Finanzhaushalt
Geldsegen für die Gemeindekasse: Goldach verkalkuliert sich und freut sich trotzdem

Goldach hat über 4,1 Millionen Franken mehr in der Kasse als budgetiert. Die Besserstellung in der Rechnung 2020 gegenüber Budget beträgt über 5,3 Millionen Franken. Vor allem Steuern juristischer Personen, also Unternehmen, haben zum erfreulichen Ergebnis beigetragen.

Rudolf Hirtl
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Gemeindepräsident Dominik Gemperli (links) und der neue Schulpräsident Rolf Deubelbeiss können einen erfreulichen Rechnungsabschluss für die Gemeinde Goldach präsentieren.

Gemeindepräsident Dominik Gemperli (links) und der neue Schulpräsident Rolf Deubelbeiss können einen erfreulichen Rechnungsabschluss für die Gemeinde Goldach präsentieren.

Bild: Rudolf Hirtl

Gemeindepräsident Dominik Gemperli präsentiert am Mittwochmorgen einen Rechnungsabschluss für die Politische Gemeinde Goldach, der weit über das budgetierte Ziel hinausschiesst. Er tut dies im Sitzungszimmer des Rathauses zusammen mit Schulpräsident Rolf Deubelbeiss mit einem zufriedenen Lächeln. Kein Wunder, verrechnet sich die Gemeindeführung doch in erster Linie auf der Habenseite. Heisst: Statt des budgetierten Minus von 1,1 Millionen Franken zeigt die Rechnung 2020 einen Ertragsüberschuss von 4,1 Millionen, was zu einer Besserstellung von 5,3 Millionen Franken führt.

Kann der Gemeinderat nicht budgetieren?

Diese Frage liegt auf der Hand, wenn die Differenz im Vergleich zum Gesamthaushalt (46 Millionen Franken) über zehn Prozent beträgt. «Das kann man uns in diesem Fall nicht vorwerfen, denn bezüglich Ausgaben ist uns eine Punktlandung geglückt. Zur Besserstellung haben Gründe geführt, die in dieser Grössenordnung nicht vorhersehbar waren», sagt der Gemeindepräsident.

Markante Mehreinnahmen bei juristischen Personen

Bei den Steuern juristischer Personen dürfe Goldach ein Rekordergebnis registrieren. Statt 3,2 Millionen seien 5,8 Millionen Franken eingenommen worden, wodurch also alleine bei dieser Position eine Besserstellung von rund 2,5 Millionen Franken resultiere.

Auch bei den Grundstückgewinnsteuern sei das Ergebnis beinahe 1,4 Millionen Franken besser als die Rechnung 2019. Laut Gemperli sind diese ausserordentlichen Resultate der Entwicklung in der Industriezone Thannäcker geschuldet. Im kommenden Jahr würden sich die Einnahmen diesbezüglich wieder auf ein «normales» Mass einpendeln.

Nicht nur höhere Steuerein­nahmen, sondern auch Minderausgaben hätten zum guten Ergebnis beigetragen. So haben sich beispielsweise die Aufwendungen für den Liegenschaftsunterhalt um 300'000 Franken reduziert. Auch für das Konto «Gesundheit und Soziale Sicherheit», wo sich der Aufwand für die Pflegefinanzierung verringert hat, musste Goldach weniger ausgeben als geplant. Spätestens nächstes Jahr dürfte sich hier allerdings die Covid-19-Pandemie niederschlagen und die Sozialkosten steigen lassen. Gemperli sagt:

«Wie sich Corona auswirken wird, ist schwierig abzuschätzen, aber im Budget 2021 haben wir Mehrausgaben im sozialen Bereich von 400'000 Franken eingeplant.»

Grundsätzlich bilde sich die Situation um Corona im Budget für das laufende Jahr aber nicht massgeblich ab. Auch wenn die Entwicklung kaum abschätzbar sei, habe der Gemeinderat einen gewissen Optimismus zur Anwendung gebracht und verzichte darauf, ein Minus von 0,5 Prozent zu veranschlagen, wie es der Kanton empfehle.

Neuer Finanzausgleich kostet die Gemeinde 450'000 Franken

Der Aufwandüberschuss von 2,6 Millionen Franken beim Budget 2021 komme neben den zu erwartenden Mehrausgaben bei der Sozialen Sicherheit auch zu Stande, da für die ­obligatorische Schule gegen­über dem Rechnungsergebnis 2020 rund 750'000 Franken mehr budgetiert seien. Darin enthalten sei auch der neu ganzjährige Betrieb der Tagesstrukturen. Die Auswirkungen aus dem neuen Finanzausgleich des Bundes würde die Gemeinde zwar erst ab 2022 voll spüren, dennoch lohne es sich, den Steuerfuss bei 98 Prozent zu belassen.

Von 2020 sicherlich in Erinnerung bleiben wird bezüglich Investitionen in die Infrastruktur der spektakuläre Tunneleinschub beim Dammweg unter das Trassee der SBB. In der Folge wurde die neue Mühlegutstrasse in Betrieb genommen. «Ob das neue Verkehrsregime wie gewünscht funktionieren wird, war nicht sicher. Heute können wir bilanzieren, dass es gut angenommen wurde», so der Gemeindepräsident.

Der spektakuläre Tunneleinschub im vergangenen Mai beim Dammweg in Goldach.

Der spektakuläre Tunneleinschub im vergangenen Mai beim Dammweg in Goldach.

Bild: Tino Dietsche

Der Ton auf dem Pausenplatz wird rauer

Auch die Schule trägt mit 245000 Franken tieferen Kosten als budgetiert zum guten Ergebnis 2020 der Einheitsgemeinde bei. Laut Schulpräsident Rolf Deubelbeiss schlagen aber im Budget 2021 nicht nur wie erwähnt die Kosten für die Tagesstrukturen erstmals voll zu Buche, auch die Ausgaben für sonderpädagogische Massnahmen werden bei der Schule Goldach höher. So sei die Schulsozialarbeit auch durch Corona momentan sehr gut ausgelastet. Deubelbeiss sagt:

«Die Schule ist ein Abbild der Gesellschaft und wir spüren die angespannte Situation rund um Corona zum Teil auch auf dem Pausenplatz, wo ein raueres Klima als auch schon herrscht. Da passt es gut, dass die Schulsozialarbeit aufgestockt wurde.»

Die Schule sei geprägt durch die instabile, unsichere Situation. Es könnten jederzeit Lehrer ausfallen oder Klassen in Quarantäne geschickt werden.
Aktuell sind die Schülerzahlen in Goldach laut Rolf Deubelbeiss gleichbleibend. Im Rahmen der Schulraumplanung sei aber festgesellt worden, dass ab dem Jahr 2023 ein erhöhter Raumbedarf für Kindergartenklassen da sein werde, vor allem südlich der Bahnlinie im Gebiet neue Mühlegutstrasse. Ob und wann in diesem Zusammenhang neu gebaut werden müsse, könne zum heutigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Allenfalls werde sich bei den Gebäuden, die durch die Ortsgemeinde erstellt würden, eine Option ergeben.

Der neue Schulpräsident ist erst seit 40 Tagen im Amt und lobt die Zusammenarbeit mit den anderen Behördenmitgliedern. «Erwähnen muss man sicher auch, dass die Lehrpersonen in dieser schwierigen und anspruchsvollen Situation durch Corona wirklich grossartige Arbeit leisten.»