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Rorschacher Stadtpräsident will Paul Rechsteiners Doppelspur nicht: «Man hat uns eiskalt über den Tisch gezogen»

Der Ständerat will nun auch den Bahnabschnitt Rorschach Stadt-Rorschach Bahnhof auf zwei Gleise aufstocken. In der Hafenstadt und beim Stadtpräsidenten Thomas Müller weckt das wenig Begeisterung. In der kleinen Kammer angeregt hat das Projekt der St.Galler SP-Ständerat Paul Rechsteiner.
Martin Rechsteiner
Geht es nach dem Ständerat, verlaufen 2035 hier, entlang der Eisenbahnstrasse in Rorschach, zwei Gleise. (Bild: Rudolf Hirtl)

Geht es nach dem Ständerat, verlaufen 2035 hier, entlang der Eisenbahnstrasse in Rorschach, zwei Gleise. (Bild: Rudolf Hirtl)

Es waren schon fast Jubelrufe, die im vergangenen Herbst aus dem Rorschacher Rathaus hallten. Denn das Bundesgericht hatte die Einsprache gegen den SBB-Doppelspurausbau zwischen Goldach und dem Bahnhof Rorschach-Stadt abgewiesen.

Ein zufriedener Thomas Müller erklärte damals, dass der Ausbau nun endlich erfolgt. Das sei für Rorschach ein «Quantensprung», frohlockte er. Ein dringendes Verkehrsinfrastruktur-Problem der Hafenstadt werde aus der Welt geschafft, vorbei sei es mit dem Nadelöhr Rorschach auf der Ost-West-Achse der SBB.

Vergangene Woche dann die Meldung aus dem Ständerat: Es soll auch einen Ausbau auf zwei Spuren vom Stadtbahnhof bis zum Bahnhof Rorschach geben. Die kleine Kammer will das entsprechende Projekt in den Bahnausbauschritt 2035 aufnehmen. Doch dieses Mal blieben die Jubelrufe aus Rorschach aus. Im Gegenteil: Thomas Müller sagte, er werde sich überlegen, das Projekt zu bekämpfen, sobald es im Nationalrat behandelt wird.

Lärmschutzwände und Unterführungen

Doch weshalb befürwortet Müller in der einen Hälfte der Stadt die Doppelspur, aber in der anderen, auf einem Abschnitt von wenigen hundert Metern Länge, sperrt er sich dagegen?

«Man hat uns eiskalt über den Tisch gezogen», sagt Müller. Denn das Vorhaben, das offenbar erst im letzten Moment aufgegleist wurde, widerspreche allen bisherigen Plänen, welche die Stadt Rorschach, Kanton, Bund und die SBB in den vergangenen zehn Jahren gemeinsam ausgearbeitet hätten.

Das neue, vom Ständerat befürwortete 30-Millionen-Projekt, sei für die Hafenstadt mehr Fluch als Segen. «Es passt städtebaulich nicht ins Konzept und widerspricht der geplanten Entwicklung des Quartiers im Bereich Eisenbahnstrasse mit seinen knappen Platzverhältnissen», sagt Müller. Ein zweiter Schienenstrang mache eine Lärmschutzwand nötig, ist er überzeugt. «Denn er bringt die Züge viel näher an die Häuser. Zudem kann es zu Zugkreuzungen kommen, die viel lauter sind als ein einzelner vorbeifahrender Zug.» Auch, ob es wegen des Projekts zusätzliche Unterführungen brauche, etwa bei der Mariabergstrasse, sei nicht geklärt.

Dort liegen durch den aktuellen Ausbau Goldach-Rorschach Stadt zumindest bald die Ausläufer der Doppelspur. «Der zweite Strang reicht bis etwas nach dem Stadtbahnhof. Durch die Zusammenführung der beiden Spuren per Weiche sind Bauarbeiten bis auf die Höhe Stadthof nötig», sagt Michael Hutter vom Bereich Bau und Entwicklung Rorschach. Deshalb werde die Eisenbahnstrasse während der Bautätigkeiten gesperrt.

Regierungsräte wünschen durchgehende Doppelspur

Ständerat Paul Rechsteiner, der das neue Projekt mit Unterstützung der Verkehrsdirektoren der Ostschweizer Kantone im Stöckli aufs Tapet gebracht hat, ist überzeugt davon, dass auf der Strecke lückenlos zwei Gleise nötig sind. Er argumentierte:

«Mit einer einzigen Spur haben bereits kleine Verspätungen enorme Auswirkungen.»

Besonders im Hinblick auf die Intensivierung der Fernverkehrsverbindung Zürich-München sei eine durchgehende Doppelspur nötig. Das zeige eine Studie der Planungs­region Ost.

Thomas Müller widerspricht: «Der Fahrplan 2035, der einen Viertelstundentakt der S-Bahn und stündliche Fernverkehrsverbindungen nach München vorsieht, ist ohne durchgehende Rorschacher Doppelspur konzipiert.» Zudem hätten die SBB für 25 Millionen Franken die Osteinfahrt des Bahnhofs Rorschach angepasst, damit ihn Fernverkehrszüge schneller passieren können, um die Einzelspur auf der anderen Seite möglichst schnell wieder freizugeben. «Das Einzige, was zum ‹Nadelöhr› geführt hat, war der Stadtbahnhof, wo Züge auf der Einzelspur anhalten. Und das Problem wird mit dem jetzigen Ausbau aus der Welt geschafft.»

Nicht klar, ob nördlich oder südlich

Zwölf Meter breit wird die Doppelspurtrasse zwischen Goldach und dem Stadtbahnhof, laut Information der SBB, werden. Von ungefähr diesen Massen ist wohl auch bei einer Weiterführung bis zum Aussenbahnhof auszugehen. Wo eine allfällige zweite Spur zu liegen käme, steht allerdings in den Sternen. Analog zum aktuellen Projekt ergäbe die Südseite des jetzigen Verlaufs Sinn – das würde heissen, auf der heutigen Eisenbahnstrasse und somit auf dem Boden der Stadt. Offenbar besitzen die SBB aber nördlich der Linie bereits Boden.

Betroffen wären die Anrainer der Eisenbahnstrasse so oder so. Ein Mitarbeiter der Garage Schenkel sagt:

«Aus unserer Sicht ist der Ausbau völlig unnötig. Wenn man den Fahrplan schlau taktet, dann braucht es keine zweite Spur.»

Und ein Restaurantbesitzer an der Eisenbahnstrasse doppelt nach: «Ich weiss nicht, wo hier ein zweiter Schienenstrang Platz haben soll.» Ein Anwohner und Liegenschaftsbesitzer sieht es aber gelassen: «Noch ist nichts beschlossen. Und die heutigen Züge sind ja zum Glück recht leise.»

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