Rorschacher Traditionsbeck Egger ist pleite

Alle drei Filialen der Bäckerei Egger bleiben seit Dienstag zu: Ein Konkursverfahren ist eröffnet worden. «Wir haben gekämpft bis zum Schluss», sagt Inhaber Stefan Egger.

Jolanda Riedener
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Die 26 Angestellten der Bäckerei Egger müssen sich eine neue Stelle suchen. (Bild: Jolanda Riedener)

Die 26 Angestellten der Bäckerei Egger müssen sich eine neue Stelle suchen. (Bild: Jolanda Riedener)

Wer sich am Dienstag ein Gipfeli zum Zmorge oder das Znünibrötli beim Beck Egger holen wollte, stand vor verschlossener Türe: Die beiden Filialen in Rorschach und jene in Rheineck wurden vom Konkursamt St. Gallen amtlich versiegelt. «Wer ohne Einwilligung der Siegelungsbehörde ein Siegel bricht, sich Zutritt zu versiegelten Räumen verschafft oder versiegelte Gegenstände der amtlichen Gewalt entzieht, macht sich strafbar», heisst es in einem Schreiben an der Tür.

Kunden bleiben stutzig vor dem normalerweise gut frequentierten Lokal an der Signalstrasse stehen. Noch am Montag wurde der Betrieb normal geführt. Eine Serviceangestellte will gerade Brot in der Filiale an der Eisenbahnstrasse fürs Restaurant abholen. «Wo soll ich jetzt das bestellte Brot auftreiben?», sagt sie völlig perplex. Sie habe bis anhin Brot und auch Torten von «Egger» bezogen.

Seit 82 Jahren wird in der Traditionsbäckerei an der Eisenbahnstrasse gebacken. Berühmt war das Geschäft für die Schwarzwäldertorte nach dem Rezept von Grossvater Josef. Inhaber Stefan Egger hat den Betrieb 2002 von seinem Vater übernommen und führte ihn bis heute in der dritten Generation mit seiner Partnerin Bea Hirt.

«Das tut mir sehr weh»

Bereits zum 80-jährigen Firmenbestehen sagte Egger gegenüber dieser Zeitung: «Das Umfeld ist mit den Grossverteilern viel schwieriger geworden, weil viele Menschen nicht die Zeit für separate Besuche beim Metzger und Bäcker finden.» Die Einkaufsgewohnheiten hätten sich massiv verändert, sagte der gelernte Bäcker- und Konditoreimeister damals. Heute, knapp zwei Jahre später, muss er seinen Betrieb aufgeben. «Wir haben gekämpft bis zum Schluss», sagt er am Telefon hörbar mitgenommen. Es habe ein Umbruch in der ganzen Branche stattgefunden. «Das ist eine sehr schwierige Situation für mich und meine Mitarbeiter.» 26 Angestellte beschäftigte Egger in den drei Filialen. «Für meine vielen langjährigen Mitarbeiter tut mir das besonders weh.»

Am Dienstagmorgen informierten Mitarbeiter des Konkursamts, der Arbeitslosenkasse sowie des regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) die Angestellten der Bäckerei Egger aus erster Hand über den Konkurs der Firma. Gemäss Daniel Wild, stellvertretender Leiter des kantonalen Konkursamts, helfe man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nun bei rechtlichen Fragen bezüglich allfälliger offener Lohnforderungen.

Umkämpfte Branche führt zu Schliessungen

Das Konkursamt empfiehlt den Stellensuchenden auch, sich umgehend beim RAV anzumelden. «Beim Konkurs eines Arbeitgebers sind ausstehende Löhne unter gewissen Voraussetzungen durch die Insolvenzentschädigung zu tragen», sagt Wild. Wie lange das Konkursverfahren daure, könne er nicht sagen: Das sei von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.

«Diese Branche hat es sehr schwer», sagt Roland Räber, Präsident des Ostschweizer Bäcker- und Confiseurmeister-Verband. Industriell gefertigte Waren von Grossverteilern und Produkte aus dem Ausland machen den Schweizer Bäckereien das Leben schwer. «Die Qualität ist nicht vergleichbar. Bei uns ruht der Teig 18 bis 24 Stunden. Grossverteiler können sich das aus Platzgründen gar nicht leisten», sagt Räber.

Diese Tage machte bereits der Konkurs der Bäckerei Keller in Zürich Schlagzeilen: 14 Filialen wurden geschlossen, 100 Angestellte verlieren ihren Arbeitsplatz.