WATTWIL: Freude steigt mit der Aufregung

Bereits seit den Herbstferien laufen die Proben für das Kantitheater «Huld und Schuld». Priszilla Medrano und Rino Hosennen wurden als Hauptdarsteller ausgewählt. Eine Ehre, die viel Arbeit und noch mehr Freude mit sich bringt.

Sabine Schmid
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Rino Hosennen und Priszilla Medrano verwandeln sich im Theaterstück «Huld und Schuld» in Huldrich Zwingli und die junge Syrerin Zahira. (Bild: Sabine Schmid)

Rino Hosennen und Priszilla Medrano verwandeln sich im Theaterstück «Huld und Schuld» in Huldrich Zwingli und die junge Syrerin Zahira. (Bild: Sabine Schmid)

WATTWIL. Noch sind Priszilla Medrano und Rino Hosennen zwei Kantischüler. Ihre Leidenschaft ist die Bühne und diese leben sie in der Theatergruppe «in szenario» aus. Schon bald verwandelt sich Priszilla Medrano in eine junge Syrerin, deren Familie im Krieg ums Leben gekommen ist und die in die Schweiz geflüchtet ist. Rino Hosennen wird rund 500 Jahre in die Vergangenheit versetzt und haucht dem Reformator Huldrich Zwingli neues Leben ein. Die beiden spielen Hauptrollen im neuen Kantitheater.

Für die Rollen vorgeschlagen

Weder der zukünftige Zwingli noch die zukünftige Syrerin namens Zahira haben sich um die Rolle beworben. Vielmehr war es die Regisseurin Barbara Bucher, die den schlaksigen Maturanden als grossen Reformator vorgeschlagen hat. «Zwingli zu spielen, ist eine grosse Ehre für mich, aber die Ansprüche sind hoch, denn ich will die Rolle angemessen verkörpern», sagt Rino Hosennen. Er beschäftige sich nicht nur mit der Rolle, sondern auch mit dem Leben von Zwingli. Eine besondere Herausforderung ist die Sprache. «Zwingli spricht nicht in unserem Dialekt. Der Autor Michael Hasenfuss und die Regisseurin Barbara Bucher haben für ihn und seine Zeitgenossen eine Sprache erfunden», erklärt Rino Hosennen. Sie versuchten, dem Deutsch der damaligen Zeit möglichst nahe zu kommen, so dass die Figuren und die gesamte Zwingli-Geschichte authentisch und dadurch auch der Zeitsprung verdeutlicht wird.

Auch die Rolle der Zahira wurde von Barbara Bucher besetzt. Für Priszilla Medrano, die die dritte Kantiklasse besucht, ist es die erste ernste Rolle, vorher spielte sie lustige Charaktere. Die junge Syrerin sei nicht «verschupft», sondern eine starke und gebildete Person, verrät sie. Auch sie wird vor eine sprachliche Herausforderung gestellt: «Man muss heraushören, dass ich Ausländerin bin. Aber ich darf nicht übertreiben und dies ins Lächerliche ziehen», sagt sie.

Probenarbeit wird intensiviert

Je länger die Probenarbeiten dauern, desto mehr wachsen die jungen Schauspieler in ihre Rollen hinein. Dabei werde ihnen aber keinesfalls alles von der Regisseurin vorgegeben. «Es ist immer ein Diskurs zwischen uns und Barbara Bucher da, und das ist auch gewünscht», sagt Priszilla Medrano. So können sie eigene Ideen ausprobieren und vielleicht auch umsetzen.

In den kommenden Wochen werden die Proben intensiviert. «Ich freue mich sehr darauf», sagt Rino Hosennen, der bereits in mehreren Produktionen der Kanti Wattwil auf der Bühne gestanden ist. Je näher die Aufführungen rücken, desto mehr schweisse sich die Schauspielergruppe zusammen. Priszilla Medrano, die ebenfalls Erfahrung hat, spricht gar von der Theaterfamilie. Im Moment sei dieses Gefühl noch nicht aufgekommen. Sie trete vor allem im zweiten Teil des Theaterstücks auf, und dafür habe es noch wenige Proben gegeben. Für sie sei der Wechsel von Priszilla zu Zahira sicher einfacher als für Rino, der 500 Jahre zurückgehen müsse, glaubt sie. Er bestätigt dies, das Reden, die Haltung und die Gesten müsse er schon verändern.

Zwingli in der Kirche

Noch nicht so sehr beschäftigen sich die Schauspieler mit dem Aufführungsort, der ehemaligen Kirche Kappel. Rino Hosennen findet es einen passenden Ort, um ein Stück zu inszenieren, in dessen Mittelpunkt die Reformation und die Wirkungsgeschichte von Zwingli ist. Wie er freut sich auch Priszilla Medrano über die aussergewöhnliche Location. «Bereits im Kino zu spielen, war speziell», sagt sie. Beide sind sich sicher, dass der Klang der Kirche eine Herausforderung sein wird. «Wir spielen ohne Mikrophon. Und gerade in den Szenen aus der Zwingli-Zeit ist es für das Verständnis des Inhalts wichtig, dass wir langsam und sehr deutlich sprechen», sagt Rino Hosennen.

Noch in einem sind sie sich einig: Der Aufwand für das Theater lohne sich auf jeden Fall, der Applaus entschädigt sie für manche eingesetzte Stunde. «Mit der Aufregung steigt auch die Freude. Schliesslich wird man wehmütig, wenn der letzte Vorhang fällt», sagt Priszilla Medrano. Bis es aber so weit ist, wartet noch viel Probenarbeit auf sie. Und erst dann kommen Ende April die Aufführungen.

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