Kulturfestival lässt sich Zeit

TOGGENBURG. Vor einem Jahr lancierte der regionale Kulturförderverein Kultur Toggenburg die Idee eines «Kulturfestival im Toggenburg». Gespräche mit Kulturveranstaltern haben stattgefunden. Im 2013 gibt es noch kein Kulturfestival.

Hansruedi Kugler
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Vorbild für regelmässige Freilichtspiele? Im diesjährigen «Sommernacht Traum» erweckte Oberon mit der Zauberblume seine Gattin Titania aus ihrem Schlaf. Die Aufführung war eine Zusammenarbeit zwischen Chössi-Theater, Kanti Wattwil, Kraftwerk Club, Zeltainer und zwei einheimischen Orchestern. (Bilder: Hansruedi Kugler)

Vorbild für regelmässige Freilichtspiele? Im diesjährigen «Sommernacht Traum» erweckte Oberon mit der Zauberblume seine Gattin Titania aus ihrem Schlaf. Die Aufführung war eine Zusammenarbeit zwischen Chössi-Theater, Kanti Wattwil, Kraftwerk Club, Zeltainer und zwei einheimischen Orchestern. (Bilder: Hansruedi Kugler)

«Spartenübergreifend, generationenübergreifend, raumübergreifend» – so stellte sich der Verein Kultur Toggenburg anlässlich einer Präsentation im November 2011 das Konzept eines Kulturfestival vor. Käme ein solches zustande, gäbe es neben den Jazztagen, dem Festival Naturstimmen und dem Irish Openair ein viertes überregionales Kulturfestival. Schaut man in die Schweizer Kulturszene, so fällt allerdings auf: Kulturfestivals gibt es in der Schweiz schon jede Menge. Alleine zur Literatur hat man die Auswahl unter 20 mehrtägigen Anlässen, auch zu Themen wie Krimi, Lyrik oder Kabarett. Filmfestivals finden unter anderem in Locarno, Solothurn, Zürich, Winterthur, Lausanne und Fribourg statt. Hinzu kommen das Comedy-Festival in Arosa, die Kleinkunsttage in Thun oder das Theaterspektakel in Zürich. Die Liste liesse sich fast endlos weiterführen. Ein solches Themenfestival mit auswärtigen Kulturschaffenden als Gäste ins Toggenburg zu holen, wäre grundsätzlich zwar möglich, sagt Christian Spoerlé, Präsident von Kultur Toggenburg. Und wenn ein initiativer Toggenburger eine Marktnische für ein derartiges Themenfestival besetzen wolle, bekäme er sicher seine Unterstützung.

Chössi-Theater stösst Idee an

Die Gespräche mit hiesigen Kulturveranstaltern deuten jedoch in eine andere Richtung. Denn einerseits sei klar: Kultur Toggenburg werde ein solches Festival nicht selbst organisieren, stellt Christian Spoerlé klar. Hierfür brauche es lokale Akteure, also bereits aktive Kulturveranstalter. Eine konkrete Idee für ein Festival fehlt zwar auch ein Jahr nach der Lancierung dieser Idee immer noch. Aber es kristallisiert sich eine Achse Chössi-Theater und Kanti Wattwil heraus. Und Chössi-Präsident Bruno Sutter hat auch schon ein Arbeitspapier verfasst, mit dem er diese Idee voran treiben will: «Die Kanti hat die Darsteller, das Chössi-Theater ein kleines Ensemble und vor allem die Helferorganisation», fasst er das Grundgerüst zusammen. Vorbild für die künftigen «Sommerfestspiele» ist für Bruno Sutter das diesjährige Freilicht-Theater «Sommernacht Traum» beim Kraftwerk in Krummenau. Dieses war ein Gemeinschaftswerk von Chössi-Theater, Kanti Wattwil mit seiner Theaterklasse, Kraftwerk Club, dem Jugendorchester «il mosaico», der Band Freyder Ostenduntz Quartett und Zeltainer.

