TCS-Regionalgruppe steht der Sanierung der Stadtautobahn skeptisch gegenüber: Schon heute werde die Zürcher Strasse als Ausweichroute missbraucht

Die TCS-Regionalgruppe schaut skeptisch auf die bevorstehende Sanierung der Stadtautobahn.

Marion Loher
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Die Zürcher Strasse wird bei Stau auf der Autobahn als Ausweichroute genutzt.

Die Zürcher Strasse wird bei Stau auf der Autobahn als Ausweichroute genutzt.

Bild: Michel Canonica (11. März 2020)

Die 93. Hauptversammlung der TCS-Regionalgruppe St.Gallen und Umgebung könnte für deren Präsidenten die letzte gewesen sein. Wie Marcel Aebischer verriet, kandidiert er für das Präsidium der TCS-Sektion St.Gallen-Appenzell Innerrhoden und möchte somit Nachfolger von Luigi Rossi werden. Dieser hat auf die Delegiertenversammlung von kommendem Mai seinen Rücktritt angekündigt. «Nach 16 Jahren ist es Zeit, Jüngeren Platz zu machen», sagte Rossi.

Luigi Rossi

Luigi Rossi

Bild: Ralph Ribi

Noch aber ist es nicht soweit. Noch ist Aebischer Präsident der Touring-Club-Regionalgruppe und als solcher berichtete er den Vereinsmitgliedern am Dienstagabend, was die Regionalgruppe gerade beschäftigt. Zum einen ist es die Engpassbeseitigung auf der Stadtautobahn als «Jahrhundertprojekt», zum anderen die bevorstehende Sanierung der Stadtautobahn.

Kritik am Stadtrat

Das Bundesamt für Strassen erneuert zwischen 2021 und 2026 für rund 500 Millionen Franken die Autobahn zwischen Winkeln und Neudorf inklusive der Anschlüsse Kreuzbleiche und St.Fiden. Seit Sommer 2018 laufen die ersten Vorarbeiten, voraussichtlich Anfang 2021 beginnen die Hauptarbeiten. «Da die Kapazitätsgrenze der Stadtautobahn zu den Spitzenzeiten am Morgen und Abend schon jetzt erreicht ist oder gar leicht überschritten wird, sind Verkehrseinschränkungen während der Sanierung unvermeidbar», sagte Aebischer.

Vor diesem Hintergrund könne er nicht verstehen, dass die Stadt zeitgleich zur Instandstellung der Stadtautobahn diverse Strassenbauprojekte umsetzt, kritisierte der Präsident. Dies dürfte zu zusätzlichen Kapazitätsengpässen auf Stadtgebiet führen. Als Beispiel nannte er die Strassenraumgestaltung auf der Zürcher Strasse, die bei Stau auf der Autobahn bereits heute als erste Umfahrungsstrasse «missbraucht» werde.

In ÖV und Langsamverkehr investieren

Stadtpräsident Thomas Scheitlin entgegnete der Kritik sogleich in seinem «Grusswort»: Bei der Zürcher Strasse wollte die Stadt eigentlich rechtzeitig parat sein. «Doch manchmal braucht es nur einen Einsprecher und wir sind wieder hinter dem Fahrplan.»

Die Sanierung der Stadtautobahn und der anschliessende Bau der dritten Röhre werden die St.Gallerinnen und St.Galler über Jahre auf eine harte Geduldsprobe stellen. «Der Leidensdruck wird steigen», sagte Aebischer.

Damit die Leistungsfähigkeit der Stadtautobahn auch während der Bauarbeiten erhalten bleibe, müsse der Verkehr zu Stosszeiten um zehn Prozent reduziert werden. «Das bedeutet nichts anderes, als dass mindestens zehn Prozent von uns den Arbeitsweg anders absolvieren müssen als bisher mit dem Auto über die Stadtautobahn.» Umso wichtiger sei es, künftig verstärkt in ein «ganzheitliches und nachhaltiges» Verkehrsnetz zu investieren.

Der TCS als «umfassender Mobilitätsclub» engagiert sich deshalb nicht nur für den motorisierten Individualverkehr, sondern auch für andere Verkehrsträger. «Massnahmen zu Gunsten des ÖV und des Langsamverkehrs bringen uns die dringend benötigten Kapazitäten auf der Strasse zurück und können den Strassenraum insgesamt wesentlich entlasten», sagte Aebischer.

«Verlangt werden in Zukunft intelligente urbane Verkehrssysteme, wo auch wir unseren Platz haben.»

Zahlreiche Absagen wegen Corona-Virus

Die aktuell angespannte gesundheitliche Situation schlug sich auch in der Teilnehmerzahl nieder. «Es gab viele Absagen», sagte Aebischer. «Gerademal» 83 Mitglieder kamen, vergangenes Jahr waren es noch 135 Personen. Die statutarischen Traktanden sorgten für keine Diskussionen, Rechnung und Budget wurden genehmigt.

Der Vorstand und der Präsident wurden für vier weitere Jahre in ihrem Amt bestätigt, die 27 Delegierten und 6 Ersatzdelegierten ebenfalls.