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Projektionen an Seifenfabriken und Mehrfamilienhäuser: Szenen in dunklen St.Galler Hinterhöfen

Über Ostern werden in den St.Galler Quartieren Lachen und St.Otmar Foto- und Videoarbeiten an Hauswände projiziert. Die dritte Ausgabe der «Stadtprojektionen» öffnet den Blick in verborgene Welten.
Sandro Büchler
Foto- und Filmarbeiten von 15 Kunstschaffenden werden gezeigt. (Bild: Ralph Ribi (28. Oktober 2017))

Foto- und Filmarbeiten von 15 Kunstschaffenden werden gezeigt. (Bild: Ralph Ribi (28. Oktober 2017))

Die Vonwilstrasse im Westen von St.Gallen wird am kommenden Wochenende zur Seidenstrasse. Denn von Donnerstag bis Sonntag werden Bilder der Künstlerin Cécile Hummel an eine grosse Hauswand oberhalb der Gleise projiziert. Hummel reiste im vergangenen Jahr entlang der Seidenstrasse und traf in den iranischen Städten Isfahan, Teheran oder Shiraz nicht nur auf religiöse Prachtbauten. Mit ihrer Kamera hielt sie viel mehr das Einkaufsgewusel der Metropolen fest.

Die iranische Bilderserie ist eine von 15 Projektionen, die dieses Wochenende in den Strassen und Hinterhöfen im Lachen- und St.Otmar-Quartier zu sehen sind. Die «Stadtprojektionen» zeigen zum dritten Mal Foto- und stumme Filmarbeiten von nationalen und internationalen Kunstschaffenden. Dabei werden die Fassaden einer ehemaligen Seifenfabrik, von Mehrfamilienhäusern oder einer alten Fuhrhalterei zur Leinwand.

Ein bunter, grossstädtischer Mix

Nachdem das Festival der Lichtkunst in den vergangenen Jahren in der Altstadt und im Linsebühl-Quartier zu sehen war, rückt nun St. Gallens Westen in den Fokus. Den Initiantinnen Nina Keel und Anna Vetsch gefällt der Ort. Die Lachen sei nicht so herausgeputzt und habe dadurch etwas Grossstädtisches. Keel sagt:

«Das Viertel ist sehr durchmischt, multikulturell. Viele unterschiedliche Menschen leben hier.»

Entlang der Zürcherstrasse reihe sich ein bunter, mitunter schnell wechselnder Mix an Läden und Beizen aneinander. Da treffen Shisha-Bars auf schrille Festkleider, Bratwürste auf Kebab und arabische Spezialitäten werden neben dem Denner feilgeboten. «Das Quartier war für uns eine einzige Entdeckungsreise», sagt Vetsch. Auf der Suche nach geeigneten Fassaden hätten sie so die Eigenheiten, die Mentalität aber auch die Geschichte des Quartiers von einer anderen Seite kennen gelernt. «Die verborgenen Winkel findet man aber nur, wenn man vom gewohnten Pfad abweicht und nicht auf dem schnellsten Weg von A nach B durchs Quartier geht.»

Alltag hinter Gefängnismauern

Die an die Aussenfassaden projizierten Werke ermöglichen den Zusehern eine Sicht in verborgene Welten. Teils skurril, mal poetisch. Einen ungewohnten Blick auf den Alltag wirft der 13-minütige Film von Uriel Orlow.

In «Veilleurs d’images» begleitet der Regisseur einen Gefangenen in einem französischen Hochsicherheitsgefängnis. Dieser digitalisiert eine Sammlung von Reisefotografien eines Herrn Kostioukovsky. Durch die Arbeit erhält der Gefängnisinsasse einen Einblick in dessen Geschichte sowie einen Ausblick in die Welt ausserhalb der Gefängnismauern. Orlows Arbeit wird hinter der Migros zwischen Fenstern an eine Fassade projiziert. «Dadurch erhält das Video ein weiteres Fenster, das innen und aussen miteinander verbindet», beschreibt Keel das Werk.

Die ersten beiden Ausgaben der «Stadtprojektionen» fanden im November 2016 und Oktober 2017 statt. «Im Herbst zieht man sich eher zurück in die eigenen vier Wände», sagt Vetsch. In diesem Jahr fokussieren sie nun auf den April: «Im Frühling wollen alle Leute wieder nach draussen und Neues erkunden.» Den Entdeckergeist wollen die Initiantinnen mit den Projektionen aufgreifen. So lasse sich die Stadt bei einem nächtlichen Streifzug auf eine neue Art und Weise erleben.

Die Projektionen sind vom Donnerstag, 18. April bis Sonntag 21. April, jeweils ab 20 Uhr, zu sehen. www.stadtprojektionen.ch

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