EBNAT-KAPPEL: Zwingli kehrt in die Kirche zurück

Die Premiere des Theaterstücks «Huld und Schuld» ist gelungen. Das Schauspielensemble in szenario und der Chor cantacanti ernteten viel Applaus. Unterstützt werden die Kantischüler bei ihrem Stück auch durch den bekannten Organisten Wolfgang Sieber.

Sabine Schmid
Drucken
Teilen
Aktualität: Die Schweizer Familie Schmid begrüsst am 1. August die Syrerin Zahira, die heimliche Verlobte von Sohn Justin.

Aktualität: Die Schweizer Familie Schmid begrüsst am 1. August die Syrerin Zahira, die heimliche Verlobte von Sohn Justin.

EBNAT-KAPPEL. Nur die Schrift zählt. Diese Meinung vertritt der Pfarrer Ulrich Zwingli und meint damit, dass Bilder und die Orgel aus der Kirche weichen sollen. Zum Glück gilt dies nicht für das Theaterstück «Huld und Schuld», mit welchem die Schüler der Kantonsschule Wattwil am Mittwoch im Dömli in Ebnat-Kappel Premiere feierten. Zwar zählt auch im Stück die Schrift – oder viel mehr der gesprochene Text. Doch der Gesang und das Bühnenbild ab Leinwand tragen ebenso viel zur gelungenen Inszenierung bei.

Von der Wolke aus beobachtet

«Huld und Schuld», geschrieben von Michael Hasenfuss, ist ein Stück mit drei Handlungssträngen. Da sind die drei Erzengel auf ihrer Wolke, die sich weigern, ein Stück über «den Ketzer» aufzuführen. Dies, weil vor allem Raphael Ressentiments gegenüber dem Reformator Ulrich Zwingli pflegt. In ihrer Ratlosigkeit beobachten die Erzengel das Geschehen auf der Welt und zwar in zwei verschiedenen Epochen. Da spielt sich das Leben von eben diesem Ulrich Zwingli ab. Oder heisst er Huldrych? Oder Huldreich? Selbst die Engel sind sich nicht sicher. Dem Zuschauer ergibt sich dennoch eine Gesamtschau über das Leben des in Wildhaus geborenen Mannes, der in Basel und Wien studiert, später in Glarus und Zürich Pfarrer ist und sich mit der Schrift der Bibel auseinandersetzt und die Kirche reformiert.

Der dritte Handlungsstrang versetzt die Zuschauer in die aktuelle Zeit. Im Zentrum steht die Familie Schmid, deren heile Welt auseinanderzubrechen droht, weil Sohn Justin sich mit Zahira verlobt hat, die aus Syrien geflüchtet ist. Es stellt sich aber heraus, dass nicht dies die heile Welt auf den Kopf stellt. Die Grossmutter ist es, die ein Geständnis macht. Ausgerechnet sie, die Stieftochter eines reformierten Pfarrers, die damals ihren katholischen Freund verlassen hat. Genau weil es damals im Toggenburg noch nicht angekommen sei, dass es nicht auf die Konfession ankomme, wie Erzengel Raphael bemerkt. Ein Hinweis, der auch für die Beziehung zwischen dem jungen Schweizer und der jungen Syrerin gilt.

Handyton mit Orgel gespielt

Die Schauspieler des Ensembles in szenario haben das Publikum an der Premiere begeistert. Nicht nur die Hauptdarsteller haben gefallen. Das Stück umfasst über 40 Charaktere, so dass einige Schauspieler mehrere Rollen übernehmen müssen. Ihr Engagement wurde mit einem langen Applaus, mit Standing Ovations belohnt. Die Inszenierung der Regisseurin Barbara Bucher wurde durch die musikalische Begleitung aufgewertet. Unter der Leitung von David Müller interpretierte cantacanti die Lieder, die wie eine Filmmusik einige Szenen untermalten. Begleitet wurde der Chor vom Organisten Wolfgang Sieber. Er nutzte die Orgel im Dömli geschickt, um verschiedene Stimmungen in den Raum zu zaubern. Und er schaffte es sogar, einen Klingelton eines Handys mit der Orgel zu spielen.

Nach der Aufführung gab es von überall nur lobende Worte für die Arbeit der Regisseurin, des Schauspieler, des Chors und des Organisten. Barbara Buchers Augen leuchteten, denn nach über einem halben Jahr intensiver Arbeit konnte sie ihren Lohn, den Applaus, entgegennehmen. Und bereits freuen sich die Schauspieler, die Sänger und die übrigen Beteiligten auf die weiteren Aufführungen.

«Huld und Schuld» wird heute Freitag und morgen Samstag jeweils um 19.30 Uhr sowie am Sonntag um 17 Uhr im Dömli in Ebnat-Kappel aufgeführt. Die Tageskasse öffnet jeweils eine Stunde vor Beginn der Aufführung. www.kantiwattwil.ch/huldundschuld

Himmel: Die Erzengel Michael, Raphael und Gabriel beobachten und kommentieren die Szenen, die sich auf der Erde abspielen.

Himmel: Die Erzengel Michael, Raphael und Gabriel beobachten und kommentieren die Szenen, die sich auf der Erde abspielen.

Warum nicht ein Lied aus dem 22. Jahrhundert? Zwingli (dritter von links) und seine Kollegen lassen sich zum Rappen hinreissen. (Bilder: Sabine Schmid)

Warum nicht ein Lied aus dem 22. Jahrhundert? Zwingli (dritter von links) und seine Kollegen lassen sich zum Rappen hinreissen. (Bilder: Sabine Schmid)

Aktuelle Nachrichten