SVP tritt mit einer Frau zu den St.Galler Stadtratswahlen an: Karin Winter-Dubs für die Kampfwahlen vom Herbst nominiert

Seit zwanzig Jahren versucht die SVP in St.Gallen, einen Sitz in der Stadtregierung zu erobern. Bisher ohne Erfolg. Am 27. September will es die Partei nochmals wissen. Und sie schickt mit der 56-jährigen Karin Winter-Dubs erstmals eine Frau ins Rennen um die städtische Exekutive.

Reto Voneschen
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SVP-Stadtratskandidatin Karin Winter-Dubs vor dem Waaghaus.

SVP-Stadtratskandidatin Karin Winter-Dubs vor dem Waaghaus.

Bild: Ralph Ribi (8.6.2020)

Karin Winter-Dubs wird seit Jahren als Stadtratskandidatin gehandelt. Aus beruflichen und familiären Gründen hat sie bisher aber immer auf eine Kandidatur verzichtet. Das ist bei den Wahlen vom Herbst anders: Winter-Dubs tritt an und soll der SVP endlich zu einer Regierungsbeteiligung in der Kantonshauptstadt verhelfen. Sie bewirbt sich für den Stadtrat, nicht aber fürs Stadtpräsidium. Die Parteibasis hat die Kandidatin in einem schriftlichen Verfahren bereits einstimmig nominiert.

Lebenserfahrung, nicht Geschlecht ausschlaggebend

Am Montag stellte die SVP die Kandidatin den Medien vor. Parteipräsident Donat Kuratli und sein Vize Karl Güntzel zeigten sich dabei erfreut über die Kandidatur. Man habe mit Karin Winter-Dubs eine Kandidatin gefunden, die ideal zur SVP passe. Sie habe familiär, beruflich und politisch viel Erfahrung. Sie sei zudem in der Stadt St.Gallen tief verwurzelt. Sie sei mit Jahrgang 1964 «im guten mitteljugendlichen Alter», sagte Karl Güntzel:

«Karin Winter-Dubs ist gut für zwei bis zweieinhalb Amtsdauern; die Altersfrage stellt sich bei ihr - anders als bei anderen Kandidatinnen - daher nicht.»

Das Gesamtpaket und nicht das Geschlecht allein habe bei der Kandidatenkür der SVP den Ausschlag gegeben, hielt der Vize der SVP-Stadtpartei weiter fest. Wobei es das Wahlvolk damit in der Hand habe, am 27. September eine grossmehrheitlich oder - als Schweizer Premiere - sogar ganz weibliche Stadtregierung zu bestellen. Auch wenn der Wahlkampf in der rot-grün dominierten Stadt kein Spaziergang werde, habe Karin Winter-Dubs reelle Chancen, als erste Vertreterin der SVP den Einzug in die Stadtregierung zu schaffen, zeigte sich Karl Güntzel sicher.

Zeit für den nächsten politischen Schritt

Nach elf Jahren im Stadtparlament, davon sieben als Fraktionspräsidentin der SVP, sei die Zeit reif, politisch einen Schritt weiter zu gehen, begründete Karin Winter-Dubs am Montag ihre Kandidatur. Nach Jahren im Parlament und ehrenamtlichem Engagement in verschiedenen Vereinen, wolle sie jetzt neue Verantwortung übernehmen und Mitglied der Stadtregierung werden.

«Es braucht Vereine und ehrenamtliches Engagement. Von uns allen. Und nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten.»

Als Stadträtin wolle sie sich für alle St.Gallerinnen und St.Galler, aber auch für Gewerbetreibende und Unternehmen einsetzen. Sie wolle dabei mitwirken, die Stadt «attraktiver, lebenswerter und sicherer» zu machen. Dazu gehörten bessere Rahmenbedingungen für KMUs, die Unterstützung für Familien, die Stärkung der Vereinsarbeit sowie eine intensivere Präsenz der Polizei in den Quartieren, sagte Karin Winter-Dubs. Dies alles will sie angehen, ohne die Stadtkasse «aus dem Lot» zu bringen.

