SBB-Mediensprecher Raffael Hirt. Im ersten Halbjahr 2019 spüre man einen deutlichen positiven Trend: «Das Geschäft läuft gut, die Verkaufszahlen sind markant gestiegen.» Zu den beliebtesten Bahnreisezielen gehören gemäss Hirt Frankreich, ausserdem Nachtreisen nach Berlin und Hamburg. Markant gestiegen sei auch der Verkauf von Interrail-Pässen. Das sind Zugtickets, die in einem oder mehreren Ländern mehrere Tage gültig sind und sich für Reisen mit diversen Stopps eignen.

Veranstalter raten zu Klimatickets

Trotz positiver Zahlen der SBB kann von einem markanten Rückgang bei Flugreisen nicht die Rede sein, wie eine Umfrage bei den Reisebüros der Stadt zeigt. Die gebuchten Flüge bewegen sich bei allen sechs Teilnehmern auf Vorjahresniveau. Dennoch sei das Bewusstsein für die Klimakrise da, sagt Markus Fässler von Hotelplan Suisse: «Die Kunden fragen zum Teil auch proaktiv nach, wie man Flüge kompensieren kann.» Empfohlen werden von vielen Reisebüros Klimatickets, die einen Beitrag für die Stiftung Myclimate enthalten.

Es gebe aber auch Personen, die sich im Reisebüro nach Flugzeugalternativen erkundigen. Deshalb hat Hotelplan erst kürzlich die Zugreisenbroschüre «Nachhaltiges Reisen» herausgegeben.

«Bahnreisen sind vor allem für Städtetrips gefragt, sofern die entsprechende Stadt innerhalb von vier Stunden mit dem Zug erreichbar ist», sagt Fässler. Wenn die Anreise länger dauert, fällt die Wahl aber nach wie vor aufs Flugzeug. Ähnlich sieht es in anderen Reisebüros aus, etwa bei der Chrisway Travel AG. Geschäftsleiter Jörg Waldvogel sagt: «Die Nachfrage nach Alternativen ist da, allerdings sind Flugreisen immer noch viel zu günstig, was die meisten Kunden davon abhält, mit dem Zug zu reisen.» Das unabhängige Reisebüro organisiert neben klassischen Ferien viele Maturareisen – die meisten mit dem Flugzeug. «Es wird sicher spannend, zu beobachten, ob im nächsten Jahr auf Flugreisen verzichtet wird», sagt Waldvogel mit Blick auf die aktuellen Klimastreiks.

Die St.Galler Klimaaktivistin Miriam Rizvi beobachtet dies bereits. Und bemängelt: «Flüge sind immer noch stinkbillig.» So sehr, dass auch Maturanden in St.Gallen ihre Maturareise mit dem Flugzeug unternehmen. «Inzwischen gibt es aber Klassen, die sich aufteilen: Einige fliegen, die anderen fahren mit dem Zug.» Rizvi ist selbst erst kürzlich geflogen – in ihre Heimat, die USA, wo sie derzeit Freunde und Familie besucht. «Ich hatte noch nie ein so schlechtes Gewissen. Noch im Flugzeug entschloss ich mich, nie mehr zu fliegen», sagt die 18-Jährige. Lange habe sie sich nach Alternativen erkundigt: Eine Schiffsreise hätte ganze 14 Tage gedauert.

Junge wollen das Land wie Einheimische erleben

Eine besondere Sensibilisierung können Reisebüros, die auf junge Kunden spezialisiert sind, nicht feststellen. Das berichtet das Reisebüro STA Travel, das vor allem Sprachreisen, Zwischenjahre und Round-the-World-Tickets anbietet. «Die Kunden, die zu uns kommen, sind bereit zu fliegen und möchten ferne Länder entdecken», schreibt Eileen Geibig auf Anfrage. Das Verkehrsmittel sei bei der Anreise weniger ein Thema, im Reiseland selber aber durchaus. «Unsere typischen Kunden entdecken die Welt auf authentische Weise und weniger von einem klimatisierten Reisebus aus.» Das habe mit dem Budget zu tun, aber auch mit der Lust, ein Land durch die Augen der Einheimischen zu sehen.

«Wir hatten aber den Fall eines Kunden, der aus Klimagründen mit dem Zug nach Norwegen reisen wollte. Als er jedoch die Dauer der Reise sah, gab er auf.» St.Galler reisen gerne in den Norden Während bei manchen Reisebüros Badeferien zu den Topsellern im Sommer gehören, nennt die St.Galler Filiale von Globetrotter als beliebte Reiseziele Kanada sowie die USA. Generell sei der Norden Europas mit Skandinavien und Island begehrt. Auch Kuoni-Kunden setzen auf Kanada, Schottland, Schweden oder Finnland, heisst es auf Anfrage.

Ein St.Galler Reisebüro, das sich auf Erlebnis-, Trekking- und Ayurveda-Reisen spezialisiert hat, ist die Intertreck AG. Die Angebote dauern alle mindestens drei Wochen und führen nach Südamerika, Afrika, Asien oder Australien. Reiseziele, bei denen sich der Zug als Transportmittel nicht gerade anbiete. Und dennoch kämen die Angebote nach wie vor gut an, heisst es auch bei diesem Veranstalter.

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