Nach Schliessung der Tourist-Info Rorschach: «Tourist Angels» auch für die Seeregion

Die Schliessung der Tourist-Info in Rorschach auf Ende Jahr stösst in der Region am See auf Kritik. Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus, äussert sich nun zur Neuausrichtung und der Möglichkeit, ein bereits bewährtes Modell einzusetzen.

Rudolf Hirtl
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Wie hier in St.Gallen, sollen Tourist Angel künftig auch in Rorschach unterwegs sein.

Wie hier in St.Gallen, sollen Tourist Angel künftig auch in Rorschach unterwegs sein.

Bild: TB

Der Betrieb der Tourist Information im Hafenbahnhof in Rorschach wird auf Ende Jahr eingestellt. Dies beinhaltet auch den Abbau von drei Arbeitsstellen. Seit der Bekanntgabe der Schliessung (Ausgabe vom 21. November) mehren sich besorgte Stimmen. So haben sich Hoteliers und Schifffahrtsbetriebe beim Rorschacher Stadtpräsidenten erkundigt, wie es denn nun weitergehe, mit der touristischen Vermarktung und der Gästebetreuung vor Ort.

Verbindliche Antworten haben sie von Röbi Raths vorerst aber nicht erhalten. Dieser stellt vielmehr selber fragend in den Raum, was es denn konkret heisse, wenn der Verein St.Gallen-Bodensee-Tourismus in seiner Mitteilung davon schreibe, der Schwerpunkt solle künftig bei der Forcierung der digitalen Gästeinformation und bei der Bereitstellung von entsprechendem Content liegen.

Rorschach wird Schuld zugeschoben

Nicht erfreut ist Röbi Raths vor allem darüber, dass Rorschach nun fälschlicherweise für die Schliessung verantwortlich gemacht wird. Grund seien aber tatsächlich in erster Linie die künftig fehlenden Einnahmen wegen der Einstellung der Drittverkaufsstelle der SBB im Hafenbahnhof. Dies bestätigt auf Anfrage auch Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus. «Wir haben klar kommuniziert, dass der Wegfall der SBB-Billetteinnahmen der Grund ist», sagt er.

«Wenn das nun vor Ort verdreht und anders interpretiert wird, ist das nicht unsere Sache.»

Schaue man die Sache nüchtern an, so habe die Tourist Info in Rorschach ja vor allem als Billettverkaufsstelle einen Nutzen gehabt.

Bemannte Informationen sind nicht ausgeschlossen

Um den Gast abzuholen, müsse man aber dorthin, wo sich der Gast auch bewege. Idee ist es laut Kirchhofer daher, an Standorten, wie beispielsweise Würth-Haus oder Hörnlibuck, aktuelle Informationen verfügbar zu machen. Dies könne etwa mit Outdoor-Stelen geschehen, bei denen über touristische Angebote in Printform oder aber mittels Bildschirm informiert werde. Wie das aussehen könnte, sei beim Möhl-Museum in Arbon zu sehen. «Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es weiterhin bemannte Informationen gibt. Etwa mit einem Roller samt Anhänger, der als mobiles Tourismusbüro fungiert und kompetente Beratung sowie Inspiration für Angebote in der Region bietet, wenn der Gast auch da ist.»

Vorstellbar sind auch Tourist Angels

Für Rorschach sei gar nichts verloren, wenn man sich von der Tourist Info in ihrer bisherigen Form trenne. Es sei nun ein Neuaufbau von einer regionalen Tourismusinformation geplant. Der Ort, die Mobilität, wo und wie – dies alles sei aber erst zu definieren – auch der Kontext mit der Bodenseeschifffahrt. Vorstellbar sind laut Thomas Kirchhofer auch Tourist Angels, wie sie in der Stadt St.Gallen bereits unterwegs seien. Diese Helfer stehen Feriengästen von Juni bis September mit Rat und Tat zur Seite. Ausgerüstet mit Tasche, Informationsbroschüren und guter Laune helfen sie Touristen, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu finden, zeigen den Weg zum gewünschten Restaurant oder weisen auf aktuelle Veranstaltungen hin.

Von nicht rentablen Strukturen lösen

Kirchofer betont, dass der Bodensee ein touristischer Magnet der Ostschweiz ist, von dessen Strahlkraft die ganze Region profitiert. Allerdings sei das Potenzial der Region von Rheineck bis Steinach bezüglich Bereitstellung von Informationen und Produktmanagement noch lange nicht ausgeschöpft.

Vier Elemente seien wesentlich; die reine Gästeinformation, die Destinationsvermarktung, die Produktebündelung und das Produktemanagement. Um dies finanzieren zu können, müsse der Kostenteiler aus dem Jahr 1999 den neuen Gegebenheiten angepasst werden.

Auch Informationsstelen, wie diese hier bei Möhl in Arbon, sollen zum Einsatz kommen.

Auch Informationsstelen, wie diese hier bei Möhl in Arbon, sollen zum Einsatz kommen.

Bild: Rudolf Hirtl

Vorteile durch dezentrale Aufbereitung

Dabei wolle Rorschach die Zentrumslast nicht mehr alleine tragen, sondern die umliegenden Gemeinden in die Pflicht nehmen. «Wir haben daher für Gespräche an einen Tisch gebeten, um diese Problematik gemeinsam mit den anderen Gemeinden anzugehen. Es war uns schon lange ein Anliegen, dass die Subregion Rorschach in ihrer Vielfalt kommuniziert und vermarktet werden kann.»

Ein Neuaufbau kann nach Einschätzung von Kirchhofer nur erfolgreich stattfinden, wenn man sich von offensichtlich nicht rentablen Strukturen trennt. «Wir sind in Gesprächen, auch mit der Schifffahrt, um die entstehenden Lücken, zu stopfen. Die Pilotphase soll zeigen, wie die Weiterentwicklung der regionalen Gästeinformation aussieht.»

Der Verein St.Gallen-Bodensee Tourismus sei überzeugt davon, dass die Gemeinden von der dezentralen Aufbereitung der Informationen profitieren werden. Dies könne auch Anreiz für die Leistungsträger sein, weitere Investitionen zu tätigen, wodurch die regionalen Produkte noch besser vermarktet werden könnten.

Dorfpolitiker unterstützen die Reform

Es gehe jetzt nicht darum, einen Schuldigen zu suchen, sondern vorwärts zu schauen. Auch über die Kantonsgrenzen hinaus. Daher seien auch Ausserrhoder Gemeinden ins Boot geholt worden, um gemeinsam etwas zu stemmen. «Ich bin sehr glücklich darüber, wie sich die Politiker mit dem Vorhaben identifizieren», sagt Kichhofer und betont, die Gemeindepräsidenten von Tübach, Rorschach, Rorschacherberg und Goldach hätten erkannt, dass Handlungsbedarf bestehe.