Tiere in der Stadt
Personen füttern in St.Gallen Tauben – das kann den Tieren schaden sowie Ratten anlocken

Tauben soll man nicht füttern. Trotzdem gibt es immer wieder Personen, die genau das tun. In der Stadt St.Gallen ist das Füttern nicht verboten. Warum man es trotzdem nicht tun sollte.

Marlen Hämmerli
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Schild mit der Aufschrift «Tauben nicht füttern» steht derzeit im Froschpärkli in St.Fiden.

Schild mit der Aufschrift «Tauben nicht füttern» steht derzeit im Froschpärkli in St.Fiden.

Bild: Arthur Gamsa

Jede und jeder hat schon einmal Tauben gefüttert, wenn auch unabsichtlich. Schliesslich sind die grauen Vögel zur Stelle, kaum landet ein Brösmeli auf dem Boden. Absichtlich sollte man den Tauben aber nichts zuwerfen. Genau das hat jedoch kürzlich Empörung ausgelöst. Im Stadtmelder beklagt sich jemand, eine Person füttere an der Vadianstrasse Tauben. Der Stadtmelder ist eine städtische Website, auf der man der Verwaltung Vorfälle oder auch Defekte melden kann.

«In anderen Städten ist das gesetzlich verboten, nicht so in St.Gallen», sagt Peter Baumann. Er leitet das Ressort Öffentlicher Raum und Tierschutz der Stadtpolizei. Weil die gesetzliche Grundlage fehlt, kann die Stadtpolizei keine Bussen aussprechen. Stattdessen weisen der Tierschutz und die Quartierpolizisten Personen darauf hin, dass Füttern den Tauben mehr schadet als nützt.

Futter bringt Verderben

Wird Tauben Essen zugeworfen, beginnen sie zu brüten. In der kalten Jahreszeit ist aber die Futtersuche schwierig. Die Jungtiere haben kaum Überlebenschancen. Überleben sie doch, führt das zu einer Überpopulation. Das heisst: zu viele Tauben auf zu wenig Platz. Ein Taubenpaar kann pro Jahr bis zu zwölf Jungtiere aufziehen, wenn die Bedingungen optimal sind.

Durch das Füttern im Winter fällt zudem die natürliche Auslese weg. Kranke und schwache Vögel überleben, was die ganze Population schwächt. Trotzdem passiert es immer wieder. Baumann sagt: «Meistens sind es Kinder oder einsame Personen.» Aufgrund der Coronapandemie fühlen sich mehr Leute einsam, deswegen gibt es aber nicht mehr Leute, die Tauben füttern. Zumindest ist das laut Baumann nicht feststellbar.

Kiloweise Brot vor die Tauben

Letztens hat er eine Frau angesprochen, die kiloweise Brot, das teilweise faulte, in ein Pärkli warf. «Das zieht dann weitere Tiere an, Ratten zum Beispiel.» Und das an einem Ort, wo auch Kinder spielen. Die Dame habe zuerst nicht verstanden, warum man den Tauben nichts zu fressen geben sollte. Als Baumann aber auf die Folgen hinwies, habe sie sich einsichtig gezeigt.

Hin und wieder stellt die Stadtpolizei an Hotspots Informationstafeln auf. Derzeit steht eine solche in St.Fiden im Froschpärkli an der Kolosseumstrasse. Nächstens könnte sie auf dem Kornhausplatz zu sehen sein. Seit kurzem würden dort Tauben gefüttert, sagt Baumann. Die Vögel sind schlau, eine solche Futterquelle ist schnell vielen bekannt. Die Tauben platzieren sich dann rundherum auf den Häusern, lauern auf die nächste Mahlzeit – und koten auf das Dach und den Platz.

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