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Die Verkehrsplanung der VBSG ist komplex - ein Einblick in die Betriebszentrale

Gegen 70000 Personen fahren täglich mit den Bussen der VBSG. Hohe Ansprüche haben nicht nur die Passagiere. In der Betriebszentrale an der Steinachstrasse zeigt sich, wie komplex die Planung ist.
Corinne Allenspach
Stefan Zuberbühler koordiniert als Fahrdienstleiter. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Zuberbühler koordiniert als Fahrdienstleiter. (Bild: Benjamin Manser)

Ralf Eigenmann stutzt. «Was ist mit unseren Verkehrskameras los?», will der Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St. Gallen VBSG mit Blick auf die schwarzen Bildschirme wissen. «Die laufen nicht. Der Server ist ausgefallen», sagt Fahrdienstleiter Stefan Zuberbühler. Machen lässt sich da gar nichts, denn die VBSG haben keine eigenen Kameras, sie sind angehängt an jene von Polizei und Tiefbauamt. So lässt sich in der Betriebszentrale an der Steinachstrasse 42 jederzeit erkennen, wenn es an neuralgischen Stellen wie Marktplatz oder Bahnhof Probleme gibt.

Parkieren vergleichbar mit Tetris spielen

Doch in den Sommerferien ist es meist sehr ruhig. Rund ein Dutzend Computerbildschirme flimmern im Büro des Fahrdienstleiters. Stefan Zuberbühler arbeitet seit elf Jahren bei den VBSG. Hauptsächlich als Chauffeur, zeitweise als Fahrdienstleiter. Als solcher beantwortet er Funksprüche von Chauffeuren, ruft den Baudienst, wenn eine Fahrleitung kaputt ist oder koordiniert den Einsatz von Ersatzbussen. Kurz: Der Fahrdienstleiter ist verantwortlich für einen reibungslosen Busbetrieb. Zuberbühler weiss genau, wo sich jeder Bus befindet. Auf einem Bildschirm leuchten zwei rote Rechtecke. Zeichen dafür, dass zwei Busse zu früh unterwegs sind. «Eine Todsünde», sagt VBSG-Chef Ralf Eigenmann. «Die Leute regen sich viel mehr auf, wenn ein Bus zu früh fährt als zu spät.»

Häufig lassen Fahrgäste im Bus etwas liegen. Stefan Zuberbühler schmunzelt. Er hat nebst Schlüsseln, Taschen, Schirmen und Medikamenten auch Skurriles entdeckt. «Einmal hat jemand seinen Rollator vergessen.» Kürzlich half die VBSG sogar bei der Personenfahndung. «Wir mussten einen dementen Bewohner eines Pflegeheims suchen», sagt Ralf Eigenmann. Die Polizei habe wissen wollen, wann er in welchen Bus ein- und ausgestiegen sei. Gefunden wurde der Mann schliesslich im Toggenburg. Er war also zusätzlich mit dem Postauto gereist.

Das Büro des Fahrdienstleiters ist nur einer von unzähligen Räumen der Betriebszentrale, gemeinhin Busdepot genannt. 77 Busse zählt die VBSG-Flotte aktuell. Neun Zwölf-Meter-Busse und fünf Anhänger kommen auf den Fahrplanwechsel im Dezember hinzu. Im Moment macht das Ralf Eigenmann noch ziemlich Bauchweh. «Ich habe schlicht keine Ahnung, wie wir die neuen Busse im Depot unterbringen sollen. Wir müssen unbedingt einen zusätzlichen Unterstand finden.» Schon jetzt seien die Platzverhältnisse prekär und das allabendliche Parkieren eine «Zirklete», oder wie es Stefan Zuberbühler formuliert: «Es ist wie Tetris spielen.»

Früher gab’s eine Schlange bis zum Theater

Seit 2013 können die Busse immerhin über die neue Rampe geradeaus ins Depot fahren. Vorher galt es, zwei 90-Grad-Kurven zu meistern. «Bei Betriebsschluss standen die Busse jeweils bis ins Theater Schlange», erinnert sich Ralf Eigenmann, der die VBSG seit zwölf Jahren leitet. Auftanken an einer hängenden Zapfsäule, waschen (bei Bedarf) und parkieren, das gilt jede Nacht für alle 77 Busse. Ist etwas kaputt, wird der Bus in der Werkstatt inklusive eigener Lackiererei im Erdgeschoss repariert.

Winterpneus stapeln sich

Imposant präsentiert sich das Pneulager. Gummigeruch liegt in der Luft, Hunderte Pneus stapeln sich bis unter die Decke. «Früher hatten wir Ganzjahrespneus», sagt Ralf Eigenmann. Heute werden immer vor der Olma die Winterpneus montiert. Diese halten in der Regel bis in den späten Frühling. Das tönt nach wenig, relativiert sich aber, wenn man weiss, wie viele Kilometer ein Bus im Jahr zurücklegt: durchschnittlich rund 80000. Noch eindrücklicher zeigt sich die Fahrleistung auf der grossen Weltkarte im Pausenraum. Die gefahrenen Kilometer sind wie Flugrouten dargestellt. So schaffen es die Busse jeden Tag einmal bis ins australische Darwin, fünfmal täglich nach Reykjavik oder stündlich nach Rom. Welche Logistik und Koordination dahinter stecken, lässt sich nur erahnen.

2018 ist speziell herausfordernd. «Ab Fahrplanwechsel wird keine Linie mehr sein, wie sie war», sagt Eigenmann. Ein Mitarbeiter ist daher seit Wochen damit beschäftigt, den Fahrplan so zu gestalten, dass die Anschlüsse an den Bahnverkehr gewährleistet sind. Äusserst anspruchsvoll sei aber auch der Einsatz des Personals. Eigenmann weiss: Es gibt beliebtere Schichten und Routen – in der Regel die langen Linien wie die Linie 7 – und unbeliebtere. Hinzu kommt das Arbeitszeitgesetz, das komplexer sei als bei Lastwagenfahrern. So darf ein VBSG-Chauffeur nicht länger als fünf Stunden am Stück am Steuer sitzen, die nächtliche Ruhezeit beträgt im Durchschnitt zwölf Stunden. Gearbeitet wird in drei Schichten, ein Chauffeur ist immer auf Bereitschaft, falls jemand kurzfristig ausfällt. Egal, ob beim Fahrplan oder bei der Diensteinteilung, allen recht machen, könne man es nie, sagt Eigenmann: «Weder intern noch extern.»

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