Bald nur noch ein Hemberger Skilift?

HEMBERG. Am Freitag trafen sich die Aktionäre der Skilift Hemberg AG zur 42. Generalversammlung. Wenig Schnee und schlechtes Wochenendwetter hat die Skisaison 2010/11 geprägt. Die Rechnung bleibt trotzdem ausgeglichen. Bald muss entschieden werden, ob der Hauptlift geschlossen wird.

Hansruedi Kugler
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Die Idylle täuscht: Der Hemberger Hauptlift lief vergangene Saison wegen Schneemangels nur gerade sieben Mal. (Bilder: Urs Nef)

Die Idylle täuscht: Der Hemberger Hauptlift lief vergangene Saison wegen Schneemangels nur gerade sieben Mal. (Bilder: Urs Nef)

Seit vierzig Jahren hat Hemberg ein eigenes Skigebiet. Die Gäste kommen auch aus dem Thurtal, dem Neckertal und aus den Regionen Wil und Flawil. Schneesicher ist das Gebiet aber nicht. Beim Tellerlift ist dies nicht so gravierend. Dieser startet auf über 1000 Metern über Meer. Die Talstation des Hauptliftes hingegen liegt auf 850 Metern über Meer. Künstliche Beschneiung liegt im Budget der Skilifte Hemberg AG nicht drin. Der Verwaltungsrat muss bald entscheiden, ob er den defizitären Hauptlift einstellen will – in der letzten Saison konnte er nur gerade an sieben Tage in Betrieb genommen werden. Vor allem aber muss auf die Saison 2012/13 hin das Tragseil ersetzt werden, was rund 40 000 Franken kosten dürfte. Die Röntgen-Untersuchungen des Tragseils durch das IKSS, das interkantonale Konkordat für Seilbahnen und Skilifte, hätten nur noch für die kommende Saison eine Betriebsgenehmigung ergeben.

Starke Verankerung im Dorf

Nicht zuletzt wegen der angekündigten Diskussion über die Zukunft des Hauptlifts waren am Freitag 57 Aktionäre zur Generalversammlung gekommen, fast doppelt so viele wie in anderen Jahren. Dass die Skilifte in Hemberg ein wichtiges Thema sind und eine grosse Unterstützung finden, zeigte sich unter anderem vor zwei Jahren: Für den Umbau des Bergrestaurants Skihus gelang damals innert weniger Monate eine Aktienerhöhung um 200 000 Franken. Mit dem Restaurantbetrieb wird denn auch die Rechnung der Skilift Hemberg AG unterstützt: In der Saison 2009/10 warf das Restaurant eine stark vom Wetter abhängige Pacht von 12 975 Franken ab, in der Saison 2010/11 waren es 9347 Franken. Mit den Einnahmen durch den Skiliftbetrieb von 34 554 Franken und Werbegeldern von 7600 Franken kommt die Skilift Hemberg AG auf einen Umsatz von 52 414 Franken. Die Rechnung schliesst mit einem Defizit von 184 Franken.

Seit Jahren im Gespräch

Überraschend kam die Schliessungs-Diskussion nicht: Verwaltungsratspräsident Stefan Würms hatte in den letzten Jahren stets auf die anstehende Investition und auf den defizitären Betrieb des Hauptlifts aufmerksam gemacht. Die Kompetenz für die Schliessung eines Lifts liegt zwar beim Verwaltungsrat. Für die Generalversammlung hatte Stefan Würms aber zu einer offenen Aussprache aufgefordert. Der Verwaltungsrat habe noch keinen Entscheid gefällt und sei sich derzeit auch noch nicht einig, so Stefan Würms. Die Ausgangslage ist klar: «Entweder saniert man den Hauptlift oder man schliesst ihn», so Stefan Würms. Die Diskussion zeigte schnell die heiklen Fragen einer allfälligen Schliessung: Hätte die Schliessung des Hauptlifts einen Gästeschwund zur Folge? Springen die Sponsoren ab? Gibt es allenfalls Unterstützung durch die Politische Gemeinde? Aktionär Jakob Brunner brachte als Alternative seine Idee eines «Ökolifts» ins Gespräch – ohne Pistenpräparierung und tieferen Preisen. Denn die niedrigen Preise für Tageskarten seien ein Hauptargument, das für das Hemberger Skigebiet spräche, meinte er. Stefan Würms entgegnete, auch ein «Ökolift» müsse die Sicherheitsvorschriften erfüllen. Das Tragseil müsste ohnehin ersetzt werden. Zudem seien Gäste, die keine Pistenpräparierung wollen, eine kleine Minderheit, die kaum nach Hemberg kommen, sondern die Tiefschneehänge höher gelegener Skigebiete bevorzugt.

Berghilfe oder Gemeinde?

Ob man nicht von der Berghilfe Geld erwarten könne, wollte ein anderer Aktionär wissen. Der Verwaltungsrat habe dies abgeklärt. Skigebiete, die unter 1600 Meter über Meer liegen, bekämen keine Unterstützung. Auch vom Sport-Toto-Fonds sei nichts zu erwarten. Denn dieser entrichte Beiträge nur an Vereine, nicht an AGs wie die Skilift Hemberg AG.

Gemeindepräsident Walter Fischbacher erläuterte anschliessend die Haltung der Politischen Gemeinde. Er selbst habe eine sehr emotionale Beziehung zum Skilift, habe er doch als 18-Jähriger die Eröffnung des Skigebietes selbst erlebt und sehr schneereiche Winter erlebt. Die Politische Gemeinde habe die jährliche Unterstützung der Skilifte vor einigen Jahren aufgegeben und sich auf Beiträge für besondere Investitionen verlegt. Man müsse sich bewusst sein, dass die Skilifte zwar von vielen geschätzt werden, dass es aber auch Einwohner gäbe, die keine Beziehung zum Skilift haben. Falls der Gemeinderat einen Antrag zur finanziellen Unterstützung beim allfälligen Ersatz des Hauptlift-Tragseils erhalte, werde er diesen Betrag in das Budget stellen. Entscheiden würde dann die Bürgerversammlung. Feste Zusagen mache er nicht. Die Skilift Hemberg AG müsse bedenken: «Etwas zu unterstützen, das nachweislich dauerhaft defizitär ist, hat es politisch doppelt schwer.» Stefan Würms kündigte danach an, der Verwaltungsrat werde die «Köpfe über die Zukunft des Hauptlifts nochmals zusammen- strecken» und im kommenden Jahr eine Entscheidung fällen.

Kinder-Skiparadies Hemberg

Die Zufahrt vom Tellerlift zum Skihus ist mit einem Anstieg verbunden. Dieser soll nun nach dem Willen des Verwaltungsrats mit einem 80 Meter langen Förderband versehen werden – gerade für Kinder eine wesentliche Erleichterung. Und für das Skigebiet ein Zeichen und eine Investition in die Zukunft des Skigebiets Hemberg: Dieses soll sich noch stärker als bisher auf das Segment Familien mit kleinen Kindern ausrichten, meint Stefan Würms und schloss optimistisch mit «Pulver gut, Versammlung geschlossen» die Generalversammlung.

Webcam und Informationen: www.skilifthemberg.ch