Studenten haben Mehlwürmer im Bauch: An der HSG werden bis Donnerstag Insektenburger serviert

An der Universität St.Gallen werden derzeit Burger aus Mehlwürmern serviert. Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche können Produkte der Micarna degustiert werden.

Marlen Hämmerli
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In der Mensa Sapelli an der HSG servieren Köche noch bis Donnerstag Burger aus Mehlwürmern.

In der Mensa Sapelli an der HSG servieren Köche noch bis Donnerstag Burger aus Mehlwürmern.

Bild: Nik Roth

Studentinnen und Studenten strömen in die Mensa. Die Mägen sind leer, die Köpfe voller Unterrichtsstoff. Alles wie immer – eigentlich, denn am Eingang zur Cafeteria Sapelli stehen zwei Tische. Darauf hat Bernhard Düringer falafelähnliche Bällchen und zwei Saucen angerichtet:

Die Insektenbällchen können wahlweise mit einer scharfen oder süssen Sauce probiert werden.

Die Insektenbällchen können wahlweise mit einer scharfen oder süssen Sauce probiert werden.

Bild: Nik Roth

Zu 17 Prozent bestehen sie aus Mehlwürmern. Der Rest sind Kichererbsen und Gemüse. Düringer ist Leiter Supplied Chain Manager bei Micarna. Der Fleischverarbeitungsbetrieb der Migros hat die Insektenbällchen und Insektenburger entwickelt. Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche kann man die Produkte der Linie «Simply Bugs» bis morgen Donnerstag an der Universität St.Gallen probieren.

Ein Student tritt an den Tisch und greift ohne Hemmungen zur Plastikgabel. Düringer fragt noch kurz, ob er eine Allergie gegen Krustentiere habe, da hat der Student das Insektenbällchen bereits im Mund. Kauend zieht er ein nachdenkliches Gesicht, nickt dann, grinst und sagt: «Gut.» Er sei eigentlich Veganer, da die Fleischproduktion nicht sehr effizient sei. Das ist bei Insektenprodukten anders. Mehlwürmer werden komplett verarbeitet. Beim Rind sind es 40 Prozent und beim Poulet 60 Prozent. Dieses Argument führt Bernhard Düringer immer wieder an, während Studentinnen und Studenten kauen, zustimmend nicken und dann kommentieren: «Das schmeckt gut, wie Falafel.»

Bernhard Düringer ist Leiter Supplied Chain Manager bei Micarna, dem Fleischverarbeiter der Migros.

Bernhard Düringer ist Leiter Supplied Chain Manager bei Micarna, dem Fleischverarbeiter der Migros.

Bild: Nik Roth

Etwa 95 von 100 Personen seien bereit, die Produkte zu probieren, schätzt Düringer. «Die jüngere Zielgruppe ist sehr aufgeschlossen gegenüber Zukunftsprodukten.» Eine Studentin hat bereits den Flyer gelesen und probiert nun ebenfalls die Bällchen. «Dass es Insekten sind, ist mir gleich», sagt sie nach der Degustation. «Ich will sie einfach nicht sehen.» Sie sei einmal an einem Polterabend gewesen zum Thema Horror. Da habe es Mehlwürmer gegeben.

«Aber das hier kann ich mir gut als Fleischersatz vorstellen.»

Derzeit gibt es die Insektenburger und -falafel erst in Deutschland zu kaufen, das könnte sich aber ändern

Bisher verkauft Micarna die «Simply Bugs»-Produkte in Deutschland in den Supermärkten Tegut und Edeka. Bei Tegut gibt es sie erst seit Mitte Januar, doch der Absatz entwickle sich «sehr positiv», sagt Düringer. Micarna ist denn auch bezüglich Einführung in Gesprächen mit der Migros. Gut möglich also, dass «Insektenliebhaber» bald nicht mehr zum Einkaufen über die Grenze müssen. Wobei: «Konkret ist nichts.»

Tatsächlich aber verkaufen sich die Burger und Bällchen aus Insekten so gut, dass der Micarna bereits die Mehlwürmer ausgehen. Diese werden in den Niederlanden gemästet, wo der Verkauf von Insekten als Lebensmittel schon länger erlaubt ist. Doch inzwischen gibt es auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz Insektenbauern. Man sei in Gesprächen mit einem deutschen Insektenproduzenten, sagt Düringer. Der Transportweg ist durchaus ein Thema unter den Studentinnen und Studenten, «wenn es schon um Nachhaltigkeit geht.»

Was ist die Nachhaltigkeitswoche?

Die Nachhaltigkeitswoche gibt es in dieser Form erst seit einem Jahr. Sie ist ein Kooperationsprojekt von Sustainability Week Switzerland und Oikos. Dieses Jahr findet sie erstmals nicht mehr nur an der HSG statt, sondern auch an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen und der Fachhochschule St.Gallen statt.

«Wir wollen aufzuzeigen, dass es nicht schwierig ist, nachhaltig zu leben», sagt Sonja Hasler, Projektleiterin der Sustainability Week St.Gallen. Die Infostände, Workshops und Talks richten sich zwar in erster Linie an Studentinnen und Studenten, aber grundsätzlich ist jeder willkommen.

Auch der Mensaleiter findet, die Burger schmecken gut

In der HSG-Mensa, die von der Migros Ostschweiz betrieben wird, serviert derweil ein Koch «Simply Bugs»-Burger. Mehlwurmgehalt: 30 Prozent. Mensaleiter Michael Remus hat den Burger selbst schon probiert. «Mit einer Sauce schmeckt er ganz gut.»

Michael Remus leitet die Mensa der Universität St.Gallen.

Michael Remus leitet die Mensa der Universität St.Gallen.

Bild: Nik Roth

Die Idee, während der Nachhaltigkeitswoche Insektenprodukte anzubieten, stammt vom Studentenverein Oikos. «Wir sind immer offen für solche Sachen», sagt Remus. Es sei kein Problem, solch fremdartige Produkte anzubieten. «An der Uni sind viele demgegenüber sehr aufgeschlossen. Wenn sich nur schon 300 Leute dafür interessieren, wird es für uns interessant.»

Remus kann sich durchaus vorstellen, die Burger regelmässig anzubieten. Zuerst muss er aber Ende Woche die Verkaufszahlen analysieren. Trotzdem ist es gut möglich, dass Studentinnen und Studenten die Mensa künftig verlassen, die Bäuche voller Würmer.