Totenköpfe als Markenzeichen: Der Gossauer Automechaniker Häby Scholz restauriert in seiner Freizeit Cadillacs

Seine «Perlen» hat Häby Scholz im Internet gefunden. Nun drückt er den Limousinen mit Totenköpfen einen eigenen Stempel auf.

Laura Widmer
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«Der Cadillac hat fünf Liter Hubraum und einen V8-Motor», sagt Häby Scholz begeistert.

«Der Cadillac hat fünf Liter Hubraum und einen V8-Motor», sagt Häby Scholz begeistert.

Bild: Lisa Jenny

Samtblaue Plüschsitze, lederverkleidetes Dach und angedeutete Flügel am Heck. Der Cadillac Fleetwood Talisman aus dem Jahr 1975 ist «eine echte Perle», sagt Besitzer Häby Scholz. Zum Oldtimer kam der Automechaniker vor zweieinhalb Jahren «wie die Jungfrau zum Kind». Er hat die Limousine auf der Verkaufsplattform Ricardo ersteigert. Eigentlich habe er einen Subaru für seine Autogarage an der Herisauerstrasse in Gossau gesucht.

Der weisse Cadillac war beim Kauf in fast einwandfreiem Zustand. Er sei vom Erstbesitzer, einem Amerikaner, von New Jersey in die Schweiz gebracht und gefahren worden. Scholz zündet sich eine Zigarette an und sagt:

«Der Cadillac ist der erste Personenwagen, der vorne mit Airbags ausgestattet war.»

In seinem Betrieb hat er im Frühling und Herbst am meisten zu tun, in weniger stressigen Zeiten findet Scholz immer wieder Zeit, um an seinen Schätzen zu arbeiten.

Mit Totenköpfen eigenen Stempel aufgedrückt

Für die alten Amischlitten hat Scholz schon lange ein Faible. «Es sind die Autos, die während meiner Zeit als Lehrling häufig in die Garage kamen.» Dass er in den Beruf einsteigen würde, war Häby Scholz schon früh klar. Sein Vater war der vorherige Inhaber der Garage. Dass auch sein Nachfolger aus der eigenen Familie komme, sei aber eher unwahrscheinlich: Tochter Daniela macht in St.Gallen die Fachmittelschule und Sohn Michael ist in der Ausbildung zum Informatiker.

Neben dem weissen Cadillac besitzt Scholz auch das Nachfolgemodell. Der Cadillac Fleetwod Brougham 1976–1989 ist eine imposante Stretchlimousine in Schwarz. In einem solchen Auto sei bereits US-Präsident Ronald Reagan herumkutschiert worden, weiss Scholz. Bei der Besichtigung war der Cadillac in einem solch schlechten Zustand, dass Scholz nicht einmal wusste, ob er die Fahrt nach Gossau überstehen würde. «Es war noch schlimmer, als ich dachte», sagt er. Das Auto sei schon seit bald acht Jahren im Freien gestanden.

«Auf dem Dach hatte sich eine dicke Dreckschicht angesetzt.»

Heute ist die Limousine wieder frisch und fahrbereit. Seit dem Kauf hat Scholz unzählige Arbeitsstunden in das Auto gesteckt und ihm seinen eigenen Stempel aufgedrückt: Den schwarzen Cadillac zieren verschiedene Totenköpfe. Die Wimpel auf der Motorhaube, auf den Radkappen und im Innern, das mit Musikanlage und Fernseher ausgestattet ist. Ein Schriftzug auf der Seite weist auf das zweite Hobby des 49-Jährigen hin: Er ist seit vielen Jahren Mitglied der Pokerfreunde Gossau. Die rund zehn Mitglieder treffen sich regelmässig im Hobbyraum von Häby Scholz gleich neben der Garage.

Die grosse Freiheit der USA

Tritt man in diesen Hobbyraum, fallen zwei antike Schwerte über einer Südstaatenflagge ins Auge. Sie zeugen von seinen Besuchen in Bürgerkriegsmuseen. «Diese durch den Zoll zu bringen war keine leichte Sache», sagt Scholz. Die Begeisterung für das amerikanische Lebensgefühl beschränkt sich nicht auf Autos. «Schon wenn ich in den USA aus dem Flugzeug steige, spüre ich eine unglaubliche Freiheit.» Leben möchte er dort nicht, aber als Ferienort sei es ideal.

Weil Scholz als Inhaber der Autogarage keine längeren Auszeiten nehmen möchte, hat er das Land in mehreren Reisen erkundet.

«Ich habe mir meine eigene Route 66 zusammengestellt.»

New York, die Niagarafälle, Detroit, Pittsburgh und Washington. Scholz hat an der Ostküste wenig ausgelassen. Las Vegas, die Glücksspielstadt in der Wüste Nevadas, war für den Pokerbegeisterten besonders reizvoll. Viel Gewinn mit wenig Einsatz machte er vor Jahren in einem Casino in Atlantic City. «Da habe ich zu meiner Frau Janine und den Kindern gesagt, sie sollen sich kaufen, was sie wollen.»

Die beiden Cadillacs von Häby Scholz sind keine Museumsstücke. Weil er gleich neben der Autogarage wohnt, macht er aber nur rund 3000 Kilometer im Jahr – zum Vergnügen. Als Sammler würde er sich nicht bezeichnen, abgeschlossen hat er mit den Cadillacs aber noch nicht: «Das Cabriolet, der Cadillac Eldorado Baujahr 1959, wäre schon noch ein Traum», sagt Scholz.