Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Wegen des Supersommers: In der Region Rorschach gibt es kaum Herbstnebel

Sonne statt trübem Regenwetter: In der Region Bodensee blieb der klassische Herbstnebel bis jetzt fast aus. Das hat mit der Trockenheit zu tun.
Andreas Walker
Wegen des tiefen Seepegels ragt das «Nur-für-Schwimmer-Schild» bei der Badi Hörnlibuck komplett aus dem Wasser. (Bild: Andreas Walker)

Wegen des tiefen Seepegels ragt das «Nur-für-Schwimmer-Schild» bei der Badi Hörnlibuck komplett aus dem Wasser. (Bild: Andreas Walker)

Er ist in der Region Rorschach in diesen Wochen des Jahres für gewöhnlich oft zu Gast: der Nebel. Doch anstatt dicker Nebelschwaden, die durch die Gassen der Hafenstadt zogen, herrschte in den vergangenen Tagen und Wochen, mit wenigen, Ausnahmen eitel Sonnenschein.

Nebel-Bedingungen wären gut.

Dass der Oktober viel Sonne bringt, ist an sich kein aussergewöhnliches Phänomen. Schönwetterperioden in dieser Zeit kommen häufig vor und werden von Meteorologen auch als Altweibersommer (s. Box am Ende) bezeichnet. In den Niederungen, wie dem Bodenseegebiet, ist es für gewöhnlich jedoch anders. Von den herbstlichen Schönwetterlagen ist dort häufig herzlich wenig zu spüren, da diese Gebiete zu dieser Jahreszeit oft im Nebel versinken. Gerade dort wo Gewässer vorhanden sind, also auch am Bodensee, ist Morgennebel zur Herbstzeit ein normales Phänomen. Daniel Gerstgrasser, Meteorloge bei Meteo Schweiz, bestätigt dies: «Zurzeit haben wir eine klassische Bisenlage mit wenig Wind, die eigentlich Nebel in tiefen Lagen entstehen lässt.» Das heisst: Es sollte Nebel geben.

Trockenheit führt zu sonnigem Wetter

Dieses Jahr ist es jedoch anders, wie Gerstgrasser sagt: Der extrem trockene Sommer und die weiterhin fehlenden Niederschläge haben dazu geführt, dass die Böden extrem trocken sind und somit weniger Feuchtigkeit an die Luft abgeben. «Und zwar in sehr weitem Umfeld, auch in Gebieten, wo die Luftmassen herkommen.» Diese Trockenheit der Luft verhindert somit die Bildung von Nebel und beschert der Region viele herbstliche Sonnenstunden.

Ein Blick auf die Wetterdaten zeigt folgendes: Am Bodensee regnete es genau am 1. Oktober lediglich gut 5 Liter pro Quadratmeter. Anschliessend blieb es bis heute niederschlagsfrei. Nach Angaben von Meteo Schweiz beträgt der Mittelwert für den Monat Oktober (1981-2010) im Bodenseegebiet aber 71 Liter pro Quadratmeter.

Der Monat ist zu warm

Der Oktober 2018 war bislang zudem 2,2 Grad wärmer als im Vergleich zum langjährigen Mittel. Sollte dies mit den Temperaturanomalien so weitergehen, könnte er am Bodensee als einer der fünf Wärmsten in die Geschichte eingehen.

Das Monatssoll der Sonnenscheindauer mit rund 100 Stunden wurde diese Woche bereits übertroffen. Normal wären für den ganzen Monat am Bodensee 97 Stunden. In Prozent ausgedrückt erreichte der Oktober 2018 bislang 60 Prozent der maximal möglichen Sonnenscheindauer. Der bisherige Rekord stammt aus dem letzten Oktober 2017 mit 151 Stunden.

Der Bodenseepegel sinkt und sinkt

Das warme Sonnenwetter und die Trockenheit wirken sich auf den Seepegel aus. Ein eindrückliches Bild entsteht zum Beispiel im Strandbad Hörnlibuck in Rorschacherberg. Mittlerweile befindet sich das Schild «Nur für Schwimmer» bereits auf dem Trockenen. Der Pegelstand entspricht mit 287 Zentimeter Mitte Oktober ziemlich genau einem durchschnittlichen Minimalpegel, wie er jeweils Ende Februar/Anfang März registriert wird, die Tendenz ist weiter sinkend. Und der Winter, die «Jahreszeit des tiefen Pegels», steht erst noch bevor.

Doch nicht nur auf den See hat die Trockenheit Auswirkungen. Dies Stadt Rorschach musste diese Woche an mehreren Orten Pflanzen bewässern und Grünflächen sprengen. Und der Kanton St. Gallen behält sich laut eigener Mitteilung für kommende Woche ein Feuerverbot in einigen Regionen vor, sollte kein Wetterumschwung eintreten.

Spinnenfäden statt Frauenhaar

Mit dem Begriff «Altweibersommer» ist nicht etwa Sommerwetter für ältere Frauen gemeint. Mit «weiben» wurde im Altdeutschen das Knüpfen von Spinnweben bezeichnet. An klaren Herbsttagen sind die Nächte schon ziemlich kühl, deshalb ist am Morgen der Tau an den Spinnweben sehr gut sichtbar. Diese seltsam glänzenden Spinnenfäden oder «Herbstfäden» erscheinen im Sonnenlicht wie lange, silbergraue Haare. Der Name Altweibersommer bezieht sich also auf die in der Luft treibenden, zarten Fäden von Jungspinnen, die in der milden Herbstsonne glänzen. Die geheimnisvolle Atmosphäre dieser Jahreszeit hat bei den Menschen schon seit Urzeiten fantastische Sagen und Legenden entstehen lassen. Nach der Mythologie sind Schicksalsgöttinnen, die als alte Frauen erscheinen, für diese Fäden verantwortlich. Deshalb glaubte man, dass eine baldige Hochzeit bevorsteht, wenn sich fliegende Spinnfäden im Haar eines jungen Mädchens verfangen hatten. Ebenso betrachtet der alte Volksglauben diese Fäden als Gespinst der Elfen. (awa)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.