Tresorfund im St.Galler Mannenweier: Spuren führen zu Einbruchdiebstahl vom November 2015 in Staad

Wie aus einer Abenteuergeschichte: Ein junger St.Geörgler stochert im schlammigen Boden des Mannenweiers – und findet einen verschlossenen Tresor. Jetzt ist klar: Der Tresor wurde vor gut fünf Jahren bei einem Einbruch in eine Wohnung in Staad gestohlen. Die Polizei sagt, was sie im Tresor gefunden hat.

David Grob
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Am Mittwochmittag hat der elfjährige Marlot Hersche (rechts) einen Tresor im Schlamm gefunden – hier posiert er mit seinem siebenjährigen Bruder Yoann.

Am Mittwochmittag hat der elfjährige Marlot Hersche (rechts) einen Tresor im Schlamm gefunden – hier posiert er mit seinem siebenjährigen Bruder Yoann.

Bild: Lesereporterin

Wie aus einer Abenteuergeschichte für Kinder: Ein Bub hat am Mittwoch im Mannenweier einen Tresor gefunden, wie die Stadtpolizei auf Anfrage bestätigt. Der Finder heisst Marlot Hersche, ist elf Jahre alt und wohnt in der Nähe der Drei Weieren. Eigentlich hat er im Schlamm im Mannenweier nach dem Fidgetspinner eines Freundes gesucht. Marlot erzählt:

«Bei der Suche habe ich eine Kiste im Schlamm entdeckt. Ich wollte sie umdrehen, doch sie war sehr schwer. Schliesslich gelang es mir und ich merkte, dass es ein Tresor ist. Es war sehr aufregend.»

Marlot ging nach Hause und erzählte seiner Mutter von seinem Fund. «Er sah aus wie ein Schlammmönsterchen», sagt Tamara Hersche. Sie benachrichtigten die Stadtpolizei, die mit einer Patrouille auftauchte. Marlot wartete mit seinem siebenjährigen Bruder Yoann beim Fundort und beantwortete die Fragen der Polizisten.

«Sie haben gesagt, wenn etwas Wertvolles im Safe ist, dann erhalte ich zehn Prozent davon.»
Was im Tresor wohl drin ist?
7 Bilder
Finder Marlot Hersche beobachtet die Polizisten bei ihrer Arbeit.
«Der Tresor ist aus Metall und sehr schwer», sagt Marlot.
Polizisten mit Handschuhen bergen den verschlossenen Tresor...
...und transportieren ihn zur genaueren Untersuchung ab.
Marlot wartete mit seinem siebenjährigen Bruder Yoann beim Fundort, bis die Polizei eintraf.
Die Brüder sind stolz auf den Schatz, den sie gefunden haben.

Was im Tresor wohl drin ist?

Bild: Lesereporterin

Fahrzeugschlüssel und Modeschmuck

Am Tag danach ist klar, woher der Tresor stammt und was er fünf Jahre lang auf dem Weihergrund in seinem Innern verborgen hielt. Der Tresor wurde bei einem Einbruch eine Wohnung Ende November 2015 von bis jetzt unbekannten Dieben mitlaufen gelassen. «Es wurden damals Geld und Schmuck im Wert von rund 10'000 Franken gestohlen», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

«Wir konnten den Tresor noch am Mittwochabend den Geschädigten zurückgeben.»

Allerdings ohne wertvollen Inhalt: Im Innern hätten sich noch zwei Fahrzeugschlüssel, etwas Modeschmuck und ein Schmuckkästchen befunden.

Damit ist klar: Auch die beiden Buben gehen leer aus – es wird wohl nichts mit Finderlohn. Aber vielleicht hat ihr Fund trotzdem etwas Gutes: «Die Polizei wird jetzt nochmals versuchen mit den neuen Spuren der Täterschaft auf die Schliche zu kommen.»

Immer wieder wird Diebesgut gefunden

Nichtsdestotrotz war es ein aufregender Tag für Marlot und seinen Bruder. «Mir war gleich klar, dass der Tresor vermutlich von einem Diebstahl stammt», sagt Marlot.

Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen

Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen

Bild: Stadtpolizei St.Gallen

Dieser Meinung war nach dem Fund auch Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen: «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Tresor Deliktgut von einem Einbruch ist», sagte Widmer schon am Tag des Fundes.

Die Stadtpolizei hatte deshalb den speziellen Fund an die Kriminalpolizei der Kantonspolizei St.Gallen zur weiteren Untersuchung weitergereicht. Was sich im Tresor befindet, war bis Mittwochabend noch unklar. Auch, woher der Tresor stammte und wie lange er bereits im Schlamm lag.

Die Kantonspolizei St.Gallen: abgebrüht und unbeeindruckt

Weniger beeindruckt, als Marlot beim Fund war, ist man bei der abgebrühten Kantonspolizei St.Gallen. Kapo-Mediensprecher Hanspeter Krüsi sagt:

«Ein solcher Fund ist an und für sich nichts Aussergewöhnliches. Es passiert immer wieder, dass wir solche Funde untersuchen müssen.»
Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen

Bild: Kantonspolizei St.Gallen

Dies passiere insbesondere dann oft, wenn in Weihern oder kleinen Seen der Wasserstand sinkt. Dies ist derzeit bei den Drei Weieren der Fall: Die Badeanlagen oberhalb St.Gallen werden saniert. Das Wasser wurde deshalb abgelassen. Auch in Maisfeldern oder Bachtobeln würden immer wieder Objekte gefunden.

Was mit einem gefundenen Tresor passiert, ist laut Krüsi Routinearbeit. «Wir führen eine Spurensicherung am Objekt durch», sagt Krüsi. Konkret heisst dies: allfällige DNA-Rückstände und Werkzeugspuren am Tresor zu sichern, um so Rückschlüsse auf die Täter zu finden. Auch versuche man herauszufinden, ob und bei welchem Einbruch der Tresor entwendet worden ist.

Und auch sonst sind die Drei Weieren eine wahre Fundgrube an Gegenständen – hier zahlreiche Sonnenbrillen:

Sonnenbrillen aus den Drei Weieren.

Sonnenbrillen aus den Drei Weieren.

Leserbild: Christian Wild
(30. September 2020)