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Trockenheit belastet die Gewässer in der Region zwischen Gossau und Bodensee

In der Region hat es in den letzten drei Monaten teilweise nur halb so viel wie in anderen Jahren geregnet. Obschon der Kanton zum Wassersparen anhält, ist die Situation derzeit nicht prekär. Noch nicht. Der dringend benötigte Dauerregen lässt nämlich weiterhin auf sich warten.
Seraina Hess
Auch die Sitter führt derzeit nur wenig Wasser. (Bild: Ralph Ribi)

Auch die Sitter führt derzeit nur wenig Wasser. (Bild: Ralph Ribi)

Etwa zehn Mal pro Sommer bewässern Mitarbeiter des botanischen Gartens im Schnitt die Aussenanlagen. Der Regen, der auch in den heissen Monaten des Jahres fällt, reicht meistens aus, um die Pflanzen am Leben zu halten. Nicht in diesen Tagen, sagt Gärtner Fridolin Scherrer:

«Schon Anfang Juni hatten wir die Aussenanlagen mehr gegossen als im gesamten letzten Sommer.»

Obwohl bis jetzt nicht von einem Hitzesommer die Rede sein kann und es auch immer wieder Gewitter mit Schauern gegeben hat, mangelt es an mehrtägigen Regengüssen. Platzregen wie etwa während des Gewitters am Freitag nützen nur wenig. «Zum Vergleich: Am Freitag sind gerade einmal acht Liter pro Quadratmeter gefallen. Regnet es vier Tage lang konstant, sind es 80 Liter», sagt Gärtner Scherrer.

Er ergänzt: «Regnet es kurz und stark, dringt das Wasser maximal 15 Zentimeter in die trockene Erde ein, der Rest fliesst oberirdisch ab.» Gerade Bäume benötigten aber viel Wasser und könnten es erst ab einer Tiefe im Boden von 60 Zentimetern aufnehmen.

Trinkwasser ist genügend vorhanden

Immerhin hat die Region zwischen Gossau, St.Gallen und Rorschach das Glück, auf Bodenseewasser zurückgreifen zu können: «Die Versorgung mit Trinkwasser ist sichergestellt», meldete das kantonale Amt für Wasser und Energie letzte Woche in einem Communiqué. Dennoch bestätigt die Mitteilung, was Gärtner Fridolin Scherrer berichtet: Es herrscht Trockenheit im Kanton. Besonders stark betroffen sind auch die Regionen St.Gallen-Rorschach und das Fürstenland.

Vierbeiner und Herrchen lassen sich die Laune vom tiefen Wasserstand der Sitter nicht verderben: Sie geniessen, was da ist. (Bild: Ralph Ribi)

Vierbeiner und Herrchen lassen sich die Laune vom tiefen Wasserstand der Sitter nicht verderben: Sie geniessen, was da ist. (Bild: Ralph Ribi)

Noch fliessen Bäche und Flüsse zwar, sagt Silja Kempf, Leiterin Hydrometrie des Kantons St.Gallen. Die Wasserstände seien aber ausgesprochen tief. «Es handelt sich um ein Niederschlagsdefizit in den letzten drei Monaten von dreissig bis vierzig Prozent in der Region St.Gallen-Rorschach und von über 50 Prozent im Fürstenland», sagt Kempf.

Am Montag veröffentlichte der Kanton ein Bulletin über die Trockenheit, in dem das Amt für Wasser und Energie die aktuelle Lage beschreibt. In der Region St.Gallen-Rorschach sei die Wassertemperatur bereits kritisch und das Überleben von Fischen in Gewässern damit gefährdet. Der Bodensee weist einen Pegelstand von 60 Zentimetern unter dem langjährigen saisonalen Mittelwert auf. Im Fürstenland seien teilweise sogar sehr tiefe Wasserstände zu verzeichnen. Kurz: Gefahrenstufe drei in beiden Regionen, was der Einschätzung «erheblich» entspricht.

Bäche und Flüsse führen deutlich weniger Wasser

Da die trockenen Böden derzeit einen Grossteil des Niederschlags aufnehmen, reagieren Bäche und Flüsse auf Regenfälle höchstens mit kurzzeitigen Abflussspitzen. Das zeigt ein Blick auf die Hydro-Daten des Kantons. Beispielsweise die Steinach: Ihr Abflusswert hat in der Freitagnacht kurz ausgeschlagen, indem er auf zehn Kubikmeter pro Sekunde anstieg. Schon am Samstagabend lag der Wert wieder bei wenigen Litern pro Sekunde. Damit befindet sich die Steinach gerade einmal bei fünf bis 25 Prozent ihres langjährigen Tagesmittels.

In der Sitter erhöhten die Regengüsse die Abflussmenge kurzzeitig auf bis zu 40 Kubikmeter pro Sekunde. Derzeit liegt der Wert bei 2,5 Kubikmeter pro Sekunde. Dabei gilt zu beachten, dass der Fluss durch die Steuerung des Kraftwerks Kubel beeinflusst wird. Besonders auffällig ist der Gossauer Dorfbach: Mit einem Abfluss von 36 Litern pro Sekunde gerät er deutlich unter den Niedrigwasserwert von 50 Litern pro Sekunde.

Mit Wasser sparsam umgehen

Massnahmen, welche die Bevölkerung einschränken, hat der Kanton bisher kaum ergriffen. Zwar wird dazu angehalten, umsichtig mit Wasser zu haushalten, bis die Trockenheit vorüber ist. Anweisungen gibt es aber lediglich für Landwirte, die nach Möglichkeit nur noch nachts in der verdunstungsarmen Zeit bewässern sollen.

Im Hitzesommer 2003 mussten auch in den Kantonen St.Gallen und Thurgau trocken fallende Bäche ausgefischt und die so geretteten Fische umgesiedelt werden. (Bild: Ralph Ribi - 30. Juli 2003)

Im Hitzesommer 2003 mussten auch in den Kantonen St.Gallen und Thurgau trocken fallende Bäche ausgefischt und die so geretteten Fische umgesiedelt werden. (Bild: Ralph Ribi - 30. Juli 2003)

Tatsächlich lebensbedrohlich könnte die anhaltende Trockenphase für Wasserlebewesen werden – vor allem für Fische wie Forellen und Äschen. «Sinkt der Wasserpegel, steigt die Wassertemperatur», sagt Fischereiaufseher Marcel Zottele. Kritisch werde es ab einer Temperatur von 24 bis 26 Grad. Dann müssten allenfalls auch in Gewässern der Region Fische umgesiedelt werden.

«Bisher war das aber nur in anderen Teilen des Kantons nötig», sagt Zottele. Immerhin hätten die Niederschläge vom letzten Freitag die Situation in der Region kurzfristig etwas entschärft. Allerdings komme es jetzt auf die nächsten Tage an – und die bleiben gemäss Meteo Schweiz weiterhin sonnig. Die kantonale Hydrometrie-Leiterin Silja Kempf sagt: «Lokale Schauer sind durchaus möglich, wirklich Entlastung brächte aber einzig ein mehrere Tage anhaltender Regenguss.»

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