Kultursprung im zweiten Jahr

TOGGENBURG. Der Verein Kultur Toggenburg hat letztes Jahr 181 950 Franken für die Förderung regionaler Kultur bezahlt. Zwei Drittel kommen von Gemeindebeiträgen, ein Drittel vom Kanton. Geschäftsführer Daniel Blatter sagt, wer warum Geld bekam. Die Sparte Musik dominiert.

Hansruedi Kugler
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TOGGENBURG. Vor zwei Jahren erlebte das Toggenburg einen kleinen Kultursprung: Mit der Gründung des Vereins Kultur Toggenburg stiegen die Fördergelder für die regionale Kultur mit einem Schlag um rund 40 Prozent – die Toggenburger Gemeinden zahlen seither pro Einwohner drei Franken, der Kanton legt 60 000 Franken drauf. Mit diesem Geld sollen aber nun nicht Neuuniformierungen von lokalen Musikgesellschaften oder Abendunterhaltungen von Jodelchören unterstützt werden. «Die Unterstützung solcher Anlässe und Anschaffungen bleibt wie bisher Sache der einzelnen Gemeinden», sagt Geschäftsführer Daniel Blatter. Der Anspruch des Vereins Kultur Toggenburg ist ein anderer: Regionalität, Qualität, Innovation, aber auch Zugänglichkeit für eine breite Bevölkerung und kulturelle Vielfalt.

Schwergewicht Musik

Von den 45 Gesuchen, die im letzten Jahr bewilligt worden sind, stammen 27 aus der Sparte Musik. Und dies querbeet durch die Musikstile: Von den Sommerkonzerten Nesslau über das Frühlingskonzert des Jugendorchesters il mosaico bis zu «Wattwil rockt» und zur Unterstützung für die CD der Hip-Hop-Band O.H. Viele der Bezüger haben schon vor der Gründung von Kultur Toggenburg Fördergelder bekommen, in Form von Beiträgen einzelner Gemeinden. So bekommen etwa il mosaico, das Chössi-Theater oder auch das Toggenburger Museum gleich viel Geld wie früher, nur eben aus einem Topf. Dies hat für die Kulturveranstalter eine wesentliche administrative Vereinfachung gebracht. Die Summe der von Kultur Toggenburg ausbezahlten Jahresbeiträge entspricht denn auch ziemlich genau den früher von der Gesamtsumme der früheren Gemeindebeiträge an regionale Kultur – rund 120 000 Franken.

Zusätzliche Projekte gefördert

Was konnte dank den um rund 60 000 Franken oder 40 Prozent höheren Kulturgeldern zusätzlich gefördert werden? Daniel Blatter nennt zwei Beispiele: «Die Fördergelder für die CD der Hip-Hop-Band O.H. hätten früher wohl viel kleinere Chancen gehabt, weil die drei Musiker in ihren drei Heimatgemeinden je einzeln um Beiträge hätten anfragen müssen.» Daniel Blatter nennt noch ein zweites Beispiel: Die Künstleraktion «5ünfstern offene Künstlerateliers», welche alle drei Jahre in der ganzen Ostschweiz Kunstinteressierte den Besuch von Ateliers regionaler Kunstschaffender organisiert. An die Organisation und das Marketing dieser Plattform zahlt Kultur Toggenburg für die nächste Ausgabe 2014. An der letzten Austragung hatten immerhin zehn Toggenburger Kunstschaffende aus sechs Gemeinden teilgenommen. Auch hier sagt Daniel Blatter: «Wenn die Künstler in ihrer Heimatgemeinde ein Gesuch hätten stellen müssen, wären die Chancen viel kleiner gewesen, weil es sich ja um einen überregionalen Anlass handelt.»

Kaum Chance für Privatmuseen

Neben den bezüglich Anzahl Gesuche und Beitragshöhe dominierenden Sparten Musik und Theater sind die anderen Sparten nur mit vereinzelten Gesuchen vertreten. In der Sparte Museum wird einzig das Toggenburger Museum unterstützt. Kultur Toggenburg führt aber auch hier lediglich die Beiträge der Gemeinden weiter. Im Gegensatz zu den privaten und nach marktwirtschaftlichen Kriterien funktionierenden Museen wie die Erlebniswelt Toggenburg mit der Hobby-Eisenbahnanlage oder Fredy's mechanischem Musikmuseum bekommt das Toggenburger Museum auch deshalb Beiträge, weil es den Auftrag der Gemeinden zur Dokumentation der regionalen Geschichte erfüllt, dies sozusagen als service public.

Projekt ja, Ateliermiete nein

Dieselbe Haltung gelte auch bei Kunstschaffenden: «Wenn ein Künstler ein neues Projekt lanciert, bekommt er einen Beitrag, für die laufenden Kosten an sein Atelier aber nichts», sagt Blatter. In der Sparte Geschichte hat so auch eine im Rahmen des Gordon Bennett-Rennens gezeigte Ausstellung zu Eduard Spelterini einen Beitrag bekommen. Zum einen, weil es sich beim Ballonpionier Spelterini um einen Toggenburger gehandelt hat, zum anderen, weil die Ausstellung anschliessend in der Erlebniswelt Toggenburg der breiteren Öffentlichkeit in der Region zugänglich bleibe.

Bald wieder ein Kulturforum

Nach zwei Jahren zieht der Verein Kultur Toggenburg dieses Jahr eine erste Zwischenbilanz. Die Leistungsvereinbarung mit dem Amt für Kultur lief Ende 2012 aus und wird derzeit evaluiert. Über die künftige Ausrichtung des Vereins werde im Vorstand in den nächsten Monaten diskutiert. Eines aber habe sich der Vorstand fest vorgenommen: Die Organisation eines Kulturforums, «das den hiesigen Kulturschaffenden einen Mehrwert bringen soll», wie Daniel Blatter sagt.

www.kulturtoggenburg.ch