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Rorschach: Tiefe Stimmenzahlen bei jedem Urnengang

Rorschach ist die grösste politische Gemeinde in ihrem Wahlkreis. Trotzdem stimmen in Thal, Goldach und Rorschacherberg konsequent mehr Leute ab. Der Ausländeranteil der Hafenstadt spielt dabei zwar eine wesentliche Rolle, aber nicht die einzige.
Martin Rechsteiner
Ausblick über Rorschach. Im Verhältnis zur Anzahl Einwohner hat die Stadt eine tiefe Stimmenzahl. (Bild: Tino Dietsche)

Ausblick über Rorschach. Im Verhältnis zur Anzahl Einwohner hat die Stadt eine tiefe Stimmenzahl. (Bild: Tino Dietsche)

Sie ist wieder die Grösste. 2017 hat die Stadt Rorschach das Dorf Goldach in Sachen Einwohnerzahlen überholt und ist nun wieder die bevölkerungsstärkste politische Gemeinde in der Region. 9288 Einwohner hatte die Hafenstadt am 1. Januar 2018, in Goldach waren es 8949. Zu den Big Four im Wahlkreis gehören zudem noch Rorschacherberg mit 7126 und Thal mit 6383 Einwohnern.

Entsprechend müssten die Abstimmungszahlen aussehen. Die Vermutung liegt nahe, dass Rorschach und Goldach aufgrund ihrer ähnlichen Grösse auch jeweils etwa gleich viele Stimmen verzeichnen. Dahinter sollten Rorschacherberg und Thal folgen. Eine Auswertung der Zahlen vergangener Abstimmungen zeigt jedoch ein anderes Bild. Die Hafenstadt liegt durchgehend und teilweise mit Abstand auf dem vierten Platz (s. Grafik). Berücksichtigt wurde die durchschnittliche Anzahl Bürger pro Gemeinde, die an einem Abstimmungssonntag ihre Stimme zu eidgenössischen und kantonalen Vorlagen abgegeben haben.

Tiefe Stimmenzahlen in Rorschach

Die durchschnittliche Anzahl Bürger pro Gemeinde, die an einem Abstimmungssonntag ihre Stimme zu eidgenössischen und kantonalen Vorlagen abgegeben haben. Abgebildet sind die vergangenen vier Abstimmungsdaten sowie Stichproben aus den Jahren zuvor. Achtung: Diese Grafik zeigt NICHT die Wahlbeteiligung.
Rorschach
Thal
Rorschacherberg
Goldach
010002000300027.09.201009.02.201414.06.201527.11.201621.05.201724.09.201704.03.201810.06.2018

Stadtpräsident Thomas Müller (SVP) sagt: «Dass Rorschach bei jedem Urnengang verhältnismässig eine tiefe Anzahl Abstimmender hat, ist mir auch schon aufgefallen.» Es hänge damit zusammen, dass die Hafenstadt im Vergleich zu ihrer Grösse wenig Stimmberechtigte habe.

So fallen in Rorschach zum Beispiel rund 48 Prozent der Bevölkerung weg, da sie keine Schweizer Staatsbürger und somit nicht stimmberechtigt sind, wie ein Blick in die Statistiken zeigt. In Rorschacherberg beläuft sich diese Zahl auf 28 Prozent, in Thal sind es etwa 23 und in Goldach um die 20 Prozent.

Es sind nicht nur die Ausländer

Eine Anfrage bei den Kanzleien ergibt: Goldach hatte bei den vergangenen Abstimmungen im Juni 5687 Stimmberechtigte, in Rorschacherberg waren es 4444. In Thal durften 4111 zur Urne und in Rorschach 4141. Auch wenn man berücksichtigt, dass diese Zahlen leicht schwanken, dürfte das erklären, weshalb die Anzahl Abstimmender in Goldach jeweils ein gutes Stück höher ist als in den anderen drei Orten. Zwischen Rorschach, Rorschacherberg und Thal sind die Unterschiede aber kleiner, die Hafenstadt hatte im Juni sogar leicht mehr Stimmberechtigte als Thal. Trotzdem verzeichnete sie weniger Bürger, die zur Urne gingen. Auch die kantonale Statistikdatenbank Stada2 bescheinigt Rorschach in den vergangenen Jahren eine konsequent tiefere Stimm- und Wahlbeteiligung als den drei Nachbarn. Sind die Rorschacher stimmfaul oder politikverdrossen?

Stadtpräsident Müller sieht das nicht so. «In Sachen Stimmbeteiligung liegen wir für gewöhnlich etwa im Schnitt», ist er überzeugt. Bedarf, die Rorschacher Bevölkerung zum Abstimmen zu animieren, sieht er nicht. «Wir haben ein sehr gutes System in der Schweiz. Leichter geht Abstimmen fast nicht mehr. Da hat man als Bürger entweder Interesse daran und nimmt dieses Recht wahr oder man lässt es bleiben.» Und daran ändere auch die im Kanton geplante elektronische Stimmabgabe nichts. «E-Voting ist zwar in aller Munde aber nicht weniger umständlich als das briefliche Abstimmen. Es wird nicht mehr Leute zum Abstimmen bewegen», ist er überzeugt.

«Bildungsstand ist ausschlaggebend»

Der Rorschacher Politologe Silvano Moeckli, der gerade ein Buch über die Funktionsweise der Demokratie veröffentlicht hat, sagt: «Bürger im Alter zwischen 60 und 75 Jahren gehören zu der Gruppe, die am fleissigsten abstimmen geht.» Sie sei in Rorschach verhältnismässig grösser als in den umliegenden Gemeinden. «Das müsste die Stimmbeteiligung eigentlich erhöhen.» Es gebe jedoch noch andere Faktoren. «Zum Beispiel spielt der Bildungsstand der Bevölkerung eine Rolle. Personen mit Hochschulabschluss sind die fleissigeren Stimmbürger.» Diese Gruppe sei in der Hafenstadt weniger stark vertreten. Das könne einer der Gründe für eine tiefere Stimmbeteiligung sein.

Nicht mehr einen so grossen Einfluss habe die Stärke von politischen Lagern in Ortschaften. «Die Stammwählerschaften von Parteien nehmen ab, ebenso der soziale Druck auf den Einzelnen, seine Stimme abzugeben», sagt Moeckli. Kleinere Auswirkungen auf die Stimmbeteiligung seien aber trotzdem möglich.

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