Theater
«Wir wollten trotz der Umstände weiterarbeiten»: Ein Schauspieler bringt im Figurentheater St.Gallen eine schwarze Komödie auf die Bühne

Die Theatergruppe Gioia zeigt am 20. Mai und 21. Mai im Figurentheater St.Gallen das Theaterstück «Der Gott des Gemetzels». Das Ensemble besteht einzig aus Schauspielerinnen und Schauspielern. Mit der Produktion eines Stücks betraten sie Neuland.

Samantha Wanjiru
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Am 20. Mai und 21. Mai tritt die Theatergruppe Gioia das Theaterstück «Der Gott des Gemetzels», im Figurentheater St.Gallen auf.

Am 20. Mai und 21. Mai tritt die Theatergruppe Gioia das Theaterstück «Der Gott des Gemetzels», im Figurentheater St.Gallen auf.

Bild: PD

«Der Lockdown war eine Hiobsbotschaft für uns Schauspieler», sagt Nicola Graf. Während des Lockdowns entschied sich der 35-jährige Schauspieler daher mit Schauspielkollegen, das Theaterstück «Der Gott des Gemetzels» zu inszenieren. Die Produktion stellte sich als aufwendig heraus. Doch nun kommt das Stück am 20. Mai und 21. Mai im Figurentheater St. Gallen auf die Bühne.

Der Schauspieler Nicola Graf produziert das Theaterstück «Der Gott des Gemetzels».

Der Schauspieler Nicola Graf produziert das Theaterstück «Der Gott des Gemetzels».

Bild: Patricia Harder

Als die Coronapandemie ihren Höhepunkt erreichte, stand die Filme- und Theaterwelt erst einmal für lange Zeit still. «Diese Zeit war sehr schwer für mich. Aufträge wurden abgesagt und keiner konnte uns Schauspielern sagen, ob und wie es weitergeht», sagt Graf. Trotz der schwierigen Umstände habe er sich dazu entschieden, sein Schicksal in eigene Hände zu nehmen. Er gründete mit Schauspielkollegen die Theatergruppe Gioia. «Wir wollten trotz der Umstände weiter arbeiten. So kamen wir zu der Idee, das Theaterstück ‹Gott des Gemetzels› zu inszenieren», sagt Graf.

Die Theatergruppe Gioia besteht aus den Schauspielerinnen Laura Farisè und Rhea Careddu und den Schauspielern Yannick Mulle sowie Nicola Graf. «Wir kennen uns alle aus der Schulzeit am der European Film Actor School», sagt Graf. Als Regisseur für das Theaterstück holte die Gruppe Peter Holliger mit ins Boot, ihren ehemaligen Lehrer. Gemeinsam machten sie sich Ende 2021 an die Arbeit, um die Inszenierung des Stücks in die Realität umzusetzen.

Eine für die Gruppe aufwendige Produktion

Nicola Graf übernahm den grössten Teil der Produktion selbst in die Hand. Seine schauspielerische Ausbildung hat er im Jahr 2020 an der European Film Actor School in Zürich abgeschlossen. Der gebürtige Flawiler begeisterte sich für die Schauspielkunst, nachdem er in Los Angeles einen Sprachaufenthalt absolvierte. «In L.A. hatte ich die Möglichkeit, an einem Schauspielkurs teilzunehmen. Danach war für mich klar: Das ist mein Karriereweg.» Seitdem spielte der 35-Jährige in verschiedenen Theater- und Filmproduktionen mit.

Der Schauspieler hatte keine Vorerfahrung mit der Produktion von Theaterstücken. «Als Schauspieler lernt man praktisch nichts über die Produktionsarbeit hinter solch einem Theaterstück. Ich musste also alles von Grund auf selbst recherchieren und erarbeiten. Das war ein nervenaufreibendes Unterfangen», sagt Graf. Besonders schwierig war die Sponsorensuche. «Wir haben rund 17 Stiftungen angeschrieben. Die Hälfte gab uns eine Absage, von der anderen Hälfte haben wir bis heute nicht gehört.» Die Produktionskosten tragen die Mitglieder der Theatergruppe bisher selbst.

Bei der Vorbereitung auf die einzelnen Rollen mussten die Schauspielkollegen erfinderisch werden. So fand der sogenannte «Table Read», das Verlesen des Drehbuchs, über Zoom statt. «Durch die Massnahmen war es uns nicht erlaubt, uns persönlich zu treffen. Wir haben daher viel online miteinander kommuniziert», sagt Graf. Der Aufwand für das Stück habe sich am Schluss aber gelohnt. «Wir sind wirklich stolz darauf, was wir mit wenigen Ressourcen auf die Beine gestellt haben.»

Eine Mischung aus Humor, Tragik und Realismus

Das Theaterstück «Der Gott des Gemetzels» wurde 2006 von der französischen Schriftstellerin Yasmina Reza geschrieben. 2011 wurde das Stück vom Filmemacher Roman Polanski verfilmt. In der Geschichte geht es um zwei Ehepaare, die sich nach einer Rauferei ihrer Kinder treffen um den Konflikt zu lösen.

«Wir haben uns für dieses Stück entschieden, weil die Geschichte simpel, aber aufregend ist und der Inszenierung viel Freiheit lässt», sagt Graf. So werden gesellschaftskritische Themen wie Hierarchien, Beziehungsdynamiken und Konfliktregelung in einer humorvollen Art und Weise dargestellt. «Es ist ein Schauspiel, das Humor, Tragik und Realismus vermischt. Die Zuschauer dürfen sich auf spannende Wendungen und Überraschungen freuen», sagt Graf.

Tickets für die Aufführung am 20. und 21. Mai im Figurentheater St.Gallen gibt es online auf www.eventfrog.ch oder an der Abendkasse.

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