Wie ein Goldacher Pionier die perfekte Marroni finden will

In der Region am See hat Filipp Fässler über 400 Marronibäume gepflanzt. Einen Teil davon hat er mittlerweile wieder entfernt und durch eine französische Sorte ersetzt. Sollte auch die Bouche de Betizac die Vorgaben nicht erfüllen, droht ihr das selbe Schicksal, denn die Abnehmer und Weiterverarbeiter stellen hohe Ansprüche an den Produzenten.

Rudolf Hirtl
Drucken
Teilen
Die über 150 Marronibäume auf der Bleichi in Rorschacherberg stehen in voller Blüte; sie haben sich prächtig entwickelt.

Die über 150 Marronibäume auf der Bleichi in Rorschacherberg stehen in voller Blüte; sie haben sich prächtig entwickelt.

Bild: Rudolf Hirtl

Die weissen Fruchtstände wiegen sich sanft im Wind. Für die umherschwirrenden Hummeln und Bienen sind sie ein Schlaraffenland. Ein Hang im Tessin könnte nicht schöner blühen, als es die Marronibäume derzeit auf der Bleichi in Rorschacherberg tun. Dort hat der Goldacher Filippp Fässler vor vier Jahren Edelkastanien der Sorten Marigoule und Marsol angepflanzt.

Obwohl der Marroni-Pionier mit Kastanienrindenkrebs und anderen Schädlingen zu kämpfen hat, haben sich die Bäume prächtig entwickelt. Umso mehr überrascht es, dass Fässler bis auf wenige Exemplare die beinahe vier Meter hohen Marigoule-Bäume aus dem Marronihain entfernt und durch die Sorte Bouche de Betizac ersetzt hat.

Bienenstöcke im Marronihain garantieren eine optimale Bestäubung.

Bienenstöcke im Marronihain garantieren eine optimale Bestäubung.

Bild: Rudolf Hirtl

Enge Zusammenarbeit mit Abnehmern aus der Region

Filipp Fässler arbeitet schon seit Beginn mit Kurt Filter von der Caviezel Giovanettoni AG in Arbon und Markus Lüssi von der Bichofszell Nahrungsmittel AG zusammen. In deren Firmen werden die künftigen Ernten unter anderem zu Marroni-Joghurt, Vermicelles oder glacierten Marroni verarbeitet, oder sie gehen direkt in die Gastronomie. «Es ist mir ein Anliegen, dass die Marroni den Ansprüchen meiner Abnehmer entsprechen. Die Sorte Marigoule hat sich im Gegensatz zu Marsol als nicht optimal erwiesen, was beispielsweise Schälbarkeit, Festigkeit, Farbe und Geschmack betrifft. Aus diesem Grund versuchen mein Sohn David und ich es nun mit dieser französischen Sorte», sagt Filipp Fässler und ergänzt, dass es zwei Sorten brauche, weil Edelkastanien Fremdbefruchter seien.

Bouche de Betizac sind gemäss Sortenblatt pflegeleicht und erzielen gute Erträge. Ausserdem sind die Früchte dieser Sorte besonders gross, wohlschmeckend und leicht schälbar, was sie für die Weiterverarbeitung interessant macht. Zudem ist sie auch auf Gallwespen resistent.

«Sollte diese Sorte nicht unseren Anforderungen genügen, so werden wir auch sie wieder entfernen und solange andere Sorten anpflanzen, bis wir die perfekte Marroni gefunden haben»,

erklärt Fässler.

Der Goldacher Pionier Filipp Fässler betreibt die grösste Marroniplantage nördlich der Alpen.

Der Goldacher Pionier Filipp Fässler betreibt die grösste Marroniplantage nördlich der Alpen.

Bild: Rudolf Hirtl

Während in Rorschacherberg im vergangenen Jahr bereits die ersten Marroni geerntet werden konnten, sieht es in Buechen, auf dem Gelände nach dem Sportplatz Bützel (100 Bäumchen) und im Weiler Holz in Egnach (200 Bäumchen) weniger erspriesslich aus. Ein Grossteil der dort gepflanzten Bouche de Bétizac und Maraval sind vor Jahresfrist eingegangen, noch bevor sie richtig angewachsen sind. Vor drei Monaten hat Fässler diese Bäume ersetzt, muss nun aber zur Kenntnis nehmen, dass die gelieferten Jungbäume erneut von schlechter Qualität sind. «Es ist wichtig, keine Monokultur zu schaffen, sondern die Marronibäume an verschieden Standorten zu haben. Dies mindert den Schädlings- und Krankheitsdruck», so der Goldacher, der einen Teil der Jungbäume in Buechen und Egnach mit einer bewährten Sorte aus Portugal ersetzen möchte.

Die erst vor drei Monaten gepflanzten Jungbäume sterben grossteils wieder ab.

Die erst vor drei Monaten gepflanzten Jungbäume sterben grossteils wieder ab.

Bild: Rudolf Hirtl

Die Pflege der Bäume ist extrem zeitaufwendig

Neben dem Marronibohrer machen Fässler vor allem Wühlmäuse das Leben schwer. Für die Nager sind die Wurzeln nämlich eine echte Delikatesse. Der Zeitaufwand, um die gefrässigen Gäste fernzuhalten ist denn auch extrem gross. Beinahe täglich ist der Marronibauer auf den Feldern unterwegs, um das Gras tief zu halten und die unterirdischen Gänge einzuräuchern. Fässler hofft auf die Hilfe von Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, um das Problem mit den Mäusen in den Griff zu bekommen.

Der Kastanienrindenkrebs hat sich bisher noch nicht so stark wie befürchtet ausgewirkt. Die Bäume haben neue Leitbahnen um die betroffenen Stellen gebildet und sind in ihrer Entwicklung nicht eingeschränkt. Der Goldacher ist zuversichtlich, dass gegen den Kastanienrindenkrebs ein wirkungsvoller Impfstoff gefunden wird.

Erste Ernte in der Ostschweizer Marroni-Plantage

Vereinzelt sind Edelkastanien auch nördlich der Alpen zu finden. In Rorschacherberg werden Marroni seit zwei Jahren in grösserem Stil angebaut. Filipp Fässler kann nun die Früchte seines Pionierprojektes ernten. Noch sind es erst zehn Kilo, welche die knapp 150 Bäume abwerfen, doch in zehn Jahren dürften es über vier Tonnen sein.
Rudolf Hirtl