Vierzig Prozent mehr Kulturgeld

TOGGENBURG. Der erste Jahresbericht des regionalen Kulturfördervereins Kultur Toggenburg ist erschienen. 202 450 Franken hat der Verein im letzten Jahr an Jahresbeiträgen und Projektbeiträgen gesprochen. Christian Spoerlé, Präsident des Vereins Kultur Toggenburg, sagt, warum was gefördert wird.

Hansruedi Kugler
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Vierzig Prozent mehr Geld für die Toggenburger Kultur – Christian Spoerlé ist mit dem ersten Vereinsjahr sehr zufrieden: «Mit der Gründung von Kultur Toggenburg ist die Anzahl Gesuche markant gestiegen.» Mit einer Übersicht ist nun auch dokumentiert, wie viele Gesuche pro Sparte eingegangen sind, bewilligt oder abgelehnt wurden und wie viel Geld geflossen ist. Insgesamt sind vom Verein letztes Jahr 202 450 Franken in regionale Kulturprojekte geflossen (Jahresbeiträge 123 950 Franken, Einzelprojekte 78 500 Franken). Finanziert wird Kultur Toggenburg durch die 13 beteiligten Gemeinden, die pro Einwohner drei Franken einzahlen sowie vom kantonalen Amt für Kultur, das diesen Betrag um rund 60 000 Franken aufstockt. Im 2011 war der Verteilschlüssel: Gemeinden 62 Prozent, Amt für Kultur 38 Prozent. Etablierte Kulturanbieter und -veranstalter erhalten zwei Jahre lang eine Bestandesgarantie. Während dieser Zeit bekommen sie gleich viel Geld wie in den Jahren zuvor. Gesamthaft machen diese Beträge den Löwenanteil aus, nämlich 123 950 Franken.

Keine Gratiseintritte finanziert

Spitzenreiter bei den Gesuchen sind die Sparten Musik und Theater. Alleine in der Sparte Musik sind 30 Gesuche eingegangen, allerdings sind zehn davon abgelehnt worden. «Wir fühlen uns nicht zuständig für die Mitfinanzierung von Neuuniformierungen von Musikgesellschaften», erklärt Christian Spoerlé. Das solle weiterhin Sache der einzelnen Gemeinden bleiben. Ebenso abgelehnt wurden Gesuche zur Unterstützung von Singtagen und Kreismusiktagen. «Solche Anlässe müssen von den Verbänden finanziert werden», sagt der Präsident von Kultur Toggenburg. Abgelehnt werden auch Gesuche, die zu spät eintreffen, oder für Veranstaltungen mit freiem Eintritt: «Hier schauen wir uns die Budgets genau an. Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit für Gratiseintritte aufkommen soll», gibt er zu bedenken. In solchen Fällen werden die Budgets zur Überarbeitung zurück geschickt.

Förderung nicht nur für Profis

Qualität, Professionalität, Vernetzung und Ausstrahlung – die Kernkriterien im Leitbild von Kultur Toggenburg tönen ambitioniert. Christian Spoerlé betont, der Verein setze tatsächlich hohe Ansprüche und müsse dies auch. Kultur mit professionellem Touch gibt es im Toggenburg etliche: Es gibt Freilichttheater unter professioneller Regie, eine professionelle Puppenspielerin, etliche Orchester unter Musiklehrer-Dirigenten, Kunstausstellungen von professionellen Kunstschaffenden und vieles mehr. Daneben gibt es aber auch diverse Laienbühnen und Laienchöre. Christian Spoerlé ist sich bewusst, dass er mit dem Kriterium «Professionalität» eine heikle Gratwanderung machen muss. So könne er einem Jodelchor, der am Unterhaltungsabend noch einen Bauernschwank aufführt, keine Beiträge geben. «Dies ist zwar ein sehr wertvoller Teil des Dorflebens und gehört zur kulturellen Identität. Aber es bleibt ein Dorfanlass», sagt Christian Spoerlé und ergänzt: «Die Vereine sollten sich hierfür wie bisher an ihre Gemeinden wenden.» Er schränkt ein, dass in Ausnahmefällen auch nichtprofessionelle Projekte gefördert werden können – als Anerkennung und Wertschätzung für bisher Geleistetes oder als Nachwuchsförderung. Beispiel: Ein junger Rapper, der schon seit Jahren privat übt und nun mit einem Profi-Rapper eine CD herausgeben will, so spreche Kultur Toggenburg gerne einen einmaligen Nachwuchsbeitrag. «Eine reine Schablone gibt es also nicht», betont Christian Spoerlé, «und die Diskussionen im Vorstand sind teilweise sehr intensiv.» Der achtköpfige Vorstand ist neben Gemeindevertretern auch mit Fachleuten aller Sparten besetzt: Kanti-Bigband-Leiter Martin Winiger, die Literaturwissenschaftlerin Rea Brändle und Grafiker Nicolas Sourvinos.

Unbeliebte Betteltouren

Mit der Gründung des Vereins Kultur Toggenburg wurde die «Betteltour» für Kulturschaffende verkürzt. Statt bei allen Gemeinden Gesuche zu stellen, können diese nun eines an die regionale Kulturförderung stellen. «Niemand rennt gerne dem Geld nach. Deshalb ist Kultur Toggenburg eine Vereinfachung und wie das erste Jahr zeigt, auch eine erfolgreiche Kulturförderung», fasst Christian Spoerlé zusammen.