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Tierschützer grillieren einen Hund auf dem Kornhausplatz in St.Gallen

Die Tierrechtsorganisation Peta hat am Donnerstag eine Hunde-Attrappe auf den Grillrost gelegt. Die Aktion empört vor allem Fleischesser.
Seraina Hess
Ein Stück Hund zum Zmittag? Manch einer war erleichtert, dass es sich nur um eine Attrappe handelte. (Bilder: Urs Bucher)

Ein Stück Hund zum Zmittag? Manch einer war erleichtert, dass es sich nur um eine Attrappe handelte. (Bilder: Urs Bucher)

Während Jens Vogt den Grill aufbaut, beissen keine zwanzig Meter entfernt Frauen und Männer in Falafel-Bällchen, schaufeln Quinoa-Salat in sich hinein und schlürfen Matcha-Eistee. Der Kornhausplatz ist am Donnerstagmittag in der Hand der Bekehrten und jener, die bekehren wollen. Gleich neben dem vegetarisch-veganen Restaurant Tibits veranstaltet die Tierrechtsorganisation Peta eine Aktion, die manch einem Passanten die Mittagspause verderben wird. Denn auf dem Grill platziert Jens Vogt keine Tofu-Seitan-Spiesschen, auf dem Rost brutzelt ein Hund vor sich hin.

Zumindest auf den ersten Blick. Denn die Aktivisten benutzen weder Holzkohle noch Gas, um den Grill zu erhitzen. Das Tier, dessen Haut die Farbe eines knusprig gebratenen Poulets angenommen hat, ist nichts anderes als eine gelungene Attrappe. Und der Grillplausch nichts weiter als eine Provokation von Tierrechtlern, die Karnivoren vom Missstand in der Hierarchie der Lebewesen überzeugen wollen. Das Transparent unter dem skurrilen Bild: «Wenn Sie keinen Hund essen würden, warum dann ein Schwein?»

Von Rebellen bis hin zu Philosophen

Jens Vogt, Peta-Aktionskoordinator

Jens Vogt, Peta-Aktionskoordinator

Ansprechen müssen Jens Vogt und sein Team niemanden. Antworten geben hingegen schon. Der Hund stösst ab – und zieht gleichzeitig an. «Jesses!», ruft eine ältere Frau und bleibt stehen, während ein Mann zum Grill läuft, sich an die Stirn tippt und kopfschüttelnd umkehrt. Einer von denen, die das Gespräch mit einer Aktivistin suchen, ist Valentin Franke. «Es ist spannend, wie die jeweiligen Kulturen festlegen, welches Tier man isst und welches nicht», sagt er. Der 32-jährige Optiker hat sich erst vor kurzem einen Monat lang vegan ernährt. Heute isst er wieder Fleisch – aber nur an Wochenenden, wenn er eingeladen ist. Ein Satz, der an diesem Mittag noch öfter gesagt werden wird. Wer stehen bleibt, isst in der Regel Fleisch. Entweder mit latent schlechtem Gewissen, oder aber mit der felsenfesten Überzeugung, Tiere gehörten seit jeher auf den Speiseplan des Menschen.

Ein Anzugträger rauscht vorbei und lehnt den entgegengestreckten Flyer bestimmt ab. Sein Vorwurf: «Ihr denkt wirklich, ihr könnt in fünf Minuten die Evolution umkehren?» Das können die Aktivisten natürlich nicht. Menschen in Gespräche über Tierhaltung, CO2-Ausstoss von Kühen und den immensen Wasserverbrauch für die Futterproduktion verwickeln hingegen vorzüglich. Das Gespräch mit einem ehemaligen Schafhalter, der den «sauberen Bolzenschuss» verteidigt, nimmt nach gut 20 Minuten philosophische Dimensionen an.

Die Aktion raubt die Lust auf Fleisch

«Warum das eine essen und das andere streicheln?» Jens Vogts Frage trifft zwei besonders hart: Gianpiero Zuccotto und seine Mutter Lucia Della Rocca. Ihr Hund ist vor einem Jahr gestorben. Mutter und Sohn stehen wie angewurzelt vor dem Grill, sind schockiert. «Das tut weh», sagt sie, die in Erwägung zieht, sich einen neuen Vierbeiner aus dem Tierheim zu holen.

Ob sich Passanten wie Della Rocca zum veganen Lebensstil haben bekehren lassen und den Cervelat fortan vom heimischen Grill verbannen, wissen die Aktivisten letztlich nicht. Auf ein knuspriges Pouletbrüstli zum Zmittag dürfte aber manch einer verzichtet haben, der in dieser Mittagspause auf dem Kornhausplatz war.

Winterthur erteilt Peta eine Absage

Die Tierrechtsorganisation Peta hat die Hunde-Attrappe schon in mehren Städten Österreichs und Deutschlands auf den Rost gelegt, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Am Donnerstag hätte die Aktion auch in Winterthur stattfinden sollen. Im Gegensatz zu St.Gallen erteilte die Stadt Peta aber keine Bewilligung. Grund dafür: Der Hund auf dem Grill könnte auf Kinder nachhaltig verstörend wirken. Michael Wirz, Mediensprecher der Stadtpolizei Winterthur, sagt: «Wir haben der Organisation mitgeteilt, dass wir eine Aktion nicht grundsätzlich verbieten – ohne Hund auf dem Grill wäre sie erlaubt.» Jens Vogt, Aktionskoordinator bei Peta, kann die Begründung der Absage nicht nachvollziehen, zumal es in anderen Städten keine Probleme gab. «Es ist unverständlich, dass eine Hunde-Figur auf dem Grill Kinder verstören soll, in der Innenstadt aber überall echte Hühner und Schweine am Spiess grilliert werden.» Heute sind die Tierschützer in Basel – mit Grill und Hund. (seh)

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