Auch Familien und Sicherheit im Fokus

Als zweifacher Mutter und ausgeprägtem Familienmenschen lägen ihr die Familien speziell am Herzen, hielt die SVP-Kandidatin am Montag im Waaghaus fest: «Wir brauchen eine Stadt, in der sich Familien wohl fühlen, in der sie situativ unterstützt und Kinder gefördert werden.» Sie setze sich dafür ein, dass Eltern, die ihre Kinder am Mittag selber betreuen wollten, dies tun könnten. Berufstätige Eltern, die das nicht tun könnten, müssten aber auf die Tagesbetreuung zurückgreifen können.

An der Medienorientierung der SVP-Stadtpartei vom Montagvormittag im Waaghaus.

An der Medienorientierung der SVP-Stadtpartei vom Montagvormittag im Waaghaus.

Bild: Ralph Ribi (8.6.2020)

Sicherheit meint für Karin Winter-Dubs zum einen soziale Absicherung für jene, die es dringend nötig haben. Sie müssten aufgefangen und unterstützt, ihnen müssten neue Perspektiven geboten werden. Zum anderen versteht die SVP-Kandidatin unter Sicherheit auch, dass sich «Bürgerinnen und Bürger zu allen Tages- und Nachtzeiten frei in der Stadt bewegen können und sich dabei sicher fühlen».

SVP wechselt die Strategie

Die Kandidatur von Karin Winter-Dubs ist keine Überraschung. Wenn sie wirklich antreten will, muss sie das von ihrem Alter her jetzt tun. Zudem war nach dem miserablen Abschneiden von Michael Götte bei den Regierungswahlen vom Frühling in der Stadt klar, dass eine SVP-Kandidatur wie in früheren Jahren, also mit einem Mann, beim städtischen Wahlvolk wohl von vornherein chancenlos sein würde.

Was allerdings nicht heisst, dass Karin Winter-Dubs auf eine Wahl in die Stadtregierung «im Schlafwagen» hoffen kann. Ihre Aufgabe ist im Gegenteil sehr schwer. Dies zum einen aufgrund des städtischen Trends hin zu Linksgrün. Dies aber auch aufgrund der Konkurrenzsituation: Um den einen vakanten Stadtratssitz bewerben sich Kandidierende der FDP, der CVP, der SVP und vermutlich auch der Grünen.

Pragmatische Politikerin ohne Berührungsängste

Karin Winter-Dubs ist 56 Jahre alt. Sie ist Mutter zweier Kinder und Absolventin der Universität St.Gallen. Sie arbeitet als Lehrerin an der Berufsschule für Kaufleute und Detailhandel (KBZSG) auf der Kreuzbleiche. Sie sitzt für die SVP seit 2009 im St.Galler Stadtparlament; seit 2013 präsidiert sie die SVP-Fraktion.

Sie präsentierten die Wahlziele der Stadtsanktgaller SVP für den Herbst (von links): Stadtparlamentskandidat Thomas Giger, SVP-Vizepräsident Karl Günzel, SVP-Stadtparteipräsident Donat Kuratli und Stadtratskandidatin Karin Winter-Dubs.

Sie präsentierten die Wahlziele der Stadtsanktgaller SVP für den Herbst (von links): Stadtparlamentskandidat Thomas Giger, SVP-Vizepräsident Karl Günzel, SVP-Stadtparteipräsident Donat Kuratli und Stadtratskandidatin Karin Winter-Dubs.

Bild: Ralph Ribi (8.6.2020)

Winter-Dubs vertritt in ihrer Parlamentsarbeit in der Regel keine SVP-Extrempositionen. Sie gilt im Gegenteil als pragmatische Politikerin, die sehr wohl in der Lage ist, Kompromisse übers eigene politische Lager hinaus zu entwickeln und mitzutragen. Wenn es um die Lösung von konkreten Problemen geht, hat sie keine Berührungsängste bei der Zusammenarbeit mit anderen Parteien – auch links der Mitte.