SPIRITUOSEN
The Last Barrel: Der St.Galler Rum, der sich eigentlich gar nicht so bezeichnen darf

Martin Angehrn aus Engelburg hat sich nebst der Förderung von Start-ups auch der Schnapsherstellung gewidmet. Aufgrund einer gewissen Zutat darf sich die Spirituose nicht Rum nennen.

Ambra Elia
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Martin Angehrn stellt seit 2014 Spirituosen namens The Last Barrel her.

Martin Angehrn stellt seit 2014 Spirituosen namens The Last Barrel her.

Ralph Ribi

Ein regionales Genussprodukt auf den Markt bringen, das es noch nicht gibt: Diese Vision hatte der Engelburger Martin Angehrn. Er wollte etwas Neues entwickeln, das aber gleichzeitig nicht «an den Haaren herbeigezogen» ist.

Geplant war ursprünglich, einen Schweizer Gin herzustellen. «Damals gab es schon rund 60 Schweizer Gins, da brauchte es den 61. bestimmt nicht auch noch», sagt Angehrn. Auch Whisky habe es schon zur Genüge gegeben.

Wie The Last Barrel entstanden ist

Was es aber noch nicht gab, war Schweizer «Rum», insbesondere keinen aus Zuckerrüben. Dadurch ist die Idee für The Last Barrel entstanden – ein «Rum», der sich nicht so nennen darf, weil er aus Zuckerrüben anstelle von Zuckerrohr hergestellt wird. Angehrn sagt: «Ich hoffe, dass die Zuckerrübe irgendwann als zugelassener Rohstoff für Rum deklariert wird.»

«Es ging darum, aus einem Ostschweizer Rohprodukt etwas entstehen zu lassen», sagt Angehrn. Die Zuckerrübe eignete sich dafür, weil sie auch im Thurgau angepflanzt wird.

Die Zusammensetzung der Crew

Als Angehrn 2014 die Idee für The Last Barrel kam, arbeitete er noch Vollzeit im Familienunternehmen Cash + Carry Angehrn. Deshalb konnte er sich seinem neuen Projekt anfangs nur in seiner Freizeit widmen. Es mussten Partner mit Ressourcen und Vermarktungskompetenzen her.

Da kam Dieter Messmer an Bord. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Glen Fahrn in Mörschwil und kennt sich mit Spirituosen aus. Er ist heute der «Käpt'n» der Last-Barrel-Crew.

Zusammen haben sie sich gefragt, wer ein passender Produzent für The Last Barrel sein könnte. Das Schnapsbrennen kann man laut Angehrn nicht von heute auf morgen erlernen: «Das ist nicht so einfach wie zu Hause in der Badewanne Bier herzustellen.»

Angehrn und Messmer wollten sich deshalb mit einem Profi verbinden. Die Wahl ist auf Ruedi Kobelt von der Mosterei Kobelt in Marbach gefallen. Auch für ihn sei das Brennen von Zuckerrüben Neuland gewesen. Er hat Probebrände aus Zuckerrüben-Melasse und Zuckerrüben-Dicksaft hergestellt.

Dicksaft nennt sich der Zuckersirup, bevor er fertig gereinigt und auskristallisiert wird. Die Melasse hingegen ist das Nebenprodukt, welches bei der Zuckerproduktion übrig bleibt. Bei den Probebränden habe sich herausgestellt, dass die Produktion mit der Melasse nicht funktioniert. «Es entstehen erdige Aromen, die man nicht wegbringt», sagt Angehrn.

Aus diesem Grund wird The Last Barrel mit Dicksaft hergestellt und gehört zur Sorte Rhum Agricole. Im Geschmack ist er laut Angehrn deshalb feiner, frischer und fruchtiger als Rum aus Melasse.

Die neueste Kreation von Angehrn

Kürzlich hat Angehrn den Spiritus Sangallensis auf den Markt gebracht. Eine Special Edition, die er zusammen mit dem Master of Wine Philipp Schwander entwickelt hat. Schwander hat ebenfalls St.Galler Wurzeln. Die beiden kennen sich laut Angehrn schon seit der Kantonsschule. Das Produkt muss gut angekommen sein, da es in kurzer Zeit ausverkauft war.

Distisuisse prämiert alle zwei Jahre die besten Schweizer Spirituosen. The Last Barrel hat 2020 zum ersten Mal bei der Prämierung mitgemacht. Das Ergebnis: vier Flaschen auf dem Podest. Die Sorten Last Barrel Single Cask No. 3 sowie Last Barrel White wurden mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Last Barrel Single Cask No. 2 gewann die Goldmedaille und Last Barrel Gold wurde zum Sieger der Kategorie Diverses. «Das war für uns eine zusätzliche Bestätigung, dass wir ein gutes Produkt herstellen», sagt Angehrn.

Schnapshersteller und Start-up-Förderer

Bevor sich Angehrn der Herstellung von Spirituosen widmete, war er 25 Jahre zusammen mit seinem Bruder Geschäftsführer des Familienunternehmens Cash+Carry Angehrn. Seit 2018 ist er hauptsächlich als Investor und Coach für Start-ups tätig.