Stühle im Kantipark sind angekettet: Randständige halten sich in St.Gallen an die Coronaregeln

Einige Leser beschwerten sich bei der Redaktion, die Coronaregeln würden von Randständigen nicht eingehalten. Das sagt die Stiftung Suchthilfe dazu.

Dinah Hauser
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Nahe beieinander sitzen ist nicht mehr möglich: Wegen der Coronapandemie hat sich die Stiftung Suchthilfe dazu entschlossen, die Stühle im Park der Kantonsschule am Burggraben anzuketten.

Nahe beieinander sitzen ist nicht mehr möglich: Wegen der Coronapandemie hat sich die Stiftung Suchthilfe dazu entschlossen, die Stühle im Park der Kantonsschule am Burggraben anzuketten.

Bild: Urs Jaudas

Die derzeitige Coronapandemie zwingt der Bevölkerung eine bestimmte Abstandsregel von mindestens zwei Metern auf. Einige Leser des «St.Galler Tagblatt» bemängeln nun, dass für gewisse Bevölkerungsgruppen andere Massstäbe gelten. Besonders im Park der Kantonsschule am Burggraben wollen sie Ansammlungen von Randständigen beobachten. «Als die Massnahmen des Bundes noch neu waren, habe es Situationen gegeben, wo zu viele Personen zu nahe beieinander standen», sagt Regine Rust, Geschäftsleiterin der Stiftung Suchthilfe. Mittlerweile seien die Klienten darauf bedacht, die Vorgaben des Bundes einzuhalten.

Regine Rust, Geschäftsleiterin Stiftung Suchthilfe

Regine Rust, Geschäftsleiterin Stiftung Suchthilfe

Bild: PD

«Zudem haben wir in Absprache mit der St.Galler Stadtpolizei die Stühle im Kantipark auseinandergezogen und mit Ketten versehen, sodass die Abstände eingehalten werden.» Die Massnahme sei gut aufgenommen worden. Zudem ermahnten sich die Randständigen nun gegenseitig die Regeln einzuhalten. Rust ergänzt, wer eine Beschwerde bezüglich Ansammlungen von Randständigen habe, dürfe sich bei ihr melden.

Dionys Widmer, Mediensprecher der St.Galler Stadtpolizei, bestätigt, dass zu Beginn der Coronamassnahmen Menschenansammlungen von Randständigen auch bei ihnen ein Thema waren. Zusammen mit der Stiftung Suchthilfe habe die Stadtpolizei die Menschen aber für die aussergewöhnliche Situation sensibilisiert. Seither seien Zwischenfälle ausgeblieben. Die Polizei sei sowieso in ständigem Austausch mit der Suchthilfe. «Man soll ja auch wissen, wenn etwas gut läuft», sagt Widmer.

Zu den Leserbriefen in dieser Zeitung sagt Regine Rust:

«Kritisch sein ist gut. Man soll aber fair beurteilen und nicht an unserem Klientel strengere Massstäbe anlegen.»

Die gesamte Gesellschaft hätte sich erst an die neue Situation gewöhnen müssen.

Für die Randständigen sei die momentane Lage schwierig. Denn viele Menschen hätten zu Hause ein soziales Netzwerk, bei Randständigen sei das jedoch nicht der Fall. Einsamkeit sei ein grosses Problem. «Es ist essenziell für diese Personen, dass sie sich noch draussen treffen können – natürlich mit genügend Abstand», sagt Rust. Die Angebote der Stiftung Suchthilfe seien nun gefragter denn je.

«Wir wollen den Menschen den nötigen Rückhalt geben.»

Wenn jemand nicht mehr erscheint, würden die Mitarbeiter nachschauen. «Wir würden im Fall einer Quarantäne auch Essen und Medikamente liefern», versichert Rust. Ihr Klientel sei auf niederschwellige Angebote angewiesen und könne aufgrund der finanziellen Situation nicht auf kommerzielle Lieferdienste zurückgreifen.