Superheld in Goldach: Wie der nur mit einer Hand geborene Michel Fornasier sein Leben meistert

Michel Fornasier ist ohne rechte Hand geboren wurden und macht aus einer Schwäche seine Stärke. In Goldach will er anderen Mut machen.

Ines Biedenkapp
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Kinder fragten Michel Fornasier, ob seine Handprothese über Superkräfte verfüge. (Bild: Getty)

Kinder fragten Michel Fornasier, ob seine Handprothese über Superkräfte verfüge. (Bild: Getty)

Michael Fornasier wurde ohne rechte Hand geboren. Etwas, wofür er sich in seiner Jugend schämte. Was er früher als Schwäche angesehen hat, setzt er heute gezielt als seine Stärke ein. So kämpft der 41-Jährige gegen Mobbing und sensibilisiert Menschen im Umgang mit Behinderung. Am 11. November macht er Halt in Goldach und hält einen Vortrag in der Aula der Oberstufe, der durch die IG Digital organisiert wird.

Hinweis

Der Anlass am 11.November beginnt um 20 Uhr. Eine Voranmeldung ist aufgrund der begrenzten Plätze erwünscht.

«Ich möchte aufzeigen, wie positiv die Digitalisierung für uns Menschen sein kann», sagt Fornasier über den Vortrag. «Oft hört man, dass Digitalisierung Arbeitsplätze gefährde. Aber sie kann uns auch von grossem Nutzen sein.» Hier läge ein schmaler Grad zwischen Faszination und Skepsis, erklärt der gebürtige Freiburger.

15 Prozent der normalen Mobilität

Fornasier selbst lebt mit einer der modernsten Handprothesen, die es zurzeit gibt. «Mit der Prothese habe ich 15 Prozent Mobilität einer normalen menschlichen Hand», sagt er. Zwölf Menschen in der Schweiz tragen eine solche bionische Prothese.

Via App auf seinem Handy kann er 25 Griffmuster wie das Greifen nach einem Trinkglas abrufen. «Einige Griffe kann ich mittels Grip-Chip, der einer kleinen runden Batterie ähnlich sieht, programmieren», sagt Fornasier. Diesen kann er auf verschiedenen Oberflächen, wie zum Beispiel dem Fahrradlenker, anbringen.

«Komme ich in die Nähe meines Fahrrads, kommunizieren Handprothese und Grip-Chip via Bluetooth und aktivieren so den Griff, welchen ich zum Halten des Lenkers benötige.»

Im Kino ist etwa das Klauben von Popcorn nun auch mit seiner rechten Hand möglich.

Über Mobbing sensibilisieren

Bei Kindern ist der Gründer der Stiftung «Give Children a Hand» aber vor allem durch sein Alter-Ego Bionicman bekannt: ein Superheld mit Handicap. «Damit kann ich Kindern mit einer Beeinträchtigung Mut machen», sagt er. «Aber auch auf spielerische Art und Weise über das Thema Behinderung und Mobbing sensibilisieren.»

Auf die Idee kam er durch Kinder. «Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich mit meiner Handprothese über Superkräfte verfüge», sagt er. «Anfangs verneinte ich die Frage, doch irgendwann antwortete ich:

‹Das ist gut möglich.›»

Daraufhin seien die Kinder euphorisch zu ihren Eltern gerannt und hätten von der «Zauberhand» erzählt, sagt er amüsiert.

Mit dem befreundeten Comic-Zeichner David Boller, der über 25 Jahre in den USA für die berühmten Verlagshäuser Marvel und DC Comics zeichnete, begann Fornasier sich Geschichten auszudenken. Vor kurzem erschien ihr zweites Comicbuch. Die Abenteuer sind gewaltfrei und handeln von realen Personen. «Das gibt den Geschichten einen ganz besonderen Content», sagt Fornasier.

Ein Wunscharm aus dem Drucker

Doch nicht nur mit Comics macht er Mut. «Heute ist es möglich mit 3D-Druckern innovative Prothesen für Kinder zu entwickeln», sagt Fornasier. Damit könne man gezielt auf die Wünsche der Kinder eingehen. «Neulich haben wir einem Jungen eine Handprothese gedruckt, die unbedingt Hulk-Grün sein musste», sagt Fornasier. «Als wir dann noch Leuchtelemente in die Finger einbauten, war die Überraschung perfekt.»

Das Thema Digitalisierung bewegt

Die IG Digital ist ein noch junger Verein aus Goldach. «Wir sind frisch gestartet», sagt Rolf Deubelbeiss, Präsident der IG Digital. «Bisher sind wir immer positiv überrascht worden, wie gut unsere Veranstaltungen ankommen.» So wurde der Anlass über Social Media etwa gleich zweimal durchgeführt, da die Nachfrage so gross war. Eine ähnliche Rückmeldung gab es auch von den anderen beiden Veranstaltungen, die in diesem Jahr stattfanden.

«Mit dem Vortrag von Michel Fornasier wollen wir dieses Mal ein breiteres Publikum ansprechen», sagt Deubelbeiss. Durch ein Vorstandsmitglied seien sie auf den Bionicman gekommen. Ursprünglich war geplant, zwei bis drei Anlässe im Jahr durchzuführen. «Auch sind wir kein Digitalisierungstourbus, sondern wollen ehrlich über das Thema reden», sagt Deubelbeiss. Für das kommende Jahr hat der Verein noch keine Anlässe geplant. «Wir wollen tagesaktuell sein», sagt der Präsident. So könne man mit den Anlässen auch gezielt auf aktuelle Themen eingehen. (ibi)

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