«Tierpflege gehört zum Kerngeschäft eines Zoos»: Der Walter-Zoo päppelt bald verletzte Tiere in der Wildvogelpflegestation St.Gallen auf

Schon länger ist klar, dass die Aussengehege der Wildvogelpflegestation einen neuen Standort brauchen. Nun steht auch fest, wer die kranken Vögel künftig wieder aufpäppelt: Der Walter-Zoo wird künftig mit einer Tierärztin und einer Tierpflegerin die St.Galler Institution betreiben. Und am Freitag wird das erste Gehege gezügelt.

Johannes Wey-Eberle
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Patienten der Wildvogelpflegestation im Naturmuseum.

Patienten der Wildvogelpflegestation im Naturmuseum.

Claudio Heller (30. Januar 2017)

Die Pflege der Wildvögel übernimmt künftig der Gossauer Walter-Zoo. Die Stiftung Wildvogelpflegestation sei eine Kooperation mit dem Zoo eingegangen, heisst es in einer Mitteilung der Stadt. Für die Vögel werden eine spezialisierte Tierärztin in einem Teilpensum und eine Tierpflegerin besorgt sein. Zusätzlich ist ein Team von Freiwilligen als Ergänzung vorgesehen. Sie treten damit die Nachfolge des Ehepaars Dora und Christian Müller an, das sich 2018 nach rund 30 Jahren zurückgezogen hatte. Seither blieb die Station ungenutzt. Nun kann sie voraussichtlich Anfang November wieder in Betrieb genommen werden.

Die Aussengehege im Park des Naturmuseums stehen leer, weil der Kanton keine Bewilligung für die Vogelhaltung erteilt hat.

Die Aussengehege im Park des Naturmuseums stehen leer, weil der Kanton keine Bewilligung für die Vogelhaltung erteilt hat.

Hanspeter Schiess (1. Oktober 2018)
Elisabeth Zwicky Mosimann

Elisabeth Zwicky Mosimann

Luca Linder

Für Elisabeth Zwicky Mosimann, Präsidentin der Stiftung Wildvogelpflegestation, endet damit die Suche nach einem Betreiber der Station. Diese habe sich schwierig gestaltet, etwa weil man den Betrieb auch an Wochenenden aufrechterhalten müsse.

Walter-Zoo kann Betrieb gewährleisten

Der Walter-Zoo könne das mit seiner Grösse leisten. Zudem hat er vor Kurzem eine Igelpflegestation eröffnet, wovon sich Zoo und Stiftung Synergien versprechen. Denn die Wildvögel bedürfen vor allem im Frühling der Pflege, die Igel im Herbst, erklärt Zwicky.

Karin Federer, Direktorin Walter-Zoo

Karin Federer, Direktorin Walter-Zoo

Ralph Ribi

Zoodirektorin Karin Federer stimmt dem zu: «Die Igelpflegestation ist derzeit bis auf den letzten Platz besetzt.» Die Wildvogelpflegestation sei eine gute Ergänzung und passe überdies in die Strategie des Walter-Zoos, sich stärker im Natur- und Artenschutz im Inland zu engagieren.

Im Bereich Tierpflege müsse der Zoo mit der neuen Aufgabe eine zusätzliche Mitarbeiterin einstellen, die Tierärztin könne ihr Pensum aufstocken.

«Sie bringt viel Know-how in der Behandlung von Vögeln mit. Und die Tierpflege gehört ohnehin zum Kerngeschäft eines Zoos.»

Neue Gehege bekamen keine Bewilligung

Mit dem neuen Betreiber wurde auch der Weg frei für die Lösung der anderen Probleme der Stiftung: Ein neuer Standort für die Aussengehege und die Finanzierung. Denn für die neu erstellten Gehege beim Naturmuseum hatte der Kanton keine Betriebsbewilligung erteilt. Die Stadt stellte deshalb einen neuen Standort auf einem Grundstück an der Brauerstrasse in Aussicht, wollte aber zuerst den Betrieb sichergestellt wissen.

Kommenden Freitag wird nun das kleine Gehege dorthin gezügelt, voraussichtlich am 5. Oktober das grosse. Damit wird der Weg von der Pflegestation im Naturmuseum zu den Gehegen zwar länger, bleibt aber betrieblich zu bewältigen, sagt Zwicky.

Ausserdem habe man mit dem Betreiber und dem neuen Gehegestandort auch neue Spendengelder finden können. Der Betrieb sei damit für die ersten zwei bis drei Jahre sichergestellt. «Die Suche nach Spendengeldern endet für eine Stiftung wie die unsere nie.» Die Kosten würden durch die Zusammenarbeit mit dem Walter-Zoo steigen. Das sei wenig verwunderlich, nachdem die Aufgabe so lange Zeit von zwei Idealisten versehen worden sei, sagt Zwicky.

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