Thal
Thals Gemeindepräsident Felix Wüst tritt zurück: Der Gemeinderat bestätigt Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit

Im November 2019 wurde Felix Wüst zum Nachfolger von Röbi Raths gewählt. Trotz Wiederwahl im September letzten Jahres hat sich der Thaler Gemeindepräsident Felix Wüst nun «nach reiflicher Überlegung im Interesse des Wohlergehens der Gemeinde» zum vorzeitigen Rücktritt per Ende September 2021 entschieden. Der Gemeinderat spricht von unterschiedlichen Ansichten und Auffassungen.

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Der Thaler Gemeindepräsident Felix Wüst tritt überraschend zurück.

Der Thaler Gemeindepräsident Felix Wüst tritt überraschend zurück.

Bild: Jolanda Riedener

(pd/nat/rtl) Per Medienmitteilung gibt der Thaler Gemeindepräsident Felix Wüst seinen vorzeitigen Rücktritt bekannt. «Seit Herbst 2020 ist meine Arbeit als Gemeindepräsident nicht einfacher geworden», schreibt er. Zwar konnte er auf die grosse Unterstützung und Loyalität der Verwaltung zählen. Doch die Zusammenarbeit im Gemeinderat sei zunehmend schwieriger geworden.

«Die von Felix Wüst angesprochene schwierige Zusammenarbeit im Gemeinderat ergab sich, da die Meinungen zwischen Felix Wüst und allen übrigen Ratsmitgliedern deutlich auseinandergehen, was seine Amtsausführung betrifft», schreibt der Gemeinderat heute Morgen in seiner Stellungnahme. Die unterschiedlichen Ansichten und Auffassungen hätten trotz mehrfacher, eingehender Aussprachen nicht beseitigt werden können. Die Ratsmitglieder Miriam Salvisberg, Sandra Bischof, Werner Reifler, Susanne Looser, Ernst Höchner und Beat Bosshart würden den Rücktritt von Felix Wüst akzeptieren und dankten ihm für die geleistete Arbeit.

«Zusätzlich sind anonyme Kreise in den letzten Tagen nicht davor zurückgeschreckt, mit unberechtigten Unterstellungen gegenüber Dritten und den Medien meine Person zu verunglimpfen.»

Im Schreiben, das der Redaktion vorliegt, heisst es unter anderem, dass der Gemeindepräsident keine Führungsqualitäten hat, die Abläufe noch nicht kennt und Angst vor der Bürgerversammlung hat. Felix Wüst will sich auf Anfrage zu den Inhalten nicht näher äussern. «Woher dieses anonyme Schreiben kommt, ist mir schon klar, doch nicht beweisbar.» Wenn es zu einer Schlammschlacht komme, dann gebe es viele Sachen die er, beziehungsweise sein Anwalt, präsentieren könnten.

Situation beeinträchtigt Gesundheit

Wüst räumt ein, dass ihm die Situation gesundheitlich zu schaffen macht. «Wenn man nicht mehr schlafen kann und ständig diesen Sachen nachstudiert, dann ist es an der Zeit sich zu fragen, ob es tatsächlich das Richtige ist, was man tut.» Dieser Situation wolle er sich nicht weiter aussetzen. «Ich will durch ergänzende Aussagen auch keine weiteren Diskussionen und Spekulationen über die entstandenen Unstimmigkeiten in Gang setzen. Auch das ist nicht im Interesse der Gemeinde Thal.»

Interesse der Gemeinde bis Ende September vertreten

Aufgrund der Coronapandemie musste auch in Thal die Bürgerversammlung erneut abgesagt und stattdessen eine Urnenabstimmung durchgeführt werden. «Das vereinfacht den Kontakt zur Bevölkerung leider nicht, was ich sehr bedaure», schreibt Felix Wüst in seiner Mitteilung und entkräftet so den Vorwurf, die Bürgerversammlung gar nicht leiten zu wollen. Im Gegenteil seien doch diese fehlenden Kontakte zur Bevölkerung mit ein Grund für seinen Rücktritt.

Felix Wüst versichert, die Interessen der Gemeinde bis zu seinem Ausscheiden im Herbst weiterhin zu verfolgen und zu vertreten. Mit dem von ihm bewusst gewählten geordneten Rücktritt bestehe die Möglichkeit einer sorgfältigen Wahl der Nachfolgerin oder des Nachfolgers. Der Nochgemeindepräsident betont: «Ich danke der Bevölkerung der Gemeinde Thal für das Vertrauen und das Verständnis für meinen Schritt.»

Gemeinderat kündigt gemeinsame Erklärung an

Die angefragten Thaler Gemeinderätinnen und Gemeinderäte wollen sich nicht einzeln zum Vorwurf des Gemeindepräsidenten äussern, die Zusammenarbeit im Gemeinderat sei zunehmend schwieriger geworden. Sie verweisen vielmehr auf eine gemeinsam verfasste Medienmitteilung. Diese werde aber vermutlich erst heute Mittwochvormittag versandt, da einige der Gemeinderäte in den Ferien seien und eine Kommunikation entsprechend schwierig sei.

780 Stimmen gingen im November 2019 an Felix Wüst, der mittlerweile parteilose Werner Reifler erhielt 770. Der Wahlkampf im kommenden Herbst verspricht, spannend zu werden.

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