Konzert zum Orgel-Jubiläum

In der reformierten Kirche Wattwil wurde vor 40 Jahren die imposante Orgel eingeweiht. Mit einem Orgelkonzert und reichhaltigen Informationen zur Geschichte des Instrumentes wurde dieses Jubiläum am Sonntagabend gefeiert.

Thomas Geissler
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Hochkonzentriertes vierhändiges Spiel an der Jubiläumsorgel in der reformierten Kirche Wattwil. Nina Lenherr (links) und Heidi Bollhalder ergänzen sich an diesem riesigen Instrument perfekt. (Bild: Thomas Geissler)

Hochkonzentriertes vierhändiges Spiel an der Jubiläumsorgel in der reformierten Kirche Wattwil. Nina Lenherr (links) und Heidi Bollhalder ergänzen sich an diesem riesigen Instrument perfekt. (Bild: Thomas Geissler)

WATTWIL. Für das Jubiläumskonzert hatte man sich wahrlich etwas Besonderes ausgedacht. Gleich zwei junge Organistinnen, Heidi Bollhalder aus Unterwasser, und Nina Lenherr aus Gams, spielten in einer für dieses Instrument äusserst ungewöhnlichen Weise – im Duett. «Vierhändig zu spielen ist etwas sehr Spezielles. Sonst ist man als Organist mehr ein Einzelkämpfer», scherzte Heidi Bollhalder. Rund zwei Monate haben die zwei Organistinnen deshalb regelmässig miteinander geprobt.

Doppelter Orgel-Genuss

«Wir mussten uns erst einmal aufeinander einstellen, denn man muss wie in einem Orchester aufeinander hören», ergänzte die 27jährige Wattwiler Organistin. Dass dies aber nicht so einfach ist, wurde bereits ab dem zweiten Stück deutlich. Anders als beim Einstieg spielten die beiden Frauen die folgenden Stücke nicht gemeinsam an der grossen Orgel, sondern lieferten ein Duett des Jubiläumsinstrumentes und einer zweiten Orgel im Altarraum. Ohne Sichtkontakt kam es dabei auf die perfekte Abstimmung an. «Da die Töne zeitlich versetzt ankommen, können wir nicht nach Gehör spielen. Nina Lenherr gibt deshalb an der grossen Orgel den Takt vor und ich muss mich an der kleineren Orgel anpassen», erklärte Heidi Bollhalder, wie die zwei Organistinnen das beeindruckende Klangerlebnis erreichten.

Was diese Orgel alles kann, zeigten die beiden Organistinnen mit den von ihnen ausgewählten und zum Teil eigens für dieses Konzert für die Orgel aufbereiteten Stücke. Mit «Slawischer Tanz Nr. 8» von Antonin Dvorák ging es temperamentvoll los. Genau wie beim Abschluss, für den sie Passagen aus Tschaikowskys «Nussknacker-Suite» ausgewählt hatten, spielten sie vierhändig an der grossen Orgel. Über Distanz harmonierten beide bei dem «Concierto No. 1 C-Dur» von Antonio Soler und der «Sonata a due Organi» von Giovanni Bernardo Luccinetti.

Harmonie von Raum und Orgel

Über die «Jubiläums-Orgel» selbst hatte Heidi Bollhalder nur Gutes zu berichten, ist doch jede Orgel vom Klang, dem Aufbau, den Registern und der Pfeifenanzahl her anders. So sei die eine nicht mit der anderen zu vergleichen: «Es ist ein wirklich schönes Instrument, das sehr gut in die Räumlichkeiten passt», erklärt sie. Denn auch diese bestimmen den Klang einer Orgel mit. Davon konnte auch Armin Reich berichten, der zwischen den Stücken die Geschichte der Orgelmusik im Allgemeinen und die der Wattwiler Orgel im Speziellen erläuterte. So war die erste Wattwiler Orgel, nachdem die Musik lange Zeit fast vollständig aus den evangelischen Gottesdiensten verschwunden war, 1824 nach dem Neubau der Kirche um 1846 deutlich zu klein geworden. Der Klang liess stark zu wünschen übrig, weshalb man rund 30 Jahre später den Bau einer neuen Orgel an die Hand nahm. Als Armin Reich 1967 in Wattwil als Organist und Chorleiter begann, spielte er selbst noch auf dieser Orgel. Mittlerweile war diese aber in einem schlechten Zustand und unter anderem von Holzwürmern befallen. Mit dem Kirchenumbau 1968 wurde dann auch das Orgel-Problem an die Hand genommen. 1972 von der Firma Kuhn, Männedorf, erbaut, verfügt die Orgel über drei Manuale, 37 Register und 2672 Pfeifen. Damit gehört sie zwar eher zu den kleineren Instrumenten, doch sind die grössten Pfeifen immerhin imposante fünf Meter hoch.