«Die Jodler haben sich nicht gemeldet»

«Kultur Toggenburg» hat sich die Aufgabe gestellt, regionale Kultur zu fördern. Christian Spoerlé ist Vereinspräsident und erklärt, wer und warum ein Kulturmacher Geld von «Kultur Toggenburg» erwarten darf.

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Herr Spoerlé, Sie sagen, «Kultur Toggenburg» soll Neues ermöglichen. Sind schon konkrete Ideen an Sie herangetragen worden?

Christian Spoerlé: Nein. Bisher nicht. Wir stehen aber auch erst am Anfang. Ab 1. Januar 2011 sind die Formulare auf der Homepage von toggenburg.ch aufgeschaltet und uns Vorstandsmitglieder kann man selbstverständlich ansprechen.

Ich hoffe, dass ich an unserer ersten Hauptversammlung über viele Projekte berichten kann, die der Verein «Kultur Toggenburg» mitfinanziert und vielleicht sogar erst ermöglicht hat.

Wie viel Geld steht zusätzlich für die Kultur im Toggenburg zur Verfügung?

Christian Spoerlé: Für jeden Einwohner zahlen die Gemeinden drei Franken ein. Das gibt rund 100 000 Franken. Hinzu kommt derselbe Betrag, den der Kanton zuschiesst.

Meine eigene Gemeinde Ebnat-Kappel hat rund 15 000 Franken für «Kultur Toggenburg» ins Budget gestellt. Die Gemeinden werden gleichzeitig mit den bisher ausgerichteten Beiträgen an regionale Kulturveranstalter – so etwa für das Chössi-Theater, das Kraftwerk Krummenau, das Jugendorchester «il mosaico» oder die «Arthur»-Kunstausstellungen – entlastet, da diese Leistungen nun neu über «Kultur Toggenburg» ausgerichtet werden.

Die bisherigen, regional ausgerichteten Leistungsempfänger werden mindestens in den kommenden zwei Jahren im gleichen Umfang unterstützt. Für neue Projekte stehen im Moment, das heisst die in den Jahren 2011 und 2012, je rund 50 000 Franken zur Verfügung.

Dann werden künftig auch alle Toggenburger Gemeinden zum Beispiel die Jazztage Lichtensteig unterstützen, die bisher nur von der Gemeinde Lichtensteig einen Gemeindebeitrag bekam?

Christian Spoerlé: Das ist richtig. Durch die Neufinanzierung wird die Gemeinde Lichtensteig entlastet.

Der Verein soll Neues ermöglichen. Gehören Sonderausstellungen im Eisenbahnmuseum oder Freilichttheater wie die Chössi-Eigenproduktionen oder «Ammanns Vermächtnis» in Alt St. Johann dazu?

Christian Spoerlé: Ja, grundsätzlich sind das gute Beispiele. Die Aufgabe des Vorstandes ist es, zu prüfen, ob der Kulturanlass wirklich regional ausstrahlt oder ein reiner Dorfanlass ist.

Die Obergrenze für Einzelbeiträge liegt nach wie vor bei 10 000 Franken?

Christian Spoerlé: Ja, das bezieht sich unabhängig von der Gesamthöhe des Budgets des Projektes auf unseren Beitrag. Für Gesuche von über 10 000 Franken ändert sich nichts, diese müssen wie bis anhin beim Amt für Kultur in St. Gallen eingereicht werden. Die Finanzierung erfolgt hier direkt aus dem Lotteriefonds, über dessen Verwendung der Kantonsrat abschliessend entscheidet.

Was machen Sie mit dem Geld, wenn zu wenig Anträge kommen?

Christian Spoerlé: Dann wird das Vermögen des Vereins grösser. Das Geld bleibt im Kultur-Topf für die folgenden Jahre. Ich habe aber keine Angst. Das Vorbild der Südkultur hat gezeigt, dass dieses Modell genutzt wird und funktioniert.

Im Vorstand sind neben den Gemeinden auch einige Kultursparten vertreten: Theater, Kunst, Literatur, Musik. Warum fehlen die volkstümliche Kultur und die Jodler?

Christian Spoerlé: Die Jodler haben sich auf den Aufruf zur Mitarbeit im Kultur-Vorstand nicht gemeldet. Das hat vielleicht damit zu tun, dass die Jodelchöre sich selbst und ihre öffentlichen Auftritte und Unterhaltungsabende organisieren und kaum öffentliche Fördergelder beantragen. Vielleicht braucht es etwas Zeit.

Für das Nordostschweizer Jodlerfest 2013 in Wattwil können die Jodelchöre auf jeden Fall einen Antrag einreichen, wobei ich mir vorstellen könnte, dass ein solch grosses Fest über den Lotteriefonds unterstützt wird.

Zeigt die Zusammensetzung des Vorstandes schon, wo die Gelder hinfliessen werden?

Christian Spoerlé: Der Vereinsvorstand wird sicher nicht aktiv als Veranstalter auftreten, sondern beurteilt lediglich Anträge. Darum sind wir angewiesen auf konkrete Ideen von aussen.

Grundsätzlich kann jeder sein Glück versuchen. Alle, die etwas machen wollen, das sie selbst als kulturelles Ereignis einschätzen und das über die Dorfgrenzen ausstrahlt, können einen Antrag stellen.

Für die Neuuniformierung der Musikgesellschaft im Dorf ist aber nach wie vor die jeweilige Gemeinde zuständig?

Christian Spoerlé: Ja, eindeutig. Aber wenn eine Musikgesellschaft den Kreismusiktag durchführt, kann sie einen Antrag stellen.

Interview: Hansruedi Kugler