Trotz düsterer Arbeitsmarktstatistik: Rorschacher Gewerbe blickt nach vorne

Die Zahl der Stellensuchenden hat aufgrund der Coronamassnahmen schweizweit zugenommen. Der Wahlkreis Rorschach liegt dabei im kantonalen Durchschnitt. 

Jolanda Riedener/Martin Rechsteiner
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Die Zahl der Stellensuchenden nimmt seit Beginn der Coronakrise zu – auch im Wahlkreis Rorschach.

Die Zahl der Stellensuchenden nimmt seit Beginn der Coronakrise zu – auch im Wahlkreis Rorschach.

Gaetan Bally / Keystone

Im Wahlkreis Rorschach waren im vergangenen April 1346 Personen auf der Suche nach einer Arbeitsstelle. Im Gegensatz zum Vorjahr (April 2019) entspricht das einer Zunahme um 32,1 Prozent. Etwas weniger Stellensuchende aus dem Wahlkreis Rorschach gab es noch im vergangenen März, nämlich 1293 Personen.

Quelle: Kanton St.Gallen / Grafik: stb

Die Mehrheit der Stellensuchenden in der Region Rorschach hat einen ausländischen Pass. Im April suchten hier 567 Schweizer und 779 Ausländer eine Arbeit. Auch im Vorjahr waren bereits mehr Ausländer als Schweizer auf Stellensuche: Im April 2019 suchten 579 ausländische Bürgerinnen und Bürger einen Job, jedoch nur 440 Schweizer.

Quelle: Kanton St.Gallen / Grafik: stb

Weiter gehört die Generation der Berufseinsteiger (15- bis 24-Jährige) vermehrt zu den Arbeitssuchenden. Dort war die Zunahme stärker als in anderen Altersgruppen: Im April waren in diesen Jahrgangsstufen 139 Jugendliche betroffen, vor einem Jahr nur 92. In absoluten Zahlen sind die Jungen aber weiterhin weniger auf der Suche als etwa die 25- bis 49-Jährigen, von denen im April 798 ohne Arbeit waren. Eine Zunahme beim Anteil der Jugendarbeitslosigkeit im Wahlkreis Rorschach zeichnet sich auch im Jahresvergleich bereits ab: Während dieser 2019 bei 1,2 Prozent lag, ist der Anteil im April 2020 bei 1,6 Prozent.

Trotz der wenig erfreulichen Zahlen gibt es Hoffnung, dass sich die Situation beruhigt. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), sagt im «Tagblatt» vom 8. Mai:

«Im Moment gehen wir davon aus, dass wir am Arbeitsmarkt möglicherweise mit einem blauen Auge davonkommen könnten.»

Dass Unternehmen von der Kurzarbeit Gebrauch machen, zeige den Willen der Unternehmen, die Beschäftigung zu erhalten. Im Mai sind im ganzen Kanton St.Gallen 98030 Mitarbeitende von Kurzarbeit betroffen. Im Wahlkreis Rorschach haben Betriebe für 6000 Mitarbeitende Kurzarbeit angemeldet.

Gewerbetreibende in der Region Rorschach sind zuversichtlich

So etwa bei der Goldacher Walter Peterhans Maschinenbau AG, wie der gleichnamige Inhaber auf Anfrage bestätigt. «Wir waren extrem vom Lockdown betroffen», sagt er. Denn die Firma stelle Geräte für die Gastrobranche her, die ihrerseits ebenfalls fast vollständig zum Erliegen kam. «In Sachen Aufträge herrschte totale Funkstille.» Dank Kurzarbeit habe die Firma jedoch das Schlimmste verhindern können, Entlassen musste Peterhans niemanden. Dass es nicht überall so glimpflich verläuft, zeigt ein Blick in die kantonale Arbeitslosenstatistik: In der Sparte «Maschinenbau» zeigt sie einen Anstieg von 54 Prozent im Vergleich zum April 2019.

Quelle: Kanton St.Gallen / Grafik: stb

Es gibt kaum Unterschiede bei der Anzahl Stellensuchenden nach Industrie- und Dienstleistungssektor. In letzterem fällt das Gastgewerbe auf. Die Zahlen des Kantons zeigen hier den grössten Anstieg um 58 Prozent zum Vorjahr. Im Wahlkreis Rorschach wird diese Zunahme ebenfalls deutlich: Vergangenes Jahr waren es 67, dieses Jahr 104 Stellensuchende in der Gastrobranche.

Am Hotel Schloss Wartegg in Rorschacherberg gab es aber keine Entlassungen, wie Leiter Richard Butz auf Anfrage sagt. In einem Bericht im März zeichnete er eine düstere Zukunft für den Fall, dass es keine finanzielle Unterstützung vom Staat gebe. Doch diese kam, jetzt zieht das Geschäft wieder an. Er sagt:

«Wir werden derzeit fast überrannt von der Nachfrage. ­Auffahrt und Pfingsten sind ausgebucht.»

Bei der besonders betroffenen Generation der Berufseinsteiger hat, so die kantonale Statistik, unter anderem die metallverarbeitende Industrie einen starken Anstieg an Arbeitslosen zu verzeichnen. Die lokale Stichprobe in Rorschach kann das aber ebenfalls nicht bestätigen: «Wir suchen derzeit sogar einen Metallbauer», sagt Ulrich Wili, Inhaber der Hofer Metallbau AG in Rorschach.