TOGGENBURG: Bis zuletzt leben können

In einem Pilotprojekt des Forums Palliative Care Toggenburg schaffen Gesundheitsfachleute ideale Rahmenbedingungen und Strukturen, um ein individuelles Sterben unter würdigen Umständen zu ermöglichen.

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Mitglieder der Pilotgruppe: Konrad Schiess, Hausarzt in Mosnang, Brigitte Brändle, Spitex BuGaMo, Trudi Fischer, Spitex Mittleres Toggenburg, Monika Rutz, Alters- und Pflegeheim Wier in Ebnat-Kappel, Ruth Herzog, Alters- und Pflegeheim Risi in Wattwil, Michaela Signer, Hausärztin in Ebnat-Kappel (von links). (Bild: pd)

Mitglieder der Pilotgruppe: Konrad Schiess, Hausarzt in Mosnang, Brigitte Brändle, Spitex BuGaMo, Trudi Fischer, Spitex Mittleres Toggenburg, Monika Rutz, Alters- und Pflegeheim Wier in Ebnat-Kappel, Ruth Herzog, Alters- und Pflegeheim Risi in Wattwil, Michaela Signer, Hausärztin in Ebnat-Kappel (von links). (Bild: pd)

TOGGENBURG. Begleiten und Betreuen von Menschen in der Sterbephase ist eine gemeinsame, häufig sinnstiftende Aufgabe. Die Mitverantwortung für ein Sterben in Würde tragen alle Involvierten zusammen. Angehörige, Freiwillige und Fachpersonen bilden das Betreuungsteam und tragen miteinander zur Qualität einer möglichst ganzheitlichen Sterbekultur bei, indem sie einander gut informieren und einfühlsam kommunizieren, auch bei schwierigen Themen. Kontinuierliche Beziehungsarbeit ist hierbei zentral und kann so zu einer «Normalisierung» der letzten Lebensphase als integraler Bestandteil unseres Lebens beitragen. Verbessern können wir dieses Miteinander, indem wir eine gemeinsame Sprache finden und festigen, was zu einer besseren Verständigung aller Mitbetroffenen führt.

Pilotprojekt lanciert

So ist Anfang 2015 bei einem der regelmässig stattfindenden Treffen des Qualitätszirkels des Ärztenetzwerks Xundart, welchem viele Haus- und Spezialärzte und -ärztinnen der Regionen Wil, Uzwil, Flawil und Toggenburg angehören, eine Idee entstanden, die im Forum Palliative Care Toggenburg aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Ziel wurde es, in der Region ein interprofessionelles Pilotprojekt zu lancieren. Hierfür wurde eine Pilotgruppe gebildet, die sich aus drei ärztlichen Vertreterinnen und Vertretern der Region, einem Seelsorger und leitenden Mitarbeiterinnen der Alters- und Pflegeheime Wier in Ebnat-Kappel und Risi in Wattwil sowie der Spitex Mittleres Toggenburg und der Spitex Bütschwil, Ganterschwil, Mosnang zusammensetzt. Intensive Unterstützung bekam die Gruppe vom Palliativzentrum des Kantonsspitals St. Gallen. Darüber hinaus konnte auch von Erfahrungen aus dem Appenzeller Vorderland profitiert werden, wo 2010 ein ähnliches Projekt gestartet wurde, was dort inzwischen fest etabliert und für die Engagierten nicht mehr wegzudenken ist. Das Pilotprojekt baut auf die langjährigen, internationalen Erfahrungen mit einer ursprünglich in den 90er-Jahren in Liverpool entwickelten und in den letzten Jahren für den deutschsprachigen Raum in St. Gallen angepassten Handlungsempfehlung zur Betreuung von Sterbenden auf.

Viele Aspekte erfassen

Mit der Orientierung der Empfehlung an körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen werden möglichst viele Aspekte des Lebensendes erfasst, ohne die Sterbephase als nur medizinische oder pflegerische Herausforderung zu betrachten. Wichtig ist, dass die Handlungsempfehlung nicht als Checkliste verstanden wird – sie stellt vielmehr einen Leitfaden für einen Prozess dar, in dem die Qualität der Beziehungen aller Involvierten der wesentliche Erfolgsfaktor ist. Nach intensiven Vorbereitungen haben im Januar zwei Schulungstermine stattgefunden. Die rege, interprofessionelle Teilnahme, unter anderen 16 Hausärzte der Region, zeigt, welche Wichtigkeit dem Thema beigemessen wird, und die Akzeptanz, auf die das Projekt stösst.

Involvierte gut schulen

Start des Pilotprojektes war Anfang Februar in den genannten Einrichtungen und Institutionen. Wichtig ist es der Pilotgruppe, dass alle Involvierten gut geschult sind. So sind bereits regelmässige Treffen für den Erfahrungsaustausch und Schulungen geplant worden. Dank der finanziellen Unterstützung von Drittpersonen konnten noch Medikamentenpumpen bestellt werden, welche die Verabreichung von Medikamenten vereinfachen und dabei auch deren Wirkung optimieren. Damit man nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben kann. (pd)