Umwälzung
Weichenstellung: Acht Gemeinden in der Region am See setzen bei Wasser, Strom und Gas auf eine engere Zusammenarbeit

Die Gemeinden Berg, Goldach, Rheineck, Rorschach, Steinach, Thal, Tübach und Untereggen reagieren auf den Umbruch im Versorgungsbereich und prüfen verschiedene Optionen, um den Schritt in die Zukunft zu schaffen. Auch ein gemeinsames Regio-Werk ist denkbar.

Rudolf Hirtl
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Blick in den Rohrkeller des Trinkwasserreservoirs Witenwald in Goldach.

Blick in den Rohrkeller des Trinkwasserreservoirs Witenwald in Goldach.

Bild: PD

Ein kurzer Dreh am Hahn und schon fliesst Wasser in Trinkqualität, ein Druck auf den Schalter und schon erhellt Licht die heimelige Stube und wenn es wie jetzt zu kalt ist, dann summt im Keller die Gasheizung und sorgt für angenehme, wohlige Wärme.

Wir haben uns derart an diese Bequemlichkeiten gewöhnt, dass wir uns kaum mehr bewusst sind, welcher Aufwand hinter der Aufbereitung und der Verteilung steht. In der Region am See stellen Technische Betriebe von Städten und Gemeinden die Versorgung sicher. So unterhält beispielsweise alleine Goldach ein Leitungsnetz mit 44 Kilometern Hauptleitungen und 30 Kilometern Hauszuleitungen. Sie leiten jährlich rund 735000 Kubikmeter Wasser aus vier Reservoirs zu Kundinnen und Kunden.

Den Herausforderungen gemeinsam stellen

In einer gemeinsamen Mitteilung machen nun Gemeinderäte und kommunale Versorgungswerke von Berg, Goldach, Rheineck, Rorschach, Steinach, Thal, Tübach und Untereggen auf den Umbruch im Versorgungsbereich aufmerksam. Die Liberalisierung des Strommarktes schreite voran und Themen wie Dezentralisierung, Digitalisierung und Dekarbonisierung bewirkten grundlegende Veränderungen, mahnen sie.

«In der Gesellschaft entstehen neue Einstellungen und die energiepolitischen und gesetzlichen Vorgaben und Anforderungen verändern sich schneller denn je. Alle Werke sind von diesen Entwicklungen zentral betroffen», schreiben die Räte. Im Bewusstsein auf die weiter steigenden Herausforderungen hätten sich die strategisch Verantwortlichen von acht Gemeinden entschlossen, Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit ihrer kommunalen Versorger zu prüfen.

Die Initianten zeigen sich überzeugt, dass jedes der Werke zu klein ist, um die steigenden Anforderungen an ein leistungsfähiges Versorgungsunternehmen mittel- und langfristig alleine meistern zu können. Eine verstärkte Zusammenarbeit biete die Möglichkeit, benötigte Dienstleistungen umfassender anzubieten und sichere zudem proaktiv die regionale Kundennähe, auch in Zukunft.

Alle Szenarien denkbar, auch ein Regio-Werk

Stellt sich die Frage, ob nur eine Zusammenarbeit oder auch eine Zusammenlegung vorgesehen sind, und ob Arbeitsplätze gefährdet sind? «Dazu kann zum heutigen Zeitpunkt keine Aussage gemacht werden, es geht um eine Auslegeordnung», sagt dazu Dominik Gemperli, Gemeindepräsident von Goldach. «Alle Optionen – ob eine schlichte Zusammenarbeit oder eine einheitliche Organisationsform – sind Gegenstand der Abklärungen. Daher können derzeit auch keine Aussagen zu künftigen Arbeitsplätzen gemacht werden.»

Die Frage der Ausgestaltung einer möglichen Zusammenarbeit werde hingegen entscheidenden Charakter haben. Gemperli sagt:

«Von einem gemeinsame Regio-Werk bis hin zu einer losen Zusammenarbeit seien alle Szenarien denkbar. Oder auch die Beibehaltung des Status Quo».

In den kommenden Wochen werden mit externer Unterstützung die Bedürfnisse der beteiligten Gemeinden gesammelt, analysiert und verschiedene Optionen einer engeren Zusammenarbeit geprüft. Der Prozess steht auch weiteren Gemeinden der Region offen. Die Abklärungen umfassen alle Leistungen wie Strom, Wasser, Kommunikation, Gas und Wärme.

Die Technischen Betriebe steuern je nach Gemeinde oder Stadt erhebliche finanzielle Mittel in die Gemeindekassen bei. Dominik Gemperli sagt auf die Frage, wie dies bei einer Zusammenarbeit geregelt sein wird? «Das ist Gegenstand der Abklärungen. Ich gehe aber klar davon aus, dass entsprechende Vergütungen auch in Zukunft an die jeweiligen Gemeinden bezahlt würden; nach Massgabe der Vorgabe des Regulators und auch dem Willen der Gesellschaft selber.»

Kleine Werke brauchen externe Unterstützung

Welche grundsätzlichen Vorteile bietet die Zusammenarbeit auf dem Energiemarkt? «Neben Aspekten zur Energiebeschaffung geht es vor allem auch darum, eine gewisse Organisationsgrösse zu erzielen. Durch Synergieeffekte können Vorteile entstehen, die allen Beteiligten helfen. Eine verstärkte Zusammenarbeit in diesem Thema ist sicher prüfenswert. Heute sind selbst mittelgrosse EWs bei der Auftragserfüllung von grossen Partnern abhängig. Es braucht also eine gewisse Grösse, um Entscheidungen wirklich autonom treffen zu können», sagt Gemperli.

Selbst mittelgrosse Unternehmen brauchen Unterstützung.

Die Vorgaben des Regulators würden immer komplexer. Für ein kleines Werk sei es unmöglich, alle Voraussetzungen zu erfüllen, die an ein modernes EW gestellt werden. Themen wie Smart Meter, liberalisierter Strommarkt und Eigenverbrauchsgemeinschaften seien in aller Munde. «Die meisten kleineren EWs, und wie gesagt selbst mittelgrosse Unternehmungen brauchen, viel externe Unterstützung. Eine verbesserte Zusammenarbeit könnte eine entscheidende Weichenstellung bleiben, um den Schritt in die anspruchsvolle Zukunft zu schaffen. Mit der grösseren Komplexität müssen sich kleine EWs natürlich die Frage stellen, ob ihr Berater oder die politisch Verantwortlichen die Entscheid treffen, welche die Zukunft gestalten», so der Gemeindepräsident. Ende Sommer werden die Verantwortlichen entscheiden, ob und in welcher Form die Zusammenarbeit vertieft ausgestaltet werden soll.