Thal
Nach Rücktritt von Thals Gemeindepräsident Felix Wüst: FDP distanziert sich von anonymen Schreiben und fordert Aufklärung durch GPK

Am Dienstag hat Felix Wüst mitgeteilt, dass er vom Amt als Gemeindepräsident der politischen Gemeinde Thal per Ende September zurücktritt. Bei der FDP-Kantonalpartei bedauert man die Entwicklung um ihren Amtsträger. Die Vorgänge im Gemeinderat müssten nun durch die Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde untersucht werden.

Rudolf Hirtl
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Im Thaler Rathaus rumort es, nachdem Gemeindepräsident Felix Wüst seinen Rücktritt bekanntgegeben hat.

Im Thaler Rathaus rumort es, nachdem Gemeindepräsident Felix Wüst seinen Rücktritt bekanntgegeben hat.

Bild: Jolanda Riedener

Mit ein Grund für seinen Rücktritt ist laut Felix Wüst neben dem anonymen Schreiben, in dem seine Amtsführung kritisiert wird, dass die Zusammenarbeit im Gemeinderat zunehmend schwieriger geworden sei. Die Gemeinderätinnen Miriam Salvisberg (CVP), Sandra Bischof und Susanne Looser (beide parteilos) sowie die Gemeinderäte Ernst Höchner (FDP), Beat Bosshart (SP) und Werner Reifler (parteilos) bestätigen in ihrer gemeinsamen Erklärung von Mittwochvormittag die von Felix Wüst angesprochenen Differenzen.

Diese hätten sich ergeben, da die Meinungen zwischen dem Gemeindepräsidenten und den übrigen Ratsmitgliedern deutlich auseinandergingen, was die Amtsausführung betreffe. «Die unterschiedlichen Ansichten und Auffassungen konnten trotz mehrfacher, eingehender Aussprachen nicht beseitigt werden. Die Ratsmitglieder akzeptieren den Rücktritt von Felix Wüst.»

Felix Wüst, Gemeindepräsident Thal.

Felix Wüst, Gemeindepräsident Thal.

Bild: Christof Sonderegger
«Wenn ein Parteimitglied in einer schwierigen Situation steckt, dann wollen und müssen wir diesem helfen»,

sagt FDP-Kantonalpräsident und Kantonsrat Raphael Frei. Die Unstimmigkeiten zwischen Felix Wüst und dem restlichen Gemeinderat seien allerdings nicht bis zur Kantonalpartei durchgedrungen.

Der Rücktritt war in der Ortspartei kein Thema

Da FDP-Ortsparteipräsident Ernst Höchner selbst Mitglied des Thaler Gemeinderates ist, kann er sich aufgrund des Amtsgeheimnisses nicht näher zu den Abläufen rund um den Rücktritt des Gemeindepräsidenten äussern. Auskunft erteilt an seiner Stelle der Vizepräsident der Ortspartei, Peter Hensel. «Der Vorstand ist am Montag zusammengesessen und hat darüber diskutiert, wie er mit dem anonymen Schreiben umgeht», sagt er und betont, dass ein Rücktritt des Gemeindepräsidenten an dieser Sitzung aufgrund von fehlenden sachlichen Informationen kein Thema gewesen sei. Felix Wüst habe der Vorstandssitzung auch nicht beigewohnt.

FDP-Vorstand hatte keine Kenntnisse von der Entwicklung im Rat

Peter Hensel, Vizepräsident FDP Thal.

Peter Hensel, Vizepräsident FDP Thal.

Bild: PD

«Zu diesem anonymen Brief wollen und können wir keine Stellung nehmen. Wir wissen ja auch nicht, wer der Absender ist», sagt Peter Hensel. Im Vorstand der FDP Thal seien auch Leute tätig, die weder Behördenmitglieder seien noch in der Gemeindeverwaltung arbeiten würden. Ergo habe der Vorstand auch keine detaillierten Kenntnisse über die Entwicklung im Gemeinderat. «Wir nehmen die Kündigung entgegen, kommen zusammen und analysieren die Geschehnisse», sagt Hensel. Ein Gespräch mit Felix Wüst habe seit dessen Bekanntgabe des Rücktrittes nicht stattgefunden. Selbstverständlich würde die gute Arbeit von Felix Wüst auch noch entsprechend verdankt.

FDP-Kantonalpartei fordert Untersuchung durch die GPK

«Wir nehmen den Rücktritt von Felix Wüst mit grossem Bedauern zur Kenntnis», sagt Sven Bradke, Vizepräsident der FDP-Kantonalpartei. Bradke erinnert an die knappe Wahl von Wüst, weil zwei Mitbewerber aus der gleichen Partei gegen ihn angetreten seien. Was eine schwierige Ausgangslage gewesen sei, weil insbesondere einer davon heute Mitglied des Gemeinderates sei. Bradke sagt:

«Ohne die Details zu kennen, glaube ich, dass die Opposition im Gemeinderat noch untersucht werden muss.»
Sven Bradke, Vizepräsident FDP Kanton St.Gallen.

Sven Bradke, Vizepräsident FDP Kanton St.Gallen.

Bild: PD

Der Gemeindepräsident sei an das Amtsgeheimnis gebunden. Daher stehe nun die GPK der Gemeinde Thal in der Pflicht, die Vorkommnisse im Gemeinderat zu untersuchen und aufzuklären. Es müsse nun geklärt werden, ob im Sinne der Gemeinde gehandelt wurde, oder ob es persönliche Differenzen gegeben habe. Die Frage, ob die richtige Person zurückgetreten sei, müsse man sich auch stellen. «Wenn das eine orchestrierte Opposition im Rat war, um Neuwahlen zu erzwingen, dann hätte dies einen sehr fahlen Beigeschmack», so Sven Bradke. Egal, wie die Wahl ausgegangen sei, ein Gemeinderat sei dafür da, zusammenzuarbeiten und die Gemeinde nach vorne zu bringen. «Da ist Solidarität und Kooperation erforderlich und nicht Opposition.» Soweit es gehe, werde die Kantonalpartei Felix Wüst nun beraten und ihm auch moralisch zur Seite stehen, zumal der Rücktritt für ihn als Mensch sehr einschneidend sei.

Der angesprochene Gemeinderat Werner Reifler distanziert sich von den Mutmassungen der FDP. Er nimmt dazu nicht weiter Stellung und verweist auf die gemeinsame Mitteilung des Gemeinderates zum Rücktritt von Felix Wüst. «Der Gemeinderat trifft sich am Montag zu seiner Sitzung. Wir werden dabei das weitere Vorgehen nach der Bekanntgabe des Rücktrittes von Felix Wüst besprechen», sagt Gemeinderätin Miriam Salvisberg. Thals GPK-Präsident Martin Knöpfel war für eine Stellungnahme bis anhin nicht zu erreichen.