Von «Free Hugs» zur wahren Liebe

LICHTENSTEIG. In «Beziehungsweise» geht die A-cappella-Gruppe Urstimmen dem wohl wichtigsten Thema der Menschheit nach: Beziehungen. Das Stück, das am Samstagabend im Chössitheater gezeigt wurde, hat autobiographischen Charakter und nähert sich dem Thema auf witzige Weise.

Mirjam Bächtold
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Die Beziehungen innerhalb der Gruppe Urstimmen waren Anlass für «Beziehungsweise». (Bild: Mirjam Bächtold)

Die Beziehungen innerhalb der Gruppe Urstimmen waren Anlass für «Beziehungsweise». (Bild: Mirjam Bächtold)

«Ich und mis Mami», «Ich und meine Schwestern», «Ich und mein erster Bagger», «Meine Ex-Freunde» – mit Dias aus ihrer Kindheit und Jugend nähern sich Urstimmen dem Thema des Abends: Beziehungen. Sie stellen die verschiedenen Arten von Beziehungen vor, ganz wichtig ist den vier Schauspielern auch die Beziehung zum Publikum. Rita Bänziger verteilt den Zuschauern deshalb gleich zu Beginn «Free Hugs», also Gratisumarmungen.

Die A-cappella-Gruppe leuchtet das Thema in allen Facetten aus. Da ist das Brieflein aus der Primarschule: «Willst du mit mir gehen? Ja, nein, vielleicht.» Daniel Koller entdeckt seine Schulliebe im Publikum, und Stephan Schaberl singt von der Anziehungskraft der «Venus vo Bümplitz» und von der wahren Liebe. Manchmal könnte man vergessen, dass niemand auf der Bühne ein Instrument in der Hand hält. Es ist erstaunlich, welche Klänge die Stimmenkünstler ihren Kehlen entlocken. Perkussion, Trompeten, E-Gitarren – die Songs hinken ihren Originalen in nichts nach, sind zum Teil noch witziger und entlocken dem Publikum immer wieder Gelächter und Zwischenapplaus.

Im Studium gegründet

Urstimmen gibt es seit neun Jahren, gegründet hat die A-cappella-Gruppe der aus Unterwasser stammende Daniel Koller. «Wir waren schon während des Studiums an der Zürcher Hochschule der Künste so erfolgreich, dass wir damit Geld verdienen konnten», sagt der 37-Jährige. Nachdem er nun auf verschiedenen Bühnen der Schweiz und auch in Deutschland aufgetreten ist, findet er es schön, wieder im Toggenburg zu spielen. Nicht nur mit Urstimmen tritt er hier auf, im Sommer inszeniert er im Zeltainer in Unterwasser «Die Schweizermacher». «Es ist schön, zu sehen, dass es im Toggenburg Kultur gibt und dass ich meinen Beruf auch hier ausüben kann. Das hätte ich vorher nicht gedacht.»

Mit Stück Konflikte gelöst

Auf der Bühne geht es zwischen den Gruppenmitgliedern nicht immer harmonisch zu und her. Mit einem Knall explodiert der Diaprojektor, und darauf knallt es auch zwischen den vier Freunden gewaltig. Streit gehört zu Beziehungen, immerhin bemühen sich die Darsteller, mit Ichbotschaften zu streiten. Auch Beziehungskiller werden nach der Pause thematisiert. Etwa ungleiche Erwartungshaltungen, Äusserlichkeiten wie Fusspilz oder Pilzkopf und No-Gos in der Kommunikation wie etwa «Nie machst du…».

«Unsere Aufführung ist sehr autobiographisch», sagt Daniel Koller nach dem Stück. «In der Gruppe gab es Konflikte, was ja völlig normal ist. Aber wir mussten etwas daraus machen, sonst wären wir jetzt vielleicht gar nicht mehr als Urstimmen zusammen», sagt er. Das Programm «Beziehungsweise» half der Gruppe, die eigenen Konflikte zu thematisieren und zu lösen. «Urstimmen macht immer aus der Not eine Tugend. Und es war sehr gut, dass wir mit Andrea Schulthess eine auswärtige Regisseurin hatten. Wir sind vier Alphatierchen, der Blick von aussen war notwendig.» Daniel Koller sagt ganz klar, durch «Beziehungsweise» haben sich die Beziehungen innerhalb der Gruppe verbessert.

Zum Schluss verraten Urstimmen das Geheimrezept für eine funktionierende Beziehung in einer A-cappella-Version von «All you Need is Love».

Nächste Aufführung von «Beziehungsweise» im Toggenburg: Samstag 2. Mai, 20 Uhr, Zeltainer Unterwasser