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Strohfeuer im Schuldach: Häggenschwiler Gemeindepräsident will nicht, dass Kinder im Nachbarort die Schulbank drücken

Damit Häggenschwil seine private Oberstufe erhalten kann, sollen Eltern ihre Kinder nur ausnahmsweise in Waldkirch zur Schule schicken. Das fordert der Gemeindepräsident. Der Schulratspräsident relativiert.
Adrian Lemmenmeier
2011 demonstrierten die Häggenschwiler mit Piratenflaggen gegen die geplante Schliessung der Oberstufe. (Bild: Ralph Ribi (25. November 2011))

2011 demonstrierten die Häggenschwiler mit Piratenflaggen gegen die geplante Schliessung der Oberstufe. (Bild: Ralph Ribi (25. November 2011))

Hans-Peter Eisenring fand deutliche Worte: Den langfristigen Erhalt der privaten Oberstufe erreiche man nur, wenn der grösste Teil der Häggenschwiler Primarschüler auch in die eigene Oberstufe wechsle, schrieb der Häggenschwiler Gemeindepräsident im Mitteilungsblatt. Auch wenn mit der Sekundarschule in Waldkirch eine Alternative bestehe, dürfe man dies nicht als freie Schulwahl betrachten.

«Jeder Schüler, der nach Waldkirch geht, fehlt uns in der Oberstufe und verursacht der Gemeinde zusätzliche Kosten.»

Seit sechs Jahren ist Häggenschwils Oberstufe in privater Hand. Der Vertrag mit der Betreiberin «SBW Haus des Lernens» aus Romanshorn läuft bis 2021, bald will man einen neuen aushandeln. 900'000 Franken pro Jahr lässt sich die Gemeinde die private Oberstufe derzeit kosten – unabhängig von der Anzahl Schülerinnen und Schüler.

Der Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring.

Der Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring.

Weil die Gemeinde auch eine öffentliche Schule anbieten muss, besteht zusätzlich ein Vertrag mit Waldkirch. Dort bezahlt Häggenschwil Schulgeld für jeden Schüler. 19'000 Franken pro Jahr. Dazu kommen Transportkosten.

Ohne Solidarität keine Schule

«Vor acht Jahren sind die Leute in Häggenschwil für die Schule zusammenstanden», sagt Gemeindepräsident Eisenring. Damals hatte der Erziehungsrat beschlossen, die Sekundarschule zu schliessen. Daraufhin probte Häggenschwil den Aufstand.

Petitionsübergabe zur Weiterführung der Oberstufe Häggenschwil. Die Häggenschwiler reisten mit zwei Extrabussen nach St.Gallen.

Petitionsübergabe zur Weiterführung der Oberstufe Häggenschwil. Die Häggenschwiler reisten mit zwei Extrabussen nach St.Gallen.

Mit Piraten-Flaggen demonstrierte man gegen die Schliessung und stellte schliesslich eine private Oberstufe auf die Beine – die bisher einzige der Schweiz. Eisenring sagt heute:

«Wenn wir unsere Oberstufe erhalten wollen, müssen wir unsere Kinder auch hier zur Schule schicken. »

Wenn es gute Gründe dafür gebe, dass ein Kind in Waldkirch oder etwa an die Flade in die Sekundarschule soll, respektiere man das natürlich. «Wir müssen aber daran erinnern, dass unser Modell auf Solidarität beruht.»

Akut gefährdet ist dieses Modell allerdings nicht. Derzeit besuchen gerade einmal zwei von 40 Häggenschwiler Oberstufenschülern die Schule Bünt in Waldkirch. «Auch im nächsten Schuljahr rechnen wir mit zwei Schülern, die in Waldkirch zur Schule gehen», sagt Maya Boppart, Leiterin der SBW Häggenschwil. Eine Zunahme in den letzten Jahren könne man nicht feststellen.

Legitime Gründe für Wechsel

Gemäss Gemeindepräsident Eisenring sollen über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler (also mindestens 36 von 40) die Oberstufe im Dorf besuchen. «Erreichen wir diese Zahl nicht, müssen wir überlegen, wie es weitergeht.» Auslöser für Eisenrings Aufruf sei gewesen, dass sich dieses Jahr mehrere Eltern für eine Beschulung ihres Kindes in der Oberstufe Waldkirch interessiert hätten.

Schulratspräsident Alan Germann.

Schulratspräsident Alan Germann.

Schulratspräsident Alan Germann nimmt die Sache gelassen. «Die Zahlen sind absolut im Rahmen.» Es gebe immer Eltern, die ihre Kinder an die Flade oder nach Waldkirch schickten. Manche würden aus ideologischen Gründen eine öffentliche Schule bevorzugen.

Wenn das soziale Umfeld für ein Kind zur Belastung werde, könne ein Wechsel an eine andere Schule von Vorteil sein. «Beide Gründe sind absolut legitim», sagt Germann. Wichtig sei, dass sich die Schulen nicht gegenseitig Schüler abspenstig machten.

«Die Schule in Waldkirch ist für uns ein Partner und kein Konkurrent.»

Waldkirch bemüht sich nicht um Schüler

In Waldkirch habe man Verständnis dafür, dass Häggenschwil seine Schüler im Dorf behalten wolle, sagt René Keller, Vizepräsident des Schulrats Waldkirch-Bernhardzell. Man freue sich natürlich immer über Schüler aus anderen Gemeinden, mache aber nicht aktiv Werbung bei Häggenschwiler Eltern.

«Wenn sich Leute aus Häggenschwil für unsere Schule interessieren, laden wir sie zu einem Informationsabend ein.»

Manchmal seien das mehr, manchmal weniger. Merkbar zugenommen habe das Interesse in den letzten Jahren aber nicht.

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