Kanti zögert noch

Kanti-Rektor Martin Gauer blickt mit Genugtuung auf den diesjährigen «Sommernacht-Traum» zurück: «Die Zusammenarbeit mit dem Chössi-Theater hat sich bewährt und wir werden diese auch in Zukunft weiter führen», sagt er. Eine Zusage für die Mitwirkung der Kanti Wattwil bei einem Kulturfestival könne er derzeit aber noch nicht geben. «Unsere Ressourcen sind begrenzt», sagt Martin Gauer, «und mit dem Sparpaket hat uns der Kanton zwanzig Prozent des Freifachpools gestrichen.» Aus diesem Pool heraus entstehen unter anderem die Theater-Produktionen. So werde sich die Kanti Wattwil entscheiden müssen, ob sie auf Eigenproduktionen wie «Grease» setzt oder mit dem Chössi-Theater zusammen regelmässig Sommerfestspiele organisiert. Sich für beide zu engagieren würde wohl die personellen wie finanziellen Ressourcen der Kanti Wattwil überfordern, meint Martin Gauer. Rein standortpolitisch seien Eigenproduktionen wie «Grease» für die Kanti zudem wirksamer. Denn zu diesem Musical seien wesentlich mehr Zuschauer aus dem Linth-Gebiet gekommen als zur gemeinsamen Produktion «Sommernacht Traum.»

Wunsch: Fester Jahresbeitrag

Mit seinen eigenen Produktionen plant das Chössi-Theater einen fixen Jahres-Rhythmus: Alle zwei Jahre soll eine Freilicht-Aufführung stattfinden, in den Zwischenjahren soll das Chössi-Ensemble eine kleinere Werkstatt-Aufführung im Chössi zeigen. Mit dem «Sommernacht Traum» seien sie allerdings an finanzielle Grenzen gestossen, sagt Bruno Sutter. Das Risiko, ein allfälliges Defizit decken zu müssen, sei für einen einzelnen Kulturveranstalter zu gross. Für die dauerhafte Etablierung eines regelmässigen Grossanlasses brauche man daher die finanzielle Rückendeckung vom Amt für Kultur, am besten in Form einer Defizitgarantie, meint Bruno Sutter.

Kultur Toggenburg-Präsident Christian Spoerlé sieht das ähnlich: «Wenn man auf zwei Jahre hinaus plant, braucht man eine Vorfinanzierung.» Statt Projektbeiträge schwebt den Kulturveranstaltern eine Finanzierung via Leistungsauftrag und Jahresbeiträge vor. So finanziert der Kanton derzeit schon die Kleintheater, einige Orchester, die Jazztage Lichtensteig und die Klangwelt Toggenburg. Katrin Meier, Leiterin Amt für Kultur des Kantons, sieht das Problem: «Wir begrüssen die Idee eines regelmässig stattfindenden Kulturfestivals im Toggenburg», sagt sie. Entschieden sei aber noch nichts. Derzeit sei sie daran abzuklären, wie das Amt für Kultur dieses Festival finanziell unterstützen könne.

Helfer gäbe es genug

Allerdings bräuchte ein solches Kulturfestival eine eigene Trägerschaft als Ansprechpartner für das Amt für Kultur, sagt Christian Spoerlé. Das Chössi-Theater möchte das Kulturfestival nicht auch noch in seine Leistungsvereinbarung hinein nehmen, sagt auch Bruno Sutter. Eine kleine Umfrage bei den Toggenburger Kulturveranstaltern zeigt: Das Interesse, bei einer gemeinsamen Grossproduktion mitzuhelfen ist vorhanden. Martin Sailer vom Zeltainer etwa sagt, er mache immer gerne mit, wenn das ganze Tal zusammenspanne. Seine Mitarbeit würde sich aber wie beim «Sommernacht Traum», wo er eine der drei Beizen führte, auf die Helferrolle beschränken. Genauso sieht es auch Rosi Fitze, die Programmchefin des Asselkellers: «Wir helfen gerne mit, den Lead beim Festival aber muss jemand anderer übernehmen.»