Strengere Auflagen für Standaktionen von Scientology - Stadtpolizei reagiert auf Vorwurf 

Die Stadtpolizei reagiert auf den Vorwurf, Scientology verkaufe an Ständen Bücher. Künftig darf die Sekte nur einzelne Exemplare auflegen.

David Gadze
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Die Sekte Scientology war in den vergangenen Jahren sehr präsent in der Stadt. Hier zum Beispiel mit einem Stand in der Marktgasse.

Die Sekte Scientology war in den vergangenen Jahren sehr präsent in der Stadt. Hier zum Beispiel mit einem Stand in der Marktgasse. 

Bild: Reto Voneschen

Scientology hatte die Präsenz in der Stadt St.Gallen in den vergangenen Jahren merklich gesteigert. Immer wieder war die Sekte oder eine ihrer Untergruppen (Dianetik, Narconon) mit Standaktionen in der Innenstadt präsent. In diesem Jahr war sie aber noch kein einziges Mal in St.Gallen zu sehen – und hat noch keine einzige Bewilligung für einen Stand gestellt. Das bestätigt Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei.

Das habe mit verschärften Auflagen der Stadtpolizei zu tun, schreiben die Freien Anti-Scientology-Aktivisten (Fasa) auf ihrer Facebook-Seite. Die Fasa waren in den vergangenen Monaten jeweils gleichzeitig wie Scientology in St.Gallen präsent und warnten Passanten vor der Sekte:

Yolanda Sandoval und Beat Künzi von den «Freien Anti-Scientology Aktivisten» warnen Passanten mit Schildern vor dem Scientology-Stand.

Yolanda Sandoval und Beat Künzi von den «Freien Anti-Scientology Aktivisten» warnen Passanten mit Schildern vor dem Scientology-Stand.

Bild: Michel Canonica

Da die Stadtpolizei die Aktionen der Fasa jedoch der Bewilligungspflicht unterstellte, zogen sie sich zurück.

Stadtpolizei konnte Verkauf nicht nachweisen

Die Polizei habe Scientology darauf hingewiesen, von jedem Buch – etwa vom Standardwerk «Dianetik» von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard – künftig nur jeweils ein Exemplar am Stand auflegen zu dürfen, sagt Kohler. Der Verkauf von Büchern sei, wie bei anderen Religionsgemeinschaften, verboten. Gegen Scientology habe es diesbezüglich jedoch Beschwerden gegeben – unter anderem von den Fasa.

«Wir konnten dies nicht nachweisen», sagt Kohler. Die Stadtpolizei werde die Einhaltung dieser Auflagen jedenfalls kontrollieren, wie bei anderen Aktionen. «Wir sind vor Ort präsent und gehen Hinweisen nach, wenn es denn solche gibt.»

Roman Kohler, Mediensprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Roman Kohler, Mediensprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Bild: PD

Da ab diesem Jahr in einer zweijährigen Pilotphase diverse Änderungen in der städtischen Bewilligungspraxis getestet würden, habe man Scientology zudem mitgeteilt, nicht mehr für das ganze Jahr Aktionen eingeben zu können. Sondern nur noch quartalsweise, damit auch andere Organisationen eine Chance hätten, ihre Aktionen durchzuführen.

Scientology spricht von «Abgabe gegen Spenden»

Jürg Stettler, Mediensprecher von Scientology Schweiz, dementiert, dass sich Scientology wegen der verschärften Auflagen aus St.Gallen zurückgezogen habe. «Wir werden auch künftig mit Informationsständen präsent sein.» Dass man seit der Information der Stadtpolizei Ende 2019 keine Gesuche gestellt habe, habe auch damit zu tun, dass der Weg nach St.Gallen weit sei und sich Scientology derzeit auf andere Städte konzentriere.

Allerdings verhehlt Stettler nicht, mit der Auflage der Stadtpolizei, bloss einzelne Exemplare von Büchern dabei haben zu dürfen, unzufrieden zu sein. Scientology habe sich immer an das Verkaufsverbot gehalten, beteuert er.

«Gegen eine Spende an die Drogenrehabilitationsstelle Narconon haben wir Interessierten jedoch Buchexemplare mitgegeben.»

Das sei keine Umgehung des Verkaufsverbots gewesen, man habe auch keinen Mindestbetrag verlangt. Diese Praxis sei aber «ein auch für uns unbefriedigender Kompromiss» gewesen. Dass nun nicht einmal das mehr möglich sei, ist für Stettler nicht ganz verständlich. «Wir sind zuversichtlich, dass wir Bücher kostenlos abgeben könnten, und werden das mit den Behörden besprechen